DG1G/Einleitung/10
▷Zur Unterscheidung der sächsischen Mundart, die im Norden des Reichs, wiewol auf engerem Boden, jenen südlichen gegenüber Stand, und ebenso gültigen Anspruch auf den Hauptnamen hatte, scheint die hergebrachte Ausdrucksweise Niederdeutsch und Hochdeutsch die Gefügste, nicht bloß im örtlichen Sinn, der das höhere Gebirgsland den flachen Niederungen entgegensetzt, sondern auch geistig genommen, weil die hochdeutsche Sprache und Dichtkunst aufstieg, die Niederdeutsche sank. Denn selbst im Glanz der sächsischen Könige hatte die niederdeutsche Mundart nicht wieder zur Blüte gelangen können; unter den Frankischen und Schwäbischen sammelte sich die Hochdeutsche mit erneuter Stärke, und begann schon ihren Einfluß über den Mittelrhein, Hessen und Thüringen auszudehnen.