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DG1G/Von den Vokalen/22

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Nach dieser allgemeinen Üersicht der Vokalverhältnisse ist noch etwas von ihrer Bezeichnung zu sagen, an deren Genauigkeit in der Grammatik höchst gelegen sein muß. Lebendige Sprachen bedürfen ihrer an sich nicht, weil die richtige Aussprache jedem bekannt ist; aber die Zusammenstellung vielfacher Dialekte, noch mehr die Vergleichung urverwandter Sprachen würde ohne solche Sorgfalt einbüßen und unsicher werden. Die Kürze der Vokale ist nun das was immer ganz unbezeichnet bleibt, d. h. angenommen werden muß, wo keine Länge statt findet. Die Länge scheint am zweckmäßigsten durch den Zirkumflex ausgedrückt, wie ihn auch althochdeutsche Handschriften dafür verwenden. Zuweilen ist in ihnen und noch öfter in angelsächsischen und altnordischen Büchern die zweite hälfte des Zeichens abgebrochen, was bei Herausgabe der letztgenannten verleitet hat, den Akut an die Stelle des Zirkumflexes zu setzen. Wie mir scheint, verwerflich, da der Akut besser für andere Zwecke, teils zur Unterscheidung gebrochner Vokale von Diphthongen, theils zum Ausdruck des wirklichen Akzents gereicht. Punktierte Vokale helfen Umlaute anzeigen, oder auch andere Erscheinungen hervorheben; vorteilhaft können, wo es eigne Typen für einzelne Diphthongen oder für den Umlaut langer Vokale gibt, sie beibehalten werden. Doch in jedem Dialekt mag man ganz unbezeichnet lassen, was einmal bräuchlich ist und nicht weiter stört, der Gravis dient bloß für den tiefton, nicht um sonstige Beschaffenheiten der Vokale anzuzeigen.


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