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Werk:Apologia doctae ignorantiae/5

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Placuit mihi haec praeceptoris comparatio; sed obieci ex hoc theologiam veram non posse litteris commendari. Fatebatur plane omne id, quod aut scribitur aut auditur, longe inferius ea esse; quam tamen in Scripturis sacris dixit occultari. Est enim theologia de regno Dei; et hoc magister noster Christus occultatum in abscondito thesauro declaravit. Unde, cum ad hoc tendat omnis inquisitio et hoc sit scrutari Scripturas, scilicet id reperire, quod inventum absconditur et remanet occultum et inaccessibile, satis patere dixit hoc aliud non esse quam doctam ignorantiam. «Iactant se enim», ut aiebat, «huius temporis plerique magistri, qui agrum habent Scripturarum, ubi audiverunt occultari thesaurum regni Dei, ex hoc se divites, ut is homo, qui Ignotam scripsit litteraturam. Sed qui vidit thesaurum manere absconditum ab oculis omnium sapientum, in hoc gloriatur, quia scit se pauperem; et in hoc se videt praefatis ditiorem, quia scit se pauperem, quod alii ignorant. Unde ob scientiam paupertatis hic se humiliat, et ob praesumptionem divitiarum alius superbit, uti hic homo ignorans inflatus vanitate verbalis scientiae in suo exordio non veretur se promittere elucidationem aeternae sapientiae.»

Mir gefiel dieser Vergleich des Meisters; aber ich hielt ihm entgegen, daß demzufolge die wahre Theologie den Buchstaben nicht anvertraut werden könne. Er gab offen zu, daß alles, was geschrieben oder gehört wird, ihr weit unterlegen sei; dennoch sei sie verborgenerweise in den heiligen Schriften enthalten. Es befaßt sich nämlich die Theologie mit dem Reich Gottes. Von diesem sagt Christus, unser Meister, daß es in einem verborgenen Schatz enthalten sei. Wenn also alles Suchen und die Erforschung der Schrift darauf zielt, das zu finden, was, sobald es gefunden ist, verborgen wird und geheim und unerreichbar bleibt, dann – so sagte er – sei es offenkundig, daß dies nichts anderes sei als die wissende Unwissenheit. «Viele Lehrer unserer Zeit», so sagte er, «besitzen den Acker der Schriften, in dem, wie sie gehört haben, der Schatz des Gottesreiches verborgen ist. Sie halten sich deshalb für reich, so wie dieser Mensch, der die Ignota litteratura verfaßte. Derjenige aber, der erkennt, daß dieser Schatz den Augen aller Weisen verborgen bleibt, rühmt sich darin, daß er sich arm weiß; in diesem Wissen, das den Vorerwähnten fehlt, sieht er sich reicher als jene. Dieser erniedrigt sich um des Wissens seiner Armut willen, und jener erhöht sich um des Wahnes seines Reichtums willen, so wie dieser unwissende Mensch mit der Nichtigkeit des Wortwissens prahlt und sich nicht scheut, in seinem Vorwort die Erleuchtung der ewigen Weisheit zu versprechen.»


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