Werk:De docta ignorantia/136
Nos autem per doctam ignorantiam reperimus impossibile fore possibilitatem absolutam esse. Nam cum inter possibilia nihil minus esse possit quam possibilitas absoluta, quae est propinquissime circa non-esse (secundum etiam positionem auctorum), hinc ad minimum [1] deveniretur atque ad maximum in recipientibus magis et minus, quod est impossibile. Quare possibilitas absoluta in Deo est Deus, extra ipsum vero non est possibilis; numquam enim est dabile aliquid, quod sit in potentia absoluta, cum omnia praeter primum necessario [2] sint contracta. Si enim reperiuntur diversa in mundo ita se habentia, quod ex uno possunt plura esse quam ex alio, ad maximum et minimum simpliciter et absolute non devenitur; sed quia ista reperiuntur, patet absolutam possibili|tatem non esse dabilem.
[p.367] Wir dagegen finden mit Hilfe der wissenden Unwissenheit, daß die Existenz einer absoluten Möglichkeit unmöglich ist. Denn da unter dem Möglichen nichts geringer sein kann als die absolute Möglichkeit, die bereits ganz nahe beim Nichtsein ist – auch nach der Meinung jener Autoren –, so gelangte man in dem, was mehr und weniger aufnimmt, zum Kleinsten und Größten; und das ist unmöglich. Darum ist die absolute Möglichkeit in Gott Gott, aber außerhalb von ihm nicht möglich. Denn da mit Ausnahme des Ersten alles verschränkt sein muß, kann es niemals etwas geben, das in absoluter Möglichkeit vorhanden wäre.
Wenn auch in der Welt Verschiedenes zu finden ist, das sich derart verhält, daß aus einem mehr werden kann als aus dem anderen, so gelangt man doch nicht zu dem schlechthin und in Absolutheit Größten und Kleinsten. Eben weil sich derartiges findet ist offenbar, daß es keine absolute Möglichkeit geben kann.== Einzelnachweise ==