Fünfter Brief
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Gründet auf dem Werk „Platon's Werke, Fünfte Gruppe“ Platon
350 v. Chr. hrsg.
Briefe (Platon)
Entwurf Liste Werke von Wilhelm Wiegand
Brief
1859 n. Chr. erst.
17:27 Uhr freigegeben
ungeprüft
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http://www.opera-platonis.de/Briefe.html
FÜNFTER BRIEF
PLATON WÜNSCHT DEM PERDIKKAS HEIL UND SEGEN DER VERNUNFT IN ALLEN SEINEN HANDLUNGEN
[321 St.3 C] Nachdem ich dem Euphraios geraten habe, ganz wie Du schriebst, deinen Regierungsgeschäften sich zu widmen und dabei auszuharren, so habe ich wohl das Recht, auch dir den als heilig geltenden Freundschaftsrat zu erteilen, wie unter anderen Angelegenheiten, an welche du denken solltest, vor Allem jetzt Euphraios zu verwenden ist. Dieser Mann ist zu vielen Geschäften brauchbar, [D] am besten aber zu dem worin du ihn jetzt nötig hast, sowohl deshalb weil du noch jung bist, als auch darum weil es in Bezug auf jenen Punkt wenige ordentliche Ratgeber für junge Fürsten gibt. Es hat nämlich, wie bekannt ist, jede der verschiedenen Staatsverfassungen einen eigenen Ton, wie dies bei den Vögeln der Fall ist, aus einem Tone spricht die Demokratie, aus einem anderen die Oligarchie, aus einem anderen wiederum die Monarchie. Diese verschiedenen Töne zu verstehen behaupten zwar sehr Viele, meistens sind sie aber weit von dem eigentlichen Begreifen derselben entfernt. [E] Welche Verfassungsform nun die ihr eigentümliche sowohl gegen Gott als auch die Welt gebraucht und auch dieser Sprache gemäß ihre Handlungen einrichtet, diese blüht immer und hält sich aufrecht; sucht sie aber eine andre nachzuahmen, so geht sie zu Grunde. In dieser Beziehung nun kann dir Euphraios sehr von Nutzen sein, obgleich er auch in andren Stücken tüchtig ist. Denn die Sprache der Monarchie [322 St. A] wird er hoffentlich am besten unter allen denen finden, welche an deinem Hofe verweilen. Dazu brauche ihn also, und du wirst die größten Vorteile davon ziehen, so wie du ihm dann auch die gebührenden Belohnungen nicht schuldig bleiben wirst.
Wenn jemand diese meine Belehrungen hört, so kann er erwidern: „Platon also denn gibt seinerseits sich den Anschein, als wenn er sich auf das Heil einer Demokratie verstehe, aber obgleich er in der Republik seiner Vaterstadt als Redner und heilsamster Ratgeber hätte auftreten können, so hat er dies doch niemals getan und gar keinen Laut von sich hören lassen." Hierauf ist die Antwort zu geben: Platon's Geburt kam erstlich für seine Vaterstadt zu spät und er fand das Volk bereits im Zustande des absterbenden Greisenalters, sodann war das Volk [B] durch die früheren Politiker an vielerlei und solche Handlungsweisen gewöhnt, welche mit dem Rate desselben in keinen Einklang zu bringen waren. Mit dem allergrößten Vergnügen würde er dem Volke wie seinem Vater mit seinem Rate beigestanden sein, wenn er nicht geglaubt hätte, sich vergeblich in Gefahren zu stürzen, ohne das Geringste auszurichten. Zu diesem Ergebnis eines Rates von mir würde es offenbar geführt haben. Hätte es nämlich mich für unheilbar gehalten, so hätte es mir vielmals Adieu gesagt und sich jeden Rats an mich und zu meinen Angelegenheiten enthalten. Leb wohl.