Werk:De docta ignorantia/248
[1] Talia quidem ascendenti ad Christum per fidem manifestantur gradatim. Cuius fidei divina efficacia inexplicabilis est; nam unit credentem cum Iesu, si magna fuerit, ut supra omnia sit, quae in unitate cum ipso Iesu non sunt. Hic enim, si integra est fides in virtute Iesu, cui unitur, supra naturam et motum potestatem habens etiam [2] spiritibus malignis imperat; et mirabilia non ipse, sed in ipso et per ipsum Iesus operatur, ut sanctorum gesta exempla tradunt. Oportet autem perfectam Christi fidem esse purissimam, maximam, formatam caritate, quanto hoc fieri potest efficacius. Non enim patitur quidquam sibi commisceri, quoniam est fides purissimae [3] veritatis potentis ad omnia. Saepissime in antehabitis replicatum reperitur minimum maximo coincidere. Ita quidem et in fide, quae simpliciter maxima in esse et posse; non potest in viatore esse, qui non sit et comprehensor simul, qualis Iesus fuit. Viatorem autem tantum etiam, quoad se, actu maximam Christi fidem habere volentem [4] necesse est, ut fides apud ipsum ad tantum certitudinis indubitabilis gradum elevata sit, ut etiam minime sit fides, sed summa certitudo absque omni haesitatione in aliquo quocumque.
Derartiges wird dem, der im Glauben zu Christus emporsteigt, stufenweise offenbar. Die göttliche Wirksamkeit dieses Glaubens ist unerklärbar; denn sie eint den Glaubenden, wenn der Glaube groß genug gewesen ist, mit Christus, so daß er über alles das erhaben ist, was sich nicht in der Einheit mit Jesus befindet. Ist sein Glaube in der Kraft Jesu, dem er vereint wird, unversehrt, so befiehlt er auch den bösen Geistern und hat Macht über das Naturgeschehen. Und das Wunderbare vollbringt nicht er selbst, sondern Jesus, der in ihm und durch ihn wirkt. Dies zeigen die Taten der Heiligen.
[p.499] Der vollkommene Glaube an Christus muß ganz rein, groß und, soweit dies nur möglich ist, in der Liebe erwachsen sein. Denn da er der Glaube an die reinste, allmächtige Wahrheit ist, duldet er nicht, daß irgend etwas mit ihm vermischt wird. Im Vorhergehenden wurde wiederholt bedacht, daß das Kleinste mit dem Größten koinzidiert. Ebenso verhält es sich auch im Glauben; er ist das einfachhin Größte in Sein und Können. Er kann nicht in einem Wanderer sein, der nicht zugleich auch wie Jesus das Ziel erreicht hätte.
Bei diesem Wanderer, der den tiefsten Glauben an Christus wirklich besitzen will, muß der Glauben zu einem solchen Grad unbezweifelter Gewißheit erhoben sein, daß er zugleich auch der geringste Glaube ist, jedoch als höchste Gewißheit und ohne irgendwelches Schwanken.== Einzelnachweise ==