Werk:De docta ignorantia/135
Peripatetici vero solum possibiliter formas in materia esse dicebant [1] et per efficientem educi. Unde istud verius est, quod scilicet formae non solum sunt ex possibilitate, sed efficiente. Qui enim tollit in ligno partes, ut fiat ex ligno statua, addit de forma. Et hoc quidem manifestum est. Nam quod ex lapide non potest fieri arca per artificem, defectus est materiae; et quod quis alius ab artifice ex ligno eam [2] efficere nequit, defectus est in efficiente. Requiritur igitur materia et efficiens. Et hinc formae quodammodo possibiliter sunt in materia, quae ad actum secundum convenientiam efficientis deducuntur. Sic in possibilitate absoluta universitatem rerum possibiliter dixerunt. Et est ipsa possibilitas absoluta interminata et infinita propter [3] carentiam formae et aptitudinem ad omnes, ut possibilitas figurandi ceram in leonis aut leporis figuram aut alterius cuiuscumque interminata est. Et ista infinitas contraria est infinitati Dei, quia ista est propter carentiam, Dei vero propter habundantiam, quoniam omnia in ipso ipse actu. Ita infinitas materiae est privativa, Dei negativa. [4] Haec est positio eorum, qui de possibilitate absoluta locuti sunt.
Die Peripatetiker dagegen sagten, die Formen seien nur der Möglichkeit nach im Stoff und würden durch den Wirkenden herausgeholt. Das ist wahrer, denn in diesem Fall bewirkt nicht nur die Möglichkeit, sondern auch der Bildner die Gestalten. Wer vom Holz Teile hinwegnimmt, so daß daraus eine Statue entsteht, fügt Form hinzu; das ist durchaus klar. Daß aus Stein durch einen Künstler kein Kasten entsteht, ist eine Unfähigkeit des Stoffes, daß aber irgendein anderer, kein Künstler, den Kasten aus Holz nicht machen kann, ist eine Unfähigkeit des Wirkenden. Also sind sowohl der Stoff als auch der Wirkende erforderlich. Und daher sind die Gestalten im Stoff in gewisser Weise als Möglichkeit enthalten und werden dem Wollen des Wirkenden entsprechend zur Wirklichkeit geführt.
So sagten sie, daß in der absoluten Möglichkeit die Gesamtheit der Dinge der Möglichkeit nach sei. Wegen des Mangels der Gestalt und der Eignung zu allem ist die absolute Möglichkeit unbegrenzt und unendlich, genauso wie die Möglichkeit, die Gestalt eines Löwen oder Hasen oder von irgend etwas anderem in Wachs zu bilden unbegrenzt ist. Diese Unendlichkeit ist der Unendlichkeit Gottes entgegengesetzt, weil diese wegen der Leere, die Gottes aber wegen der Fülle Unendlichkeit ist, da alles in ihm er selbst als Wirklichkeit ist. Daher ist die Unendlichkeit der Materie privativ, die Gottes negativ. Das ist die Stellung jener, die über die absolute Möglichkeit gesprochen haben.== Einzelnachweise ==