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Werk:Apologia doctae ignorantiae/41

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Post haec legi praeceptori secundam conclusionem, quam traxit adversarius, scilicet praecisionem incomprehensibilem, et admirationem eius, quomodo videtur in docta ignorantia, si est incomprehensibilis. . Tunc praeceptor adiunxit: «Non mirum, si admiratur, quia nihil mirabilius homini quam docta ignorantia, videre scilicet praecisionem videri non posse, – ut supra et satis de hoc dictum est. Ubi ait hoc fundamentum annullare scientiam divinorum, verum dicit: Quia non est scientia, qua quis credit se scire, quod sciri nequit, ibi scire est scire se non posse scire. Dixit correlarium verum, scilicet omnem similitudinem claudicare. Sed cum admiratur, quomodo dato simili semper in infinitum similius dari possit in habentibus terminos magnitudinis suae, consideret divisionem lineae finitae, ubi ad indivisibilem punctum non pertingitur, licet per partium partes ad ipsum accedere videamur. – Correlarium aliud similiter est verum, scilicet quod per similitudinem non attingitur veritas.»

Nun las ich dem Meister die zweite Schlußfolgerung des Gegners vor, nämlich jene über die unfaßbare Genauigkeit, und seine Verwunderung, wie diese, wenn sie unfaßbar ist, in der wissenden Unwissenheit gesehen werden kann. Darauf sagte der Meister: «Es ist kein Wunder, wenn er staunt, denn nichts ist erstaunlicher für den Menschen als die wissende Unwissenheit: zu sehen, daß die Genauigkeit nicht gesehen werden kann – wie es oben ausführlich dargelegt wurde. Wenn er sagt, daß dieses Fundament das Wissen um das Göttliche zunichte mache, sagt er die Wahrheit, denn ein Wissen, durch das jemand glaubt, etwas zu wissen, was nicht gewußt werden kann, ist kein Wissen. In diesem Fall bedeutet darum Wissen, daß man weiß, nichts wissen zu können. Im Korrelarium kommt etwas Wahres zum Ausdruck, nämlich, daß jeder Vergleich hinke. Aber, wenn er erstaunt, daß in den Dingen, die ein Ende ihrer Größe haben, zum gegebenen Ähnlichen ohne Ende ein noch Ähnlicheres gegeben werden kann, möge er die Teilung der begrenzten Linie bedenken, bei der man den unteilbaren Punkt nicht erreicht, obwohl man sich ihm durch Teilen der Teile zu nähern scheint. – Das andere Korrelarium, daß man die Wahrheit durch Ähnlichkeit und Gleichnis nicht erreicht, ist auf ähnliche Weise wahr.»◀▷