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KÜZKDWH/12

aus AufEinWort, der freien Forschung

▶Während Kierkegaard den subjektiven Wahrheitsbegriff nicht als Ersetzung des objektiven versteht, sondern als dessen Korrektiv, unternimmt Nietzsche eine Radikalisierung und gleichzeitige Absolutsetzung des subjektiven Wahr­heitsbegriffs. Nietzsche geht von dem Ereignis aus, das seiner Meinung nach die (objektive) Wahrheit in eine Krisis geführt hat, dem Ereignis des euro­päischen Nihilismus. Zum Versuch, dieses geschichtliche Ereignis aufzuklären und kraft Aufklärung zu überwinden, gehört wesentlich ein neues Bewußt­sein von Wahrheit, ein subjektiver Wahrheitsbegriff, der gegenüber dem ob­jektiven zunächst nicht eine Relativierung, sondern eine Verschärfung der Wahrheitsfrage darstellt. Die (objektive) Wahrheit wird auf ihren Legitima­tionsgrund hinterfragt[1] und dieser in einem vorgängigen Willen zum Erkenn­bar-Machen gesehen[2]. Die objektive Wahrheit wird also nach ihrer Funktion für das untersucht, was absoluten Wert hat, für das sich steigernde Leben: den sogenannten Willen zur Macht. Unter diesem für Nietzsche sich selbst legitimierenden Kriterium kann die (objektive) Wahrheit der vorstellenden Vernunft als eine der zentralen Erhaltungs- und Wachstumsbedingungen für das Leben gelten. Das Leben, ein stetes Werden, wird durch die objektive Wahrheit zwar auf eine einengende Perspektive fixiert, die sich aber dann rechtfertigt, wenn sie für ein Wesen lebensfördernd ist. Wahrheit ist die lebensnotwendige perspektivische Fälschung im Dienste der Steigerung des Machtgefühls[3], die sich in wachsender Lebenslust ausdrückt[4].

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Einzelnachweise

  1. ↑ 13 Zur Genealogie der Moral, Werke ed. Schlechta II 891.
  2. ↑ Aus dem Nachlaß der Achtzigerjahre, Werke III 543 (sog. „Wille zur Macht“ 517).
  3. ↑ 15 Werke III 919 (Wille zur Macht 534).
  4. ↑ Werke III 744 (Wille zur Macht 434); III 750 (688).