DG1G/Von den Vokalen/06
▷A der reinste aller Vokale vermag keinen der beiden andern zu beeinträchtigen, ist aber selbst ihrer unmittelbaren Einwirkung ausgesetzt: das a der vorhergehenden (meist der Wurzel) Silbe kann getrübt, gedämpft werden durch das iund u der folgenden. Dies nennen wir Umlaut; jeder Umlaut fordert ein i oder u der Endung, oder setzt sie theoretisch voraus. Wird die Ursache des Umlauts fühlbar aufgehoben, so tritt Rückumlaut ein, d. h. der ungetrübte Vokal wieder an seine Stelle. Doch war der Umlaut der ältesten Sprache fremd, entsprang erst später und gewann immer größeren Umfang, die geschwächte, erlöschende Endung flüchtete gleichsam in den Laut der Wurzel: er ist also ein jüngerer Behelf, dessen wir nun nicht mehr entraten, die ursprüngliche Vokalfrische gar nicht bedurfte.[1] Außer dem a wurden von dem iallmählich auch die übrigen, kurzen oder langen Vokale der entgegengesetzten dunkeln Reihe angegriffen und umgelautet, während u auf die ihm gegenübergestellten Vokale der hellen Reihe keinen Einfluß äußert. Überhaupt ist der Umlaut des adurch u nur dem altnordischen Dialekt bekannt.
- ↑ 1) Der Umlaut hat einige Analogie mit der Wandlung des s in r.