Werk:De docta ignorantia/150
0 Oportet igitur acute intelligere ista, quoniam anima mundi est [1] Oportet igitur acute intelligere ista, quoniam anima mundi est consideranda ut quaedam forma universalis in se complicans omnes formas, non tamen existens actu nisi contracte in rebus, quae in qualibet re est forma contracta rei, uti de universo superius dictum est.
Est igitur Deus causa efficiens et formalis atque finalis omnium, qui [2] efficit in Verbo uno omnia quantumcumque diversa inter se; et nulla potest esse creatura, quae non sit ex contractione diminuta, ab isto opere divino per infinitum cadens. Solus Deus est absolutus, omnia alia contracta.
Nec cadit eo modo medium inter absolutum et contractum, ut illi [3] imaginati sunt, qui animam mundi mentem putarunt post Deum et ante contractionem mundi. Solus enim Deus anima et mens mundi est eo modo, quo anima quasi quid absolutum, in quo omnes rerum [4] formae actu sunt, consideratur. Philosophi quidem de Verbo divino et maximo absoluto sufficienter instructi non erant; ideo mentem et animam ac necessitatem in quadam explicatione necessitatis absolutae sine contractione considerarunt.
[5] Non sunt igitur formae actu nisi in Verbo ipsum Verbum et in rebus contracte. Formae autem, quae sunt in natura intellectuali creata, licet secundum intellectualem naturam sint magis absolute, tamen sine contractione non sunt, ut sint: intellectus, cuius operatio est intelligere per similitudinem abstractivam, ut ait Aristoteles. De quo [6] quaedam in libro De coniecturis. Et ista de anima mundi dicta sufficiant.
Man muß also genau verstehen, daß die Weltseele gewissermaßenals allgemeine, alle Gestalten in sich einschließende Gestalt zu betrachten ist, die jedoch nur in den Dingen verschränkt wirklich ist. Sie ist in jedem Ding seine verschränkte Gestalt, so wie es oben vom Gesamt gesagt wurde.
Gott ist also der Wirk-, Gestalt- und auch Ziel-Grund von allem. In einem Wort bewirkt er alles, wie verschieden es auch immer untereinander sein mag. Und es kann kein [p.383] Geschöpf geben, das nicht auf Grund seiner Verschränkung geringer wäre und von diesem göttlichen Werk unendlich abfiele. Gott allein ist absolut, alles andere ist verschränkt.
Es gibt auch nichts Mittleres zwischen dem Absoluten und dem Verschränkten in der Weise, wie jene es sich vorstellten, die annahmen, die Weltseele sei ein Geist, der nach Gott und vor der Verschränkung der Welt stünde. Gott allein ist Seele und Geist der Welt in der Weise, daß die Seele als etwas Absolutes betrachtet wird, in dem die Gestalten aller Dinge wirklich sind. Manche Philosophen waren über das göttliche Wort und über das absolute Größte nicht genügend unterrichtet. Daher dachten sie Geist und Seele und Notwendigkeit in einer Art Entfaltung der absoluten Notwendigkeit ohne Verschränkung.
Gestalten sind also nur im Wort als Wort und in den Dingen in Verschränkung wirklich. Gestalten aber, die in geistiger Natur geschaffen sind, sind, obwohl sie der geistigen Natur gemäß eher absolut sind, dennoch nicht unverschränkt, denn sie sind Gestalten des Intellekts, dessen Tätigkeit, wie Aristoteles sagt, vermittels abstraktiver Ähnlichkeit verstehen bedeutet. Darüber einiges in «De coniecturis». Das über die Weltseele Gesagte möge genügen.== Einzelnachweise ==