GULR/Einleitung/11/3
▷3) Die 3 Hauche,
- der Lippen- oder Blaselaut w,
- der Zungen-oder Sauselaut s (das lateinische s entspricht unserm scharfen ß)
- und der Kehl- oder Hauchlaut h
- wurde in der einen Sprache gesetzt, in der andern weggelassen, oft wahrscheinlich gar nicht bezeichnet.
- Im Griechischen wurden alle 3 durch den Spiritus asper bezeichnet, so war
- so ist also
- (be) wege agō;
- aeol: Fἄγω, frage, rogō, Frogo;
- auswirken ex–Ferceo,
- urbs ist wurbs – warbes.
- sch–lüpfrig ist lūbricus,
- Specht pīcus,
- Stier taurus,
- s–chliesse claudō,
- s-chreiten, Schwed. scrida, s – gredi
- spanne pandō –
- scheide cedo, ab–scēdō, Ulphil. skaidan;
- Halle oder Saal – und umgekehrt;
- über super,
- Zinn Plattd. Tinn – stannum,
- grabe, scrībō.
- Auch werden die Laute verwechselt
- Bei manchen Wörtern mochte der Zischlaut später eintreten, vielleicht im Deutschen, wie im Italienischen und Französischen:
Das Streben, einen Zischlaut zuzusetzen, zeigt sich in mehrern Sprachen; denn daher kommt es, dass c j g vor e i im Französischen die eigenthümliche Aussprache erhielt, und im Italienischen e und g wie tschi und dschi ausgesprochen werden. Im Latein ward der Zischlaut s oft vor das t oder d gesetzt, im Deutschen hinter dasselbe, so dass dort st – hier ts oder z entstand; so ward aus dem Britischen tinn bei den Lateinern stannum, bei den Deutschen tsinn, oder Zinn; das Wort Het - Engl. Heat – ward im Lateinischen aestus – im Oberdeutschen Hitse == Hitze. So ward im Deutschen aus tegul – Schwed. tegel, Ziegel; aus taihend – zehend – zehn; beides gegen die Etymologie, da jenes von tego decke, dieses von: die Hände = 10 Finger, stammt.
Auch im Lateio mochte j schon zum Theil mit Zischlaut ausgesprochen sein, wahrscheinlich in juvo – jut schütze, jacio, jec schicke, jam schon, Die neuern Völker haben auch von vielen aus dem Deutschen stammenden Wörtern diese Hauche weggeworfen; so ward bei den Franzosen aus schreien escrier jetzt ecrier, aus Scheuer Escurie – Ecurie, aus staunen estonner – etonner, aus Forst forest –, aus Herberge Auberge, aus wallen aller, aus wandern Ital. andare, bei andern hinzugenommen, so ward aus Garten jardin etc.[1]
- ↑ Berichtigung S.31. Z.3. am Ende.