De docta ignorantia Liber primus Capitulum VIII.
Capitulum VIII.
De generatione aeterna.
Ostendamus nunc brevissime ab unitate gigni unitatis aequalitatem, connexionem vero ab unitate procedere et ab unitatis aequalitate. .
Unitas dicitur quasi ὠντας ab ὠν Graeco, quod Latine ens dicitur; et est unitas quasi entitas. Deus namque ipsa est rerum entitas; forma enim essendi est, quare et entitas. Aequalitas vero unitatis quasi aequalitas entitatis, id est aequalitas essendi sive existendi. Aequalitas [2] vero essendi est, quod in re neque plus neque minus est; nihil ultra, nihil infra. Si enim in re magis est, monstruosum est; si minus est, nec est.
Kapitel VIII.
Die ewige Zeugung
Wir möchten jetzt ganz kurz zeigen, daß die Gleichheit der Einheit gezeugt wird, die Verknüpfung aber von der Einheit und von der Gleichheit der Einheit ausgeht.
Die Einheit (unitas) wird von dem Griechischen ὠν, das im Lateinischen ens heißt, gleicherweise auch ὠντας; genannt; die Einheit ist auch die Seiendheit. Denn Gott ist die Seiendheit der Dinge: er ist die Form des Seienden, daher auch die Seiendheit. Die Gleichheit der Einheit aber ist gleicherweise die Gleichheit der Seiendheit, d. h. die Gleichheit des Seienden oder des Bestehenden. Die Gleichheit des Seienden aber bedeutet, daß im Ding weder mehr noch weniger ist, nichts darüber und nichts darunter. Denn wenn im Ding mehr ist, ist es ungeheuerlich, wenn weniger ist, ist es überhaupt nicht.Generatio aequalitatis ab unitate clare conspicitur, quando quid sit generatio attenditur. Generatio est enim unitatis repetitio vel eiusdem [3] naturae multiplicatio a patre procedens in filium. Et haec quidem generatio in solis rebus caducis invenitur. Generatio autem unitatis ab unitate est una unitatis repetitio, id est unitas semel; quod, si bis vel ter vel deinceps unitatem multiplicavero, iam unitas ex se aliud procreabit, ut binarium vel ternarium vel alium numerum. Unitas vero [4] semel repetita solum gignit unitatis aequalitatem; quod nihil aliud intelligi potest quam quod unitas gignat unitatem. Et haec quidem generatio aeterna est.
Die Zeugung der Gleichheit von der Einheit sieht man deutlich, wenn man beachtet, was die Zeugung ist. Die Zeugung nämlich ist die Wiederholung der Einheit oder die Vervielfältigung derselben Natur, die vom Vater in den Sohn übergeht. Diese Zeugung ist nur in den vergänglichen Dingen zu finden.
Die Zeugung der Einheit aus der Einheit aber ist eine einzige Wiederholung der Einheit, d. h. die einmalige Einheit; denn wenn ich sie zweimal oder dreimal oder der Reihe nach wieder vervielfältigen würde, würde diese Einheit aus sich anderes hervorbringen, wie die Zweiheit oder Dreiheit oder eine andere Zahl. Die Einheit aber, nur einmal wiederholt, erzeugt die Gleichheit der Einheit, was nicht anders verstanden werden kann, als daß die Einheit die Einheit zeugt. Und das ist die ewige Zeugung.