Werk:Apologia doctae ignorantiae/24
▷Arbitror autem te satis concepisse, quid in ea re sentiam, ex hiis, quae in libello De dato lumine impigre lectitasti. Oportet enim, qui scribentis in re aliqua mentem investigat, ut omnia scripta legat attente et in unam concordantem sententiam resolvat. Facile est enim ex truncatis scripturis aliquid reperiri, quod in se videtur dissonum; sed collatum ad integritatem voluminis est concordans, – uti venenosa animalia, quando separatim ab universo conspiciuntur, nihil pulchritudinis aut bonitatis habere videntur, sed ad universum collata, cuius sunt membra, suam habere pulchritudinem et bonitatem reperiuntur, cum universum, quod est totaliter pulchrum, ex partium pulchra componatur harmonia. Recitat in simili sanctus Thomas Contra gentiles quosdam ex dictis magni Dionysii occasionem recepisse, ut dicerent omnia esse Deum, quia ait in Caelesti hierarchia Deum esse omnium esse; si illi omnia eiusdem Ariopagitae opuscula legissent, utique in De divinis nominibus repperissent sic Deum esse omnium esse quod tamen nullum omnium, cum causatum numquam possit in aequalitatem suae causae elevari.
Ich glaube aber, daß du auf Grund dessen, was du in dem Büchlein De dato lumine eifrig gelesen hast, zur Genüge verstanden hast, was ich darüber denke. Wenn jemand die Ansicht eines Schriftstellers über irgendein Thema untersucht, so ist es notwendig, daß er dessen sämtliche Schriften aufmerksam liest und diese in ein einheitliches Sinnganzes auflöst. Denn es ist leicht, aus verstümmelten Schriften etwas zu finden, das in sich widersprüchlich erscheint; wenn man es aber dem vollständigen Werk gegenüberstellt, ist es einheitlich, so wie giftige Tiere, wenn man sie vom Gesamt getrennt betrachtet, nichts Schönes oder Gutes zu haben scheinen, wenn man sie aber dem Ganzen gegenüberstellt, dessen Glieder sie sind, findet man, daß sie ihre eigene Schönheit und Güte besitzen, da das Gesamt, das ganzheitlich schön ist, sich aus der schönen Harmonie der Teile zusammensetzt. Ähnlich berichtet der heilige Thomas in der Schrift Contra gentiles, daß einige Leute bei den Aussprüchen des großen Dionysius die Gelegenheit benützten, zu behaupten, alles sei Gott, weil dieser in De caelesti hierarchia sagt, Gott sei das Sein von allem. Aber wenn sie alle Werke des Areopagiten gelesen hätten, dann hätten sie auf alle Fälle in De divinis nominibus gefunden, daß Gott so das Sein von allem ist, daß er nichts von allem ist, weil das Begründete niemals zur Gleichheit mit seinem Grund erhoben werden kann. ◀▷