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Ontologischer Naturalismus

aus AufEinWort, der freien Forschung

Die fortschreitende naturwissenschaftliche Erkenntnis scheint eine Einheit der Erfahrungswissenschaften auf physikalischer Grundlage anzudeuten.[1] Murray Gell-Mann schrieb dazu: „Mitunter gelingt einer Theorie eine bemerkenswerte Synthese, indem sie die Regelmäßigkeiten eines breiten Spektrums von Phänomenen, die zuvor getrennt … beschrieben wurden, in einer gerafften und eleganten Darstellung komprimiert.“[2]

Ein möglicher Ansatz für eine durchgängige, einheitliche Sicht der Erfahrungswissenschaften auf die Natur ist der ontologische Naturalismus, wie ihn z. B. Bernulf Kanitscheider vertritt.[3] Gerhard Vollmer kann sich noch nicht entschließen, der Philosophie in dieser Sache die „Lufthoheit“ zu nehmen, obwohl auch er eine Reihe von Argumenten für einen erfahrungswissenschaftlichen Naturalismus vorlegt, u. a. das Attribut „evolutionär“. Er hält es für „… naheliegend, den Evolutionsbegriff und die Evolutionstheorie nach unten und nach oben auszudehnen“,[4] also in Richtung Physik und in Richtung Sozialordnung.

Erste Ansätze einer verbindenden Metaphysik gibt es im Rahmen des prozessorientierten Modells der emergenten (d. h. sich entwickelnden) Selbstorganisation. Dieses Modell bezieht neben der Evolution weitere verwandte Konzepte ein wie Synergetik, Symbiose, Holismus, Autopoiesis und Komplexitätstheorie. Eine solche Metaphysik reicht in die menschliche Gesellschaft hinein bis zur spontanen Sozialordnung und der Unsichtbaren Hand des Marktes. Es gibt, vom Urknallbeginnend, eine Kette von emergenten Prozessen von der Entwicklung der unbelebten Natur bis zur belebten Natur und den geistigen Fähigkeiten der Menschen.[5]

  1. ↑ Vgl. z. B. Edward O. Wilson: Die Einheit des Wissens, Siedler 1998
  2. ↑ Murray Gell-Mann, Das Quark und der Jaguar, Piper, 1994, S. 134
  3. ↑ Bernulf Kanitscheider, Die Materie und ihr Schatten, Alibri, 2007
  4. ↑ Gerhard Vollmer, Auf der Suche nach der Ordnung, Hirzel, 2013, S. 32
  5. ↑ Günter Dedié, Die Kraft der Naturgesetze – Emergenz und kollektive Fähigkeiten von den Elementarteilchen bis zur menschlichen Gesellschaft, 2. Aufl., tredition, 2015