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Werk:Apologia doctae ignorantiae/50

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Postquam autem raptim legi ex Ignota litteratura conclusiones, quas se ex Docta ignorantia extraxisse scribit, praeceptor arrepto codice Doctae ignorantiae legit secundum et tertium capitulum secundi libri et ad oculum ostendit septimam conclusionem cum correlariis perverse extractam. Nam nihil aliud in illis capitulis ex intentione tractatur, quam quod creaturae esse sit ab esse absoluto, modo quo dici aut intelligi nequit; et alia non est assertio, licet tangantur modi dicendi diversi. Ubi vero adversarius impugnat Deum absolutam omnium quidditatem, aiebat praeceptor: «Nihil penitus intelligit homo ille. Nam Deus est quidditas omnium quidditatum et absoluta omnium quidditas sicut absoluta entitas entium et absoluta vita viventium. Ita dicit Ecclesia in oratione: “Deus vita viventium” et reliqua. Nec hoc dicere est confundere aut destruere quidditates rerum, sed construere, ut intelligunt sapientes.»

Nachdem ich aber eilig einige Schlüsse der Ignota litteratura, von denen Wenck behauptet, er habe sie aus der Docta ignorantia gewonnen, vorlas, griff der Meister wieder zu seiner Schrift, las das zweite und dritte Kapitel des zweiten Buches vor und zeigte ganz klar, daß die siebente Schlußfolgerung samt den Korrelarien sinnwidrig entnommen sei. Denn nichts anderes soll in diesen Kapiteln behandelt werden, als daß das Sein des Geschöpfes auf eine Art, die nicht ausgesagt oder eingesehen werden kann, vom absoluten Sein stammt. Und keine andere Behauptung findet sich dort, wenn auch verschiedene Aussageweisen berührt werden. Zu der Stelle, wo der Gegner Gott als absolute Washeit von allem angreift, bemerkte der Meister: «Dieser Mensch begreift überhaupt nichts. Denn Gott ist die Washeit aller Washeiten und die absolute Washeit von allem, wie er auch die absolute Seiendheit der Seienden und das absolute Leben der Lebenden ist. So betet die Kirche: «Gott, Du Leben der Lebenden ...» usw. So zu sprechen bedeutet nicht, die Washeiten der Dinge zu verwirren oder zu zerstören, sondern sie aufzubauen; so verstehen es die Weisen.»◀▷