Werk:Epistola auctoris ad dominum Iulianum cardinalem
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Epistola auctoris
[1] ad dominum Iulianum cardinalem.
Brief des Urhebers an den Herrn Julian, Kardinal.
Accipe nunc, pater metuende, quae iam dudum attingere variis doctrinarum viis concupivi, sed prius non potui, quousque in mari me ex Graecia redeunte, credo superno dono a patre luminum, a quo omne datum optimum, ad hoc ductus sum, ut incomprehensibilia [2] incomprehensibiliter amplecterer in docta ignorantia, per transcensum veritatum incorruptibilium humaniter scibilium. Quam nunc in eo, qui veritas est, absolvi hiis libellis, qui ex eodem principio artari possunt vel extendi.
Brief des Autors
an den Herrn Kardinal Julianus
Empfange nun, ehrwürdiger Vater, was ich schon längst auf den verschiedenen Wegen philosophischer Systeme zu erreichen [3] mich bemühte, vorerst aber nicht zu erreichen vermochte, bis ich auf dem Meer, als ich von Griechenland zurückkehrte, dazu geführt worden bin – ich glaube durch ein Geschenk von oben, vom Vater des Lichtes, von dem alle gute Gabe kommt –, daß ich das Unbegreifliche unbegreiflicherweise in wissendem Nichtwissen erkennend umfasse, und zwar durch das Übersteigen der unauflöslichen Wahrheiten des menschlichen Wissens.
Diese habe ich mit Hilfe dessen, der die Wahrheit ist, in diesen Büchern, die nach demselben Prinzip gekürzt oder erweitert werden können, entwickelt.
KI
"Empfange nun, ehrwürdiger Vater, was ich schon lange in verschiedenen Wegen der Lehre zu erreichen begehrte, aber zuvor nicht konnte, bis ich, als ich vom Meer zurückkehrte, glaube, durch das übernatürliche Geschenk des Vaters des Lichts, von dem jedes gute Geschenk stammt, dazu geführt wurde, dass ich die Unbegreiflichen unbegreiflich umarmte in der gelehrten Unkenntnis, durch das Überschreiten der unzerstörbaren Wahrheiten, die für den Menschen erkennbar sind. Was ich jetzt in dem, der die Wahrheit ist, mit diesen Schriften vollendet habe, die aus demselben Prinzip eingekreist oder erweitert werden können."== Einzelnachweise ==
Debet autem in hiis profundis omnis nostri humani ingenii conatus [1] esse, ut ad illam se elevet simplicitatem, ubi contradictoria coincidunt; in quo laborat prioris libelli conceptus. Secundus ex illo pauca de universo supra philosophorum communem viam elicit rara multis. Et nunc complevi finaliter tertium de Iesu superbenedicto libellum, ex eodem semper progrediens fundamento; et factus est [2] mihi Iesus Dominus continue maior in intellectu et affectu per fidei crementum. Negare enim nemo potest Christi fidem habens, quod hac via in desiderio altius non inflammetur, ita ut post longas medi tationes [3] et ascensiones dulcissimum Iesum solum amandum videat et cum gaudio omnia linquens amplexetur ut vitam veram et gaudium sempiternum. Taliter intranti in Iesum omnia cedunt, et nihil ingerere possunt difficultatis quaecumque scripturae, neque hic mundus, [4] quoniam in Iesum hic transformatur propter inhabitantem Christi spiritum in eo, qui est finis intellectualium desideriorum; quem tu, pater devotissime, supplici corde pro me miserrimo peccatore assidue exorare velis, ut pariter eo frui aeternaliter mereamur.
Complevi in cusa 1440, XII. februarii
Jeder Versuch unseres menschlichen Geistes muß sich in diesen Tiefen bewegen, auf daß er sich zu jener Einfachheit erhebe, wo die Gegensätze koinzidieren. Damit befaßt sich der Gedanke des ersten Buches.
Das zweite Buch leitet daraus einiges über das Gesamt ab, das vielen seltsam vorkommen wird und das jenseits des allgemeinen Weges der Philosophen liegt. Zum Abschluß habe ich jetzt, indem ich von demselben Fundament ausging, das dritte Buch über Jesus, der über alles gepriesen sei, vollendet.
Und durch das Wachstum im Glauben ist mir der Herr Jesus in Geist und Gemüt ständig größer geworden. Niemand nämlich, der an Christus glaubt, kann leugnen, auf diesem Weg in seinem Verlangen stärker entflammt zu werden, so daß er nach langer Betrachtung und Erhebung einsieht, daß Jesus allein zu lieben ist. Mit Freude verläßt er alles und umarmt ihn als das wahre Leben und die immerwährende Freude. Wer so in Jesus eingeht, vor dem weicht alles zurück und weder Schriften noch diese Welt können ihm Schwierigkeiten bereiten, weil er wegen des Geistes Christi, der in ihm wohnt und der das Ziel des geistigen Verlangens ist, in Jesus umgewandelt wird. Ihn mögest Du, ehrwürdigster Vater, mit demütigem Herzen für mich armen Sünder inständig bitten, auf daß wir gleicherweise gewürdigt werden, uns ewig seiner zu erfreuen.
KI
"Es muss jedoch in diesen Tiefen aller unserer menschlichen Ingenienstrebungen sein, dass sie sich zu jener Einfachheit erheben, wo die Widersprüche zusammenfallen; in diesem Punkt arbeitet der Entwurf des vorhergehenden Buches. Das zweite zieht aus jenem wenige Raritäten über das Universum hervor, die über den gemeinsamen Weg der Philosophen hinausgehen. Und nun habe ich schließlich das dritte Büchlein über den hochgesegneten Jesus vollendet, stets aus demselben Fundament fortschreitend; und Jesus, der Herr, ist mir durch das Wachstum des Glaubens weiterhin größer im Verstand und in der Zuneigung geworden. Denn niemand kann leugnen, der den Glauben an Christus hat, dass er durch diesen Weg im Wunsch nicht weiter angefacht wird, sodass er nach langen Meditationen und Aufstiegen den süßesten Jesus allein zu lieben sieht und, alles mit Freude hinter sich lassend, ihn umarmt, um das wahre Leben und die ewige Freude zu erlangen. So geben allem, was in Jesus eintritt, alle Dinge nach, und nichts, was die Schriften betrifft, kann irgendeine Schwierigkeit einbringen, noch diese Welt, da sie in Jesus verwandelt wird durch den in ihm wohnenden Geist Christi, der das Ende aller intellektuellen Begierden ist; den du, ehrwürdigster Vater, mit flehentlichem Herzen unablässig für mich, den elenden Sünder, anrufen mögest, damit wir gemeinsam seiner ewig genießen dürfen."