Werk:Apologia doctae ignorantiae/20
▷«Ostendit se potius quadam invidia contra personam motum, quando fatetur cautelam additam, quae omnem impugnationem scripti excludit. Sed quando ait semen scientiae, quod in illo prin- cipio ‘quodlibet est vel non est’ complicatur, et omnem discursum tolli, non sane concipit. Non enim advertit doctam ignorantiam versari circa mentis oculum et intellectibilitatem; et hinc cessat ab omni ratiocinatione, qui ducitur ad visionem, et testimonium eius est de visu. “Quod enim vidit, attestatur[1], uti Iohannes Baptista de Christo et Paulus de raptu suo loquitur. Opus autem habet discursu, qui per testimonium de auditu veritatem venatur, – sicuti communius ducimur per fidem, quae ex auditu est. Unde, si quis diceret: “Tu cum dicas testimonium de visu esse certius, quod sine omni argumento et discursu ostendit, igitur negas aliud esse testimonium de auditu et omnem ratiocinationem”, nequaquam bene diceret.
«Wenn er zugibt, daß ein Vorbehalt beigefügt ist, der jeden Angriff gegen die Schrift ausschließt, beweist er damit, daß er eher aus persönlicher Abneigung gehandelt hat. Wenn er aber dann sagt, daß der in dem Prinzip «etwas ist oder ist nicht» enthaltene Samen des Wissens auch jeden Fortgang des Gedankens aufhebe, so hat er ihn nicht richtig begriffen. Er bemerkt nicht, daß die wissende Unwissenheit das Auge des Geistes und die vernünftige Verständlichkeit anspricht. Und daher weicht er ab von jeder vernünftigen Denkbewegung, die zur Schau führt. Das Zeugnis, das er gibt, gilt für die Sinnlichkeit. «Denn was er sah, bezeugt er», sprechen Johannes der Täufer von Christus und Paulus von seiner Entrückung. Derjenige, der durch das Zeugnis des Hörens die Wahrheit sucht, braucht einen Fortgang des Gedankens – so wie wir ja auch gemeinhin durch den Glauben, der aus dem Hören ist, geführt werden. Falls darum jemand sagt: «Wenn du behauptest, daß das Zeugnis der Schau, weil es ohne jede Begründung und Überlegung aufweist, sicherer sei, dann leugnest du, daß es außerdem noch das Zeugnis des Hörens und die verständige Denkbewegung gibt» – dann hat er keineswegs richtig gesprochen. ◀▷
- ↑ cf. Ioann. 3,32.