Werk:De docta ignorantia/33
Capitulum XII.
Quomodo signis mathematicalibus sit utendum in proposito.
Verum quoniam ex antehabitis constat maximum simpliciter nihil horum esse posse, quae per nos sciuntur aut concipiuntur, hinc, cum [2] ipsum symbolice investigare proponimus, simplicem similitudinem transilire necesse est. Nam cum omnia mathematicalia sint finita et aliter etiam imaginari nequeant: si finitis uti pro exemplo voluerimus ad maximum simpliciter ascendendi, primo necesse est figuras mathematicas finitas considerare cum suis passionibus et rationibus, et [3] ipsas rationes correspondenter ad infinitas tales figuras transferre, post haec tertio adhuc altius ipsas rationes infinitarum figurarum transsumere ad infinitum simplex absolutissimum etiam ab omni figura. Et tunc nostra ignorantia incomprehensibiliter docebitur, quomodo de altissimo rectius et verius sit nobis in aenigmate [4] laborantibus sentiendum.
Kapitel XII.
Die Anwendung mathematischer Zeichen in der Abhandlung
Aus dem Vorhergehenden steht als wahr fest, daß das schlechthin Größte nichts von dem sein kann, was von uns gewußt oder erfahren wird; da wir uns vornehmen, es durch Symbole zu erforschen, ist es notwendig, die einfache Ähnlichkeit zu überschreiten. Jedes Mathematische ist endlich und kann auch nicht anders vorgestellt werden; so müssen wir, wenn wir Endliches als Beispiel gebrauchen wollen, um zum schlechthin Größten emporzusteigen, zuerst die mathematischen Gebilde als endliche mit ihren Bezugsmöglichkeiten und Wesenseigentümlichkeiten betrachten und die letzten in entsprechender Weise auf derartige unendliche Gebilde übertragen; danach müssen wir an dritter Stelle, tiefer als bisher, die Wesensbestimmungen der unendlichen Gebilde auf das schlechthin Unendliche, das von jedem Gebilde völlig losgelöst ist, anwenden. Dann wird unsere Unwissenheit auf unbegreifliche Weise darüber belehrt werden, wie wir, die wir uns mit jenem Rätsel mühen, über das Höchste denken sollen.