Werk:De docta ignorantia/22
Capitulum VIII.
De generatione aeterna.
Ostendamus nunc brevissime ab unitate gigni unitatis aequalitatem, connexionem vero ab unitate procedere et ab unitatis aequalitate. .
Unitas dicitur quasi ὠντας ab ὠν Graeco, quod Latine ens dicitur; et est unitas quasi entitas. Deus namque ipsa est rerum entitas; forma enim essendi est, quare et entitas. Aequalitas vero unitatis quasi aequalitas entitatis, id est aequalitas essendi sive existendi. Aequalitas [2] vero essendi est, quod in re neque plus neque minus est; nihil ultra, nihil infra. Si enim in re magis est, monstruosum est; si minus est, nec est.
Kapitel VIII.
Die ewige Zeugung
Wir möchten jetzt ganz kurz zeigen, daß die Gleichheit der Einheit gezeugt wird, die Verknüpfung aber von der Einheit und von der Gleichheit der Einheit ausgeht.
Die Einheit (unitas) wird von dem Griechischen ὠν, das im Lateinischen ens heißt, gleicherweise auch ὠντας; genannt; die Einheit ist auch die Seiendheit. Denn Gott ist die Seiendheit der Dinge: er ist die Form des Seienden, daher auch die Seiendheit. Die Gleichheit der Einheit aber ist gleicherweise die Gleichheit der Seiendheit, d. h. die Gleichheit des Seienden oder des Bestehenden. Die Gleichheit des Seienden aber bedeutet, daß im Ding weder mehr noch weniger ist, nichts darüber und nichts darunter. Denn wenn im Ding mehr ist, ist es ungeheuerlich, wenn weniger ist, ist es überhaupt nicht.