Werk:Apologia doctae ignorantiae/31
▷Et ego patientiam praeceptoris admirans subintuli: «Im|patienter[1] fero, quod te comparat ignoranti logicam, uti Averrois Avicennam.» Ad quae ipse: «Non te offendat istud. Nam etsi omnium sim ignorantissimus, sufficiat saltim mihi, quod huius ignorantiae scientiam habeam, quam adversarius non habet, licet desipiat. Legitur beatissimum Ambrosium letaniis addidisse: “A dialecticis libera nos, Domine.” Nam garrula logica sacratissimae theologiae potius obest quam conferat.» Et ego: «Cum tu, praeceptor, nisus sis ostendere Deum sciri non posse, uti est – in quo est radix doctae ignorantiae –, cur tibi mendacium imponit adaequatae praecisionis?» Ad quae praeceptor: «Nunc sic, tunc aliter dicit, quia non legit Doctae ignorantiae libellos, nisi ut, si posset, bene dicta confutaret. Hinc nihil intellexit eorum, quae legit. Sic actum est, ut reprehendendo non-scriptum quasi scriptum seipsum potius confunderet quam doctam sacram ignorantiam laederet, quae a nullo sperni potest, qui eam apprehendit. Nihil enim apertius in omnibus meis opusculis reperitur quam huius contrarium, in quod impingit. Undique enim, si voluisset, me hoc tantum sentire, quod praecisio, uti est, omnibus inaccessibilis manet, comperisset, – licet solam doctam ignorantiam fatear omnem modum Deum contemplandi incomparabiliter praecellere, quemadmodum omnes sancti id ipsum fatentur.»
Voll Bewunderung für die Geduld des Meisters warf ich ein: «Ich bin ungeduldig, weil er dich mit einem logischen Ignoranten vergleicht, wie Averroes den Avicenna.» Darauf erwiderte er: «Laß dich dadurch nicht beleidigen. Auch wenn ich der Unwissendste von allen sein sollte, würde es mir vollkommen genügen, daß ich um diese meine Unwissenheit weiß und der Gegner um seine nicht, wenn er auch unsinnig handelt. Man liest, daß der heilige Ambrosius der Litanei hinzugefügt habe: «Von den Dialektikern erlöse uns o Herr.» Denn eine geschwätzige Logik schadet der heiligen Theologie mehr als sie nützt.» Ich sagte: «Da du, Meister, dich zu zeigen bemühst, daß Gott nicht so gewußt werden kann, wie er ist – darin liegt die Wurzel der wissenden Unwissenheit –, wie kann er dir dann die Lüge zuschreiben, du habest dir eine genaue Angleichung angemaßt.» Der Meister antwortete: «Wenck spricht einmal so und einmal so, weil er die Bücher der Docta ignorantia nicht gelesen oder, wenn das möglich wäre, die richtigen Worte verdreht hat. Darum hat er nichts von dem, was er gelesen hat, verstanden, und so kommt es, daß er dadurch, daß er Nicht-Geschriebenes als Geschriebenes tadelt, sich eher selbst verwirrt, als daß er der heiligen wissenden Unwissenheit schadet. Sie nämlich kann von niemandem, der sie einmal verstanden hat, verachtet werden. In allen meinen Schriften ist nichts deutlicher zu finden als das Gegenteil von dem, was er angreift. Wenn er gewollt hätte, hätte er erfahren, daß meine Meinung nur dahin geht, daß die wirkliche Genauigkeit allen unerreichbar bleibt – wenn ich auch gestehe, daß die wissende Unwissenheit – wie es alle Heiligen bekennen –, jede andere Weise, Gott zu betrachten, unvergleichlich übertrifft.» ◀▷
- ↑ fol.38v