DILW/5
Um jedoch jeder Infragestellung seiner Argumente zu entgehen, greift der Autor von Unkenntnislehre auf die folgende List zurück: [Er behauptet], dass sich die gesamte Anstrengung unserer menschlichen Intelligenz, indem sie so tiefe und unbegreifliche Angelegenheiten auf unbegreifliche Weise erfasst, zu jener Einfachheit erhebt, in der Widersprüche zusammenfallen.[1]
Und er sagt, dass die Konzeption seines ersten Buches sich mit dieser [Aufgabe] beschäftigt.
Er nennt dies Einfachheit Gott – ohne zu verstehen, was der Vers aussagt: nämlich „dass ich Gott bin“, mit dem kein erschaffenes Ding übereinstimmt und mit dem nichts von der Natur von irgendetwas vermischt ist.
Wenn nun der besagte Lehrer der Unkenntnislehre auf diese Weise jeden Widerspruch verhindern will, dann wird es hier keinen Widerspruch geben.
Und wer wird ihn widerlegen, da in diesem Fall keine Inferenz gezogen werden könnte?
Denn es gäbe keinen Widerspruch zwischen einem Voraussatz und einem ihm entgegengesetzten Nachsatz.
Was würde dann aus den Schlussfolgerungen der Propheten, Evangelisten und Apostel unseres Erlösers werden, durch die unser Glaube in nicht geringem Maße gegenüber den Ungläubigen bestätigt wird?
Darüber hinaus zerstören Lehren wie die dieses Autors das Grundprinzip aller Kenntnis, nämlich den Grundsatz, dass beides unmöglich ist, das gleiche Ding zu sein und nicht zu sein, [wie wir] in Metaphysik IV[2] [lesen].
Dieser Mann aber kümmert sich wenig um die Aussagen des Aristoteles.
Denn er sagt, er gehe immer von [ein und] derselben Grundlage aus und habe über den üblichen Ansatz der Philosophen hinaus [Lehren hervorgebracht, die] vielen ungewöhnlich erscheinen werden.
Daher sei der Herr Jesus [angeblich] durch die Zunahme seines Glaubens in seinem Verständnis und seiner Zuneigung vergrößert worden.[3]
- But in order to escape all calling into question of his arguments, this author of Learned Ignorance resorts to the following strategem: viz., [he asserts] that in incomprehensibly embracing such deep and incomprehensible matters, the whole effort of our human intelligence elevates itself unto that Simplicity where contradictories coincide.
- And he says that the conception of his first book labors with this [task].
- He calls this Simplicity God—not understanding that which the verse stated: viz., “that I am God,” with whom no created thing coincides and with whom nothing from the nature of anything is mingled.
- Now, if the aforesaid teacher of learned ignorance wants in this way to prevent all opposition, then there will be no contradiction there.
- And who will refute him, since in that case no inference could be established’?
- For there would be no inconsistency between an antecedent and a consequent opposite to it.
- What, then, would become of the inferences of our Savior’s prophets, evangelists, and apostles by which our faith is seen to be in no small measure confirmed against the infidels?
- Moreover, such teaching as this author’s destroys the fundamental principle of all knowledge: viz., the principle that it is impossible both to be and not to be the same thing, [as we read] in Metaphysics IV.
- But this man cares little for the sayings of Aristotle.
- For he says that he always sets out from [one and] the same foundation and that he has elicited, beyond the usual approach of the philosophers, [teachings which will seem] unusual to many.
- Wherefore, [allegedly], the Lord Jesus has been magnified in his understanding and affection through an increase of his faith.