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Werk:De docta ignorantia/92

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Si consequenter hanc regulam mathematicae adaptes in geometricis figuris, aequalitatem actu impossibilem vides et nullam rem cum alia in figura praecise posse concordare nec in magnitudine. Et quamvis [1] regulae verae sint in sua ratione datae figurae aequalem describere, in actu tamen aequalitas impossibilis est in diversis. Ex quo ascende, [2] quomodo veritas abstracta a materialibus ut in ratione aequalitatem videt, quam in rebus experiri per omnia impossibile est, quoniam ibi non est nisi cum defectu.


Wenn man diese Regel folgerichtig auf die Mathematik anwendet, sieht man, daß in den geometrischen Figuren eine wirkliche Gleichheit unmöglich ist und daß kein Ding mit einem andern in Gestalt oder Größe genau übereinstimmen kann. Obwohl die Regeln dafür, zu einer gegebenen Figur eine gleiche zu beschreiben, in ihrem Wesenssinn wahr sind, ist eine Gleichheit in der Wirklichkeit im Unterschiedenen dennoch unmöglich. Von hier steige man zu der Einsicht, daß die vom Stofflichen losgelöste Wahrheit die Gleichheit als im Wesenssinn sieht; diese in den Dingen zu erfahren, ist in jeder Hinsicht unmöglich, da sie dort nur mangelhaft ist.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 61.25
  2. ↑ [p.62]