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Werk:De ven. sap./102

aus AufEinWort, der freien Forschung

102▷Pro quo signo lineam ab, et dico ab lineam magnam, quia maior medietate eius, posseque ipsam fieri maiorem per eius extensionem seu augmentum, sed non fiet magnitudo quae, cum sit, <sit> quod esse potest. Linea si fieret ita magna, quod maior esse non posset, [1] esset id quod esse posset; et non esset facta, sed esset aeterna, posse fieri antecedens; et non esset linea, sed aeterna magnitudo. Ita video omne, quod fieri potest maius, cum sit post posse fieri, numquam fieri id quod esse potest. Sed quia magnitudo est quod esse potest, tunc nec potest esse maior nec potest esse minor. Ideo ipsa nec est [2] maior nec minor omni magno et omni parvo, sed omnium magnorum  et parvorum causa efficiens, formalis et finalis, adaequatissimaque mensura; in omnibus magnis et parvis omnia et simul nullum omnium, cum omnia magna et parva sint post posse fieri, quod ipsa antecedit.

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Übs. Sg.

Zu diesem Zweck zeichne ich die Linie a–b und nenne a-b eine große Linie, weil siegrößer ist als ihre Hälfte. Ich stelle fest, daß sie größer werden kann durch Ausdehnung oder Verlängerung. Doch sie wird nicht zur Größe werden, die als solche ist, was sie sein kann. Würde die Linie so groß werden, daß sie nicht grö-ßer sein könnte, so wäre sie das, was sie sein könnte. Sie wäre nicht geworden, sondern ewig und ginge dem Werden-Können voraus. Sie wäre nicht Linie, sondern ewige Größe. So sehe ich, daß alles, was größer werden kann, niemals das wird, was es sein kann, da es nach dem Werden-Können ist. Da indes die Größe ist, was sie sein kann, darum kann sie nicht größer noch kleiner sein. Sie ist darum nicht größer noch kleiner als irgendein Großes und irgendein Kleines, sondern aller großen und kleinen Dinge Wirk-, Form- und Zielursache und allergenauestes Maß. Sie ist in allen großen und kleinen Dingen alles und zugleich keines von alen. Sind doch alle großen und kleinen Dinge dem Werden-Können nachgeordnet, dem die Größe voraufgeht.

Übs. Dp.

Deshalb zeichne ich eine Linie AB und sage, daß diese Linie AB groß ist, weil sie größer als ihre Hälfte ist und daß sie durch Ausdehnung und Verlängerung größer werden kann.

Aber sie wird nicht die Größe, denn diese ist, was sie sein kann. Wenn eine Linie so groß würde, daß sie nicht größer sein könnte, so wäre sie das, was sie sein kann, wäre nicht gemacht, sondern ewig, dem Werden-Können vorausgehend, und wäre keine Linie, sondern die ewige Größe. So sehe ich, daß alles, was größer werden kann, da es nach dem Werden-Können ist, niemals alles das wird, was sein kann. Aber weil die Größe alles das ist, was sie sein kann, kann sie nicht größer und nicht kleiner sein.

Daher ist sie nicht größer und nicht kleiner als alles Große und alles Kleine, sondern der Wirk-, Gestalt- und Zielgrund alles Großen und Kleinen und dessen angemessenstes Maß. In allen Großen und Kleinen ist sie zugleich alles und nichts, weil alles Große und Kleine nach dem Werden-Können ist, das diesen vorausgeht.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10