KÜZKDWH/36
▶Bei einer näheren Erörterung des korrespondenztheoretischen Elementes in Habermas’ Diskurslogik bestätigt es sich übrigens, daß transzendentale Überrlegungen zur Konstitution von Erkennen und sittlichem Handeln keine be liebige Ergänzung zur Geltungsproblematik darstellen. Die Aporien im Verrhältnis von Erkennen und Gegenstand einerseits, die im Verhältnis von sitttlichem Handeln und Bedürfnissen andererseits fordern die transzendentalen Analysen geradezu heraus. Die Aporien der Korrespondenztheorie lösen sich erst dann auf, wenn man eine Erkenntnistheorie nicht auf dem vorstellenden Denken des Alltagsbewußtseins aufbaut, sondern dieses zu einem kritisch spekulativen Denken hin übersteigt. Kant hat gezeigt, daß der letzte Orienntierungspunkt der Wahrheit nicht im Gegenstand, sondern im Denken selbst zu suchen ist. Dessen subjektive Bedingungen können deshalb objektive Gülltigkeit haben, weil sie das Objekt selbst der logischen Form nach erzeugen. In der Kritik der naiv-realistischen Interpretation der Adäquationsformel ist Hegel noch einen Schritt weiter gegangen. Die Phänomenologie des Geistes hat darauf aufmerksam gemacht, daß die Realität nicht nur vom erkennen den Subjekt überhaupt, sondern auch von der Art seiner Erkenntnis abhängt. Wenn sich aber mit dem Erkenntnis-(Sprach-)System auch die beiden Relata der Adäquationsformel, das Sein und das Denken, verändern, dann findet sich hier nicht nur wie bei Kant eine neue, eine aporiefreie Deutung der Adäquationsformel. Es findet sich hier auch eine Kritik jedweder statischen Begriffe von Sache und Denken. Wie für Habermas so ist auch für Kant die nichtanalytische Aussagenwahrheit der Gegenstand der Wahrheitstheorie. Die damit verbundene statische Beziehung von Aussage und Sachverhalt ist nach Hegel zu relativieren. In der dialektischen Verflüssigung des Verhältnisses von Sein und Bewußtsein wird jeder bewegungslose Gegensatz von Wahr und Falsch kritisiert und ein neuer, ein spekulativer Wahrheitsbegriff erforderlich.
Einzelnachweise