Werk:Apologia doctae ignorantiae/37
▷Et cum consequenter correlarium, quod adversarius ponit, legerem, – quomodo “in maximitate absoluta omnia id sunt, quod sunt, quia est entitas absoluta, sine qua nihil est[1]; addendo Eckardum similiter dicere esse esse Deum, inferendo per hoc tolli subsistentias rerum in proprio genere, – aiebat praeceptor: «Posset dici adversario illud, quod dixit Augustinus in Confessionibus, dum laudaret Deum tamquam venam omnis esse, subiungendo: “Quid ad me, si non intelligis?[2] Nam cum creatorem nominemus Deum et dicimus eum esse, ad coincidentiam nos elevantes dicimus Deum cum esse coincidere. Moyses nominat eum formatorem: “Formavit igitur Deus hominem[3], et cetera. Si igitur ipse est formarum forma, ipse dat esse, licet forma terrae det terrae esse et forma ignis igni. Forma vero, quae dat esse, Deus est, qui format omnem formam. Unde, sicut imago habet formam, quae dat ei esse hoc, per quod est imago, et forma imaginis est forma formata et id, quod est veritatis, non habet nisi ex forma, quae est veritas et exemplar: sic omnis creatura in Deo est id, quod est. Nam ibi est omnis creatura, quae est imago Dei, in sua veritate. Per hoc tamen non tolluntur subsistentiae rerum in suis propriis formis; et si hic homo veritatem amaret, addere debuisset correlarium contrarium ex hiis, quae legere potuit multum diffuse, clare et expresse in Docta ignorantia.
Als ich anschließend nun das von dem Gegner zusammengestellte Korrelarium las – daß «in der absoluten Größe alles das ist, was es ist, weil sie die absolute Seiendheit ist, ohne die nichts ist» indem er hinzufügt, daß Eckhart in ähnlicher Weise sage, daß das Sein Gott sei, und noch einflicht, daß dadurch der Grundbestand der Dinge in ihrer eigenen Gattung aufgehoben werde –, sagte der Meister: «Man könnte dem Gegner das sagen, was Augustinus in den Confessiones sagt, wo er Gott als Lebensnerv alles Seins preist: «Was geht es mich an, wenn du mich nicht verstehst?» Denn wenn wir den Schöpfer Gott nennen und sagen, daß er ist, erheben wir uns zur Koinzidenz und sagen, daß Gott mit dem Sein koinzidiert. Moses nennt ihn den Bildner: «Es bildete also Gott den Menschen» usw. Wenn er also selbst die Gestalt der Gestalten ist, gibt er auch selbst das Sein, so wie die Gestalt der Erde der Erde das Sein gibt und die Gestalt des Feuers dem Feuer. Die Gestalt aber, die das Sein gibt, ist Gott, der jede Gestalt gestaltet. Wie daher das Bild eine Gestalt hat, die ihm das Bild-Sein gibt und die Gestalt des Bildes eine gestaltete Gestalt ist und es das, was Wahrheit ist, nur aus jener Gestalt hat, die Wahrheit und Urbild ist, so ist jedes Geschöpf in Gott das, was es ist. Denn dort ist jedes Geschöpf, das ein Abbild Gottes ist, in seiner Wahrheit. Dadurch werden aber die Bestandgründe der Dinge in ihren eigentlichen Gestalten nicht aufgehoben; und wenn dieser Mann die Wahrheit liebte, hätte er aus dem, was er ausführlich, klar und deutlich in der Docta ignorantia lesen konnte, ein völlig gegensätzliches Korrelarium hinzufügen müssen. ◀▷
- ↑ Wenck concl. I cor. 1 p. 26,1-5; 26,20 sq.
- ↑ Augustinus Confessiones I 6 (p. 7 Knoell).
- ↑ Gen. 2,7.