Werk:De docta ignorantia/211
Hac licet remotissima similitudine supra id, quod intelligi per nos potest, alleviamur parumper in nostra meditatione, quoniam Pater [1] aeternus immensae bonitatis nobis volens divitias gloriae suae et omnem scientiae et sapientiae plenitudinem ostendere Verbum aeternum, Filium suum, qui ista et plenitudo omnium existit, nostris infirmitatibus compatiens, quoniam aliter quam in sensibili et nobis simili forma percipere non poteramus, ipsum secundum nostram [2] capacitatem manifestans, humana natura induit per Spiritum sanctum sibi consubstantialem. Qui quidem Spiritus quasi ut vox ex aere attracto per inspirationem de puritate fecunditatis virginalis sanguinis corpus ipsum animale contexuit, rationem | adiciens, ut homo esset; [3] Verbum Dei Patris adeo interne adunavit, ut centrum subsistentiae [4] humanae naturae existeret. Et haec omnia non seriatim, ut in nobis conceptus temporaliter exprimitur, sed operatione momentanea supra omne tempus secundum voluntatem conformem infinitae potentiae peracta sunt.
Durch diesen, wenn auch entfernten Vergleich, werden wir in unserer Betrachtung für kurze Zeit über das, was von uns eingesehen werden kann, erhoben. Da uns der ewige Vater in seiner unermeßlichen Güte die Reichtümer seiner Herrlichkeit und die ganze Fülle der Wissenschaft und Weisheit [p.455] zeigen will, hat er aus Mitleid mit unserer Schwachheit das ewige Wort, seinen Sohn, der solches und die Fülle von allem ist, gemäß unserem Auffassungsvermögen offenbart und durch den ihm wesensgleichen Heiligen Geist mit der menschlichen Natur bekleidet; denn anders als in sinnlicher und uns ähnlicher Form hätten wir ihn nicht erfassen können.
Dieser Geist webte – gleichsam wie die Stimme aus der zusammengezogenen Luft – durch Einhauchung aus der Reinheit der Fruchtbarkeit jungfräulichen Blutes jenen lebendigen Körper und fügte die Vernunft hinzu, so daß er Mensch wurde. Das Wort Gottes des Vaters vereinte er innerlich so sehr mit ihm, daß es der Mittelpunkt des Grundbestandes der menschlichen Natur wurde. Und das alles wurde nicht nach und nach – wie bei uns die Empfängnis in zeitlicher Weise ausgedrückt wird –, sondern in einem augenblicklichen, überzeitlichen Tun gemäß jenem Willen vollbracht, der der unendlichen Allmacht gleich ist.== Einzelnachweise ==