Werk:De docta ignorantia/159
Poli igitur sphaerarum coincidunt cum centro, ut non sit aliud centrum quam polus, quia Deus benedictus. Et quoniam nos motum non nisi comparatione ad fixum, scilicet polos aut centra, deprehendere possumus et illa in mensuris motuum praesupponimus: hinc in [2] coniecturis ambulantes in omnibus nos errare comperimus et admiramur, quando secundum regulas antiquorum stellas in situ non reperimus concordare, quia eos recte de centris et polis et mensuris credimus concepisse.
Ex hiis quidem manifestum est terram moveri. Et quoniam ex motu [3] cometae, aeris et ignis elementa experti sumus moveri et lunam minus de oriente in occasum quam Mercurium aut Venerem vel solem, et ita gradatim: hinc terra ipsa adhuc minus omnibus movetur, sed tamen non est ut stella circa centrum aut polum minimum describens circulum; neque octava sphaera describit maximum, ut statim [4] [5] proba|tum est.
Die Pole der Sphären koinzidieren also mit dem Mittelpunkt und dieser ist nichts anderes als der Pol, weil es Gott der Gepriesene ist. Da wir die Bewegung nur im Vergleich zu etwas Festem, wie es die Pole oder Mittelpunkte sind, erfassen können und diese beim Messen der Bewegungen voraussetzen, erfahren wir, daß wir uns in Mutmaßungen bewegen und uns in allem irren, und wir staunen, wenn wir finden, daß die Sterne den Regeln der Alten gemäß in [p.395] ihrer Stellung nicht übereinstimmen, da wir annehmen, daß sie die über Mittelpunkt, Pol und Messungen richtigen Begriffe hatten. Aus dem geht klar hervor, daß die Erde sich bewegt.
Und da wir aus der Bewegung des Kometen erfahren haben, daß sich die Elemente der Luft und des Feuers bewegen, und daß sich der Mond weniger vom Aufgang zum Niedergang bewegt als Merkur, Venus oder Sonne, und zwar stufenweise, so folgt daraus, daß sich die Erde von allen am wenigsten bewegt. Dennoch beschreibt sie im Hinblick auf Mittelpunkt oder Pol nicht den kleinsten Kreis und die achte Sphäre nicht den größten; das wurde schon gezeigt.== Einzelnachweise ==