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Werk:De docta ignorantia/11

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Capitulum IV.

Maximum absolutum incomprehensibiliter intelligitur; cum quo minimum coincidit.

Maximum, quo maius esse nequit, simpliciter et absolute cum [2] maius sit, quam comprehendi per nos possit, quia est veritas infinita, non aliter quam incomprehensibiliter attingimus. Nam cum non sit de natura eorum, quae excedens admittunt et excessum, super omne id est, quod per nos concipi potest; omnia enim, quaecumque sensu, ratione aut intellectu apprehenduntur, intra se et ad invicem taliter [3] differunt, quod nulla est aequalitas praecisa inter illa. Excedit igitur maxima aequalitas, quae a nullo est alia aut diversa, omnem intellectum; quare maximum absolute cum sit omne id, quod esse potest, est penitus in actu; et sicut non potest esse maius, eadem ratione nec minus, cum sit omne id, quod esse potest. Minimum autem est, quo [4] minus esse non potest. Et quoniam maximum est huiusmodi, manifestum est minimum maximo coincidere.

Et hoc tibi clarius fit, si ad quantitatem maximum et minimum contrahis. Maxima enim quantitas est maxime magna; minima quantitas est maxime parva. Absolve igitur a quantitate maximum et [5] minimum – subtrahendo intellectualiter magnum et parvum –, et clare conspicis maximum et minimum coincidere; ita enim maximum est superlativus sicut minimum superlativus. Igitur absoluta quantitas non est magis maxima quam minima, quoniam in ipsa minimum est maximum coincidenter.

Kapitel IV.

Das absolut Größte, mit dem das Kleinste koinzidiert, wird auf unbegreifliche Weise eingesehen

Das schlechthin Größte, über das hinaus es nichts Größeres geben kann, da es größer ist, als daß es von uns begriffen werden könnte, und weil es die unendliche Wahrheit ist, berühren wir nicht anders als in Unbegreifbarkeit. Denn da es nicht von der Natur dessen ist, das Ausgehendes und Ausgegangenes zuläßt, steht es jenseits des für uns Begreiflichen. Alles nämlich, was durch Sinnlichkeit, Verstand oder Geist begriffen wird, ist untereinander so voneinander verschieden, daß es keine genaue Gleichheit zwischen ihm gibt.

Es entzieht sich also die größte Gleichheit, die keinem gegenüber eine andere oder verschiedene ist, jeder geistigen Einsicht. Das in Absolutheit Größte ist ganz Wirklichkeit, da es alles ist, was es sein kann. Und da es eben alles ist, was es sein kann, kann es nicht größer und, aus demselben Grund, auch nicht kleiner werden. Das Kleinste aber ist jenes, über das hinaus nichts kleiner sein kann und da das Größte von der selben Art ist, ist es klar, daß das Kleinste mit dem Größten koinzidiert.

Das wird deutlicher, wenn man das Größte und Kleinste zur Quantität verschränkt und auf sie bezieht. Die größte Quantität ist die «am größten» große. Die kleinste Quantität ist die «am größten» kleine. Löst man also das Größte und das Kleinste von der Quantität los, indem man in Gedanken «groß» und «klein» abzieht, dann wird man deutlich sehen, daß das Größte und Kleinste koinzidieren; denn das Kleinste ist ebenso ein Superlativ wie das Größte. Die absolute Quantität ist also «die größte» in keinem größeren Maße als «die kleinste», da in ihr das Kleinste und das Größte koinzidiert.

Einzelnachweise

  1. ↑ [p.10]
  2. ↑ 10.5
  3. ↑ 10.10
  4. ↑ 10.15
  5. ↑ 10.20