Werk:De ven. sap./15
15▶Et quia sensus visus, qui spiritus lucidus est, lucem discretivam et cognoscitivam participat et nequaquam est coloratus, ut de omni colore iudicet, igitur color non est posse fieri ipsius. Sic et intellectus lucidior est visu. Discernit enim subtilissime quae [1] invisibilia sunt, puta intelligibilia a visibilibus abstracta. Quare nec color posse fieri ipsius intellectus exsistit, sed posse fieri lucidum et pulchrum mundum et cuncta quae in ipso sunt, etiam ipsum colorem, est simplicius colore, qui dicitur aeternae lucis similitudo, in sua potentia passiva omnia lucida, quae sunt, quae vivunt et intelligunt, [2] uti semen participalis lucis et pulchri complicans. Quod lucidum semen animale huius seminis participatio aliqualiter ostendit, cum sit posse fieri animalis, quod est, vivit, sentit et suo modo intelligit. Quam virtutem non haberet, nisi illius posse fieri mundi et dicti seminis seminum similitudinem participaret et imago esset. [3]
Unde semen seminum exsistentium, viventium et intelligentium est participabilis dei similitudo, quam posse fieri nominamus; de qua lux aeterna hunc pulchrum et lucidum mundum produxit et cuncta, quae fiunt, constituit. Nam cum sit aeternae lucis participabilis similitudo, bona est, quod constat in sui ipsius larga diffusione; [4] magna est, quia virtus numquam terminabilis; vera, delectabilis perfectaque est et per omnia laudabilis, cuius opera laudabilia et gloriosa sunt, uti infra narrabimus.
Übs. Sg.
Und da der Gesichtssinn, der lichthafter Geisteshauch ist, am unterscheidenden und erkennenden Lieht teilhat, ohne selbst im geringsten eine Farbe zu tragen, um so in der Lage zu sein, überjede Farbe zu urteilen, deshalb ist die Farbe nicht sein Werden-Können. So ist denn auch die Vernunft lichthafter als der Gesichtssinn. Sie unterscheidet nämlich aufs genaueste die Dinge, die unsichtbar sind, z. B. die von den sichtbaren Dingen abstrahierten Denkgegenstände. Deshalb ist auch nicht die Farbe das Werden-Können der Vernunft. Das Werden-Können der lichthaften schönen Welt und aller Dinge in ihr, auch der Farbe selbst, ist vielmehr einfacher als die Farbe, die man als Ähnlichkeit des ewigen Lichtes bezeichnet; es schließt in seiner passiven Möglichkeit alle lichthaften Dinge ein, die Sein, die Leben und Vernunft besitzen, wie ein Samen des sich mitteilenden Lichtes und des Schönen. Den Besitz dieses lichthaften Kerns verrät einigermaßen der Same eines Lebewesens, der ja selbst an jedem Samen teilhat. Er ist ja das Werden-Können eines Lebewesens, das Sein, Leben, Wahrnehmung und in seiner Weise vernünftiges Denken besitzt. Diese Kraft hätte der Same nicht, hätte er nicht teil an der Ähnlichkeit mit ienem Werden-Können der Welt und mit dem erwähnten Samen der Samen und wäre er nicht ihr Abbild.
Der Same der Samen der seienden, lebenden und vernunftbegabten Wesen ist demnach die mitteilbare Ebenbildlichkeit Gottes, die wir als Werden-Können bezeichnen. Aus ihr hat das ewige Licht diese schöne, lichthafte Welt hervorgebracht und alles, was wird, geschaffen. Denn als des ewigen Lichtes mitteilbares Ebenbild ist es gut. Diese Ebenbildlichkeit und Gutheit zeigt sich mi freigiebigen Verströmen seiner selbst. Es ist groß, da seine Kraft keine Grenzen kennt. Es ist wahr, erbaulich und vollkommen und über alles lobenswürdig. Und auch seine Werke sind lobenswürdig und herrlich, wie wir später schildern werden.
Übs. Dp.
Weil der Gesichtssinn, der ein lichthafter Lebenssinn ist, an dem unterscheidenden und erkennenden Licht teilhat und, wiewohl er über jede Farbe urteilt, selbst keineswegs farbig ist, so ist die Farbe nicht sein Werden-Können. Ebenso ist auch der Geist lichthafter als das Auge, denn er unterscheidet das Unsichtbare genauestens, wie zum Beispiel das vom Sichtbaren gelöste, Geistig-Einsichtige.
Deshalb ist die Farbe nicht das Werden-Können des Geistes; das Werden-Können der lichthaften und schönen Welt und aller in ihr befindlichen Dinge ist vielmehr einfacher als die Farbe, die Abbild des ewigen Lichtes genannt wird, das in seiner passiven Potenz alles Lichthafte, das ist, lebt und einsieht gleichsam als einen am Lichten und Schönen teilhaftigen Keim in sich einschließt.
Was dieses Lichthafte ist, zeigt auf andere Weise der tierhafte Samen, der eine Teilhabe an diesem Keim ist, da er das Werden-Können des Tieres ist, das ist, empfindet und auf seine Weise versteht. Diese Fähigkeit hätte es nicht, wenn es nicht an der Ähnlichkeit des Werden-Könnens der Welt und des genannten Samens der Samen teilhätte und deren Abbild wäre.
Daher ist der Same der seienden, lebenden und einsehenden Keime die mitteilbare Ähnlichkeit Gottes, die wir als das Werden-Können bezeichnen. Aus dieser führte das ewige Licht diese schöne und lichthafte Welt hervor und gestaltete alles, was wird. Denn als des ewigen Lichtes teilhaftige Ähnlichkeit ist sie gut, weil sie in seinem freigebigen Verströmen Bestand hat; ist sie groß, weil seine Kraft niemals begrenzt werden kann; sie ist wahr, angenehm und vollkommen und über alles lobenswert. Des Lichtes Werke sind lobenswert und rühmlich, wie wir später darlegen werden.