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Werk:De ven. sap./12

aus AufEinWort, der freien Forschung

12▶Sic dum vult geometer angulum rectum figurare, ad intelligibilem eius respicit rationem, quae est id quod rectus intelligibilis esse potest; quam nullus sensibilis praecise potest imitari. Nec ad aliam respicit speciem, quando acutum vel obtusum angulum facit, quam [1] speciem recti, cui acutus est minor et obtusus maior. Acutus enim semper potest esse recto similior; ita et obtusus. Et si alter ipsorum esset minime talis, ita quod minus esse non posset, rectus esset. Quare in ratione recti complicantur, cum sint recti, quando id sunt quod fieri possunt. Sic nec natura respicit ad aliam speciem quam [2] humanam, quando aut masculum aut feminam producit, quamvis ratio hominis non sit masculus nec femina, quae sensibilibus conveniunt. Species enim medium est in se uniens a se vel ad dexteram vel ad sinistram declinantia.

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Übs. Sg.

In gleicher Weise blickt der Geometer beim Zeichnen eines rechten Winkels hin auf seinen Vernunftbegriff, der das ist, was ein intelligibler rechter Winkel sein kann. Diesen Begriff kann kein empirischer Winkel genau nachbilden. Und wenn der Geometer einen spitzen oder stumpfen Winkel zeichnet, so hat er kein anderes Urbild als das des rechten Winkels vor Augen, demgegenüber der spitze kleiner und der stumpfe größer ist. Ein spitzer Winkel kann nämlich immer einem rechten ähnlicher sein als ein anderer, ebenso ein stumpfer. Und wenn einer von ihnen seine spezifische Eigenschaft in so geringem Maße an sich trüge, daß ein noch geringeres Maß nicht mehr möglich ist, so wäre er ein rechter. Deshalb sind die spitzen und stumpfen Winkel im Begriff des rechten eingefaltet enthalten; denn sie sind rechte, sobald sie das wirklich sind, was sie werden können. So blickt auch die Natur auf kein anderes Artbild hin als auf das des Menschen, wenn sie einen Mann oder eine Frau hervorbringt, obgleich der Begriff des Menschen weder Mann noch Frau ist, eine Unterscheidung, die den sinnfälligen Bedingungen zuzuschreiben ist. Die Art steht nämlich in der Mitte und vereinigt in sich die Dinge, die von ihr nach rechts oder nach links abweichen.

Übs. Dp.

Wenn ein Geometer einen rechten Winkel bilden will, dann blickt er auf dessen geistigen Wesenssinn, der das ist, was ein intelligibler rechter Winkel sein kann und den kein sichtbarer Winkel genau nachahmen kann; auch wenn er einen spitzen oder stumpfen Winkel macht, blickt er auf keine andere Art als die des rechten, da der spitze kleiner und der stumpfe größer ist als dieser. Und wenn einer von ihnen das Minimum des spitzen, bzw. stumpfen Winkels erreicht hätte, wäre er ein rechter. Darum sind beide im Wesenssinn des rechten Winkels eingefaltet, weil die Winkel rechte sind, wenn sie das sind, was sie werden können.

So blickt die Natur nur auf die menschliche Art, wenn sie Männliches oder Weibliches hervorbringt, obwohl der Wesenssinn des Menschen weder männlich noch weiblich ist; diese Entscheidung kommt dem Sichtbaren zu. Die Eigengestalt ist das Mittlere, welches das von ihr nach rechts oder links Abweichende vereint.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10