Werk:Apologia doctae ignorantiae/26
▷Ad quae cum ego subiungerem, ut missis superfluis citius evacuaret adversarii phantasmata, quod faciliter fieri posse adiunxi, cum sic in falso fundentur supposito, praecepit, ut ego saltim faciliora convellerem et sibi, quoad fieri posset, in arduis versari indulgerem. Tunc textum adversarii ad manus habens legi ibi, ubi ait non recte dici scire esse ignorare, cum habitus et privatio distinguantur. Statim interrupta lectura aiebat praeceptor: «Miror hominem, qui se magni aliquid esse putat, cur hoc sic scriptum in libellis Doctae ignorantiae affirmet. Nam etsi rubrum primi capituli inquisitorie dicat ‘Quomodo scire sit ignorare[1], tamen ob hoc non affirmat scire esse ignorare, nisi modo quo declaratur ibidem; qui est scilicet, quod se sciat ignorare. De qua scientia ignorationis in eo capitulo clarissima scribitur apertio, prout etiam supra de hoc actum est sufficienter; quam magnus Dionysius in principio libri De divinis nominibus supremam divi|namque esse ait, adiungens[2] eam scientiam, qua ipsum supersubstantiale nescitur, sermonem omnem ac sensum vincere et Deo adscribendam esse.»
Als ich ihn aufforderte, er solle das Überflüssige weglassen, um schneller die Wahnideen des Gegners zu entkräften, was, wie ich hinzufügte, leicht geschehen könne, da sie auf einer falschen Grundlage beruhten, entschied er, daß ich sogleich die geringeren Probleme erledigen und ihm soweit als möglich die Beschäftigung mit den schwierigeren überlassen solle. Ich nahm also den Text des Widersachers zur Hand und las die Stelle, an der er sagt, daß es unrichtig sei, zu behaupten, Wissen sei Nichtwissen, da Besitz und Beraubung zu unterscheiden seien. Sofort unterbrach der Meister die Vorlesung und sagte: «Ich staune, wie dieser Mann, der sich einbildet, etwas Bedeutendes zu sein, behaupten kann, dies sei so in den Büchern der Docta ignorantia geschrieben. Denn wenn auch die Überschrift des ersten Kapitels in der Form der Frage lautet: «Auf welche Weise Wissen Nichtwissen ist?», so wird darob trotzdem nicht behauptet, daß Wissen Nichtwissen sei; außer natürlich auf die dort dargelegte Art, nämlich, daß man um sein Nichtwissen weiß. Über das Wissen des Nichtwissens wird in diesem Kapitel eine sehr klare Ausführung geboten; außerdem ist früher schon genügend davon geschrieben worden. Der große Dionysius nennt es am Anfang seines Buches De divinis nominibus das höchste und göttliche und fügt hinzu, daß dieses Wissen, durch das, was jenseits der Substanz liegt, nicht gewußt wird, jede Rede und jeden Sinn überträfe und in Hinblick auf Gott gelte.» ◀▷