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Werk:De docta ignorantia/104

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Quis ista intelligere posset, quomodo omnia illius unicae infinitae [1] formae sunt imago, diversitatem ex contingenti habendo, quasi creatura sit Deus occasionatus sicut accidens substantia occasionata et mulier vir occasionatus? Quoniam ipsa forma infinita non est nisi finite recepta, ut omnis creatura sit quasi infinitas finita aut Deus creatus, ut sit eo modo, quo hoc melius esse possit; ac si dixisset [2] creator: «Fiat», et quia Deus fieri non potuit, qui est ipsa aeternitas, hoc factum est, quod fieri potuit Deo similius. Ex quo subinfertur omnem creaturam ut talem perfectam, etiam si alterius respectu minus perfecta videatur. Communicat enim piissimus Deus esse omnibus eo modo, quo percipi potest. Cum igitur Deus absque diversitate et [3] invidia communicet et recipiatur, ita quod aliter et alterius contingentia recipi non sinat, quiescit omne esse creatum in sua perfectione, quam habet ab esse divino liberaliter, nullum aliud creatum esse appetens tamquam perfectius, sed ipsum, quod habet a maximo, praediligens quasi quoddam divinum munus, hoc incorruptibiliter [4] perfici et conservari optans.

Wer kann verstehen, wie alles das Bild dieser einzigen, unendlichen Gestalt ist und die Verschiedenheit nur aus Zufälligem hat, als wäre das Geschöpf gleichsam ein zufälliger Gott, so wie das Akzidens eine zufällige Substanz und die Frau ein zufälliger Mann ist? Die unendliche Gestalt ist nur auf endliche Weise aufgenommen, so daß jedes Geschöpf eine endliche Unendlichkeit oder ein geschaffener Gott ist und dies auf die bestmögliche Weise. Und wenn der Schöpfer gesagt hat «Es werde», so ist dies geworden, was Gott ähnlicher werden konnte, da er selbst als Ewigkeit nicht werden konnte.

Daraus ergibt sich zugleich, daß jedes Geschöpf als solches vollkommen ist, auch wenn es aus anderer Sicht weniger vollkommen zu sein scheint. Denn der gütigste Gott teilt das Sein allen so zu, wie sie es aufnehmen können. Da also Gott ohne Unterschied und Beeinträchtigung mitteilt und [p.331] seine Gaben so aufgenommen werden, daß sie nicht anders und nicht von einem anderen aufgenommen werden können, ruht jedes geschaffene Sein in seiner Vollkommenheit, die es vom göttlichen Sein in Fülle erhalten hat und trachtet nicht danach, ein anderes Geschöpf zu sein, als ob es dadurch vollkommener wäre. Es liebt vielmehr in vorzüglicher Weise das, was es vom Größten erhalten hat als göttliches Geschenk und wünscht, dies auf unvergängliche Weise zu vollenden und zu bewahren.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 68.15
  2. ↑ 68.20
  3. ↑ 68.25
  4. ↑ 68.30