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GDSG/Einwanderung/10

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Die Geschichte der Deutschen, die das vierte in Europa vorrückende Volk bilden, pflegt man mit des Pytheas Meldungen zu beginnen, der zu Alexanders des Großen Zeit an Britannien vorüber nach Thule und an die Ostseeküste gereist sein soll, wo er Guttonen, Teutonen und Ostyaer traf. So ungünstig Polybius, Artemidorus und Strabo von seiner Glaubhaftigkeit urteilen, vereinbaren doch diese östlichen Völker sich mit den Teutonen, Gothonen und Aestiern des Tacitus, ja mit den Guten und Daukionen des Ptolemaeus auf der iInsel Scandia. 113-102 vor Chr. ziehen sodann Kimbern und Teutonen von der nördlichen Halbinsel den Rhein entlang haufenweise über die Alpen[1], Gallien wie Rom in Schrecken setzend; es war das erste Vorbild der Römerzüge, die aus Deutschland unser ganzes mittelalter hindurch nach Welschland geschahen. unterwegs musten sie schon mit andern germanischen Stämmen in Verbindung gewesen sein, da unmöglich anzunehmen ist, daß die Menge germanischer Völker, welche fünfzig jahre nachher zu Caesars Tagen das Land jenseit des Rheins erfüllt und allen folgenden Berichterstattern seßhaft daselbst erscheint, erst nach dem kimbrischen Zug vorgedrungen sei. Von einer Ankunft der Deutschen überhaupt weiß Tacitus nichts, sondern setzt sie in ihren Landstrichen als Eingeboren von jeher wohnend voraus: welch wanderlustiges Volk, sagt er, habe wohl aus Asien, Africa oder Italien über das schauerliche Meer nach dem rauhen Germanien schiffen mögen, wo nur der heimische es aushalte? offenbar musten die Deutschen da schon so lange niedergesessen sein, daß bereits alle Kunde von ihrem Einzug verschollen war und nicht mehr zu des Römers Ohr gelangte; bloß ihr weiteres vordringen über den Rhein gemeldet wurde damals.

◀Die geschichte der Deutschen, die das vierte in Europa vorrückende volk bilden, pflegt man mit des Pytheas meldungen zu beginnen, der zu Alexanders des groszen zeit an Britannien vorüber nach Thule und an die ostseeküste gereist sein soll, wo er Guttonen, Teutonen und Ostyaer traf. so ungünstig Polybius, Artemidorus und Strabo von seiner glaubhaftigkeit urtheilen, vereinbaren doch diese östlichen völker sich mit den Teutonen, Gothonen und Aestiern des Tacitus, ja mit den Guten und Daukionen des Ptolemaeus auf der insel Scandia. 113-102 vor Chr. ziehen sodann Cimbern und Teutonen von der nördlichen halbinsel den Rhein entlang haufenweise über die alpen[1], Gallien wie Rom in schrecken setzend; es war das erste vorbild der Römerzüge, die aus Deutschland unser ganzes mittelalter hindurch nach Welschland geschahen. unterwegs musten sie schon mit andern germanischen stämmen in verbindung gewesen sein, da unmöglich anzunehmen ist, dasz die menge germanischer völker, welche funfzig jahre nachher zu Caesars tagen das land jenseit des Rheins erfüllt und allen folgenden berichterstattern seszhaft daselbst erscheint, erst nach dem cimbrischen zug vorgedrungen sei. von einer ankunft der Deutschen überhaupt weisz Tacitus nichts, sondern setzt sie in ihren landstrichen als eingeboren von jeher wohnend voraus: welch wanderlustiges volk, sagt er, habe wol aus Asien, Africa oder Italien über das schauerliche meer nach dem rauhen Germanien schiffen mögen, wo nur der heimische es aushalte? offenbar musten die Deutschen da schon so lange niedergesessen sein, dasz bereits alle kunde von ihrem einzug verschollen war und nicht mehr zu des Römers ohr gelangte; blosz ihr weiteres vordringen über den Rhein gemeldet wurde damals.▷

  1. ↑ a b ** ὥσπερ νέφος ἐμπέσοιεν Γαλατίᾳ καὶ Ἰταλίᾳ. Plut. Marius 11, 5. mit demselben Bild heißt es in der Kaiserchronik (cod. pal. 361, 884): si sigen zuo sam diu wolchen uber Monteiôh, hei wie daz her daruber zôh!