Werk:De ven. sap./47
47▷Unde cum sol sit aliud, non est eius bonitas non aliud quam eius magnitudo aut veritas et cetera; sed quodlibet illorum, cum sit solare, est aliud ab alio. Solaris enim bonitas ad solem contracta non est illa absoluta bonitas quae non aliud. Ideo est alia a magnitudine [1] solari et veritate solari et aliis. Non enim in alio aliud, quod sol dicitur, essent illa ipsum aliud, si non essent quodlibet ipsorum aliud. Sol enim alio est bonus et alio magnus et alio verus, et ita de singulis illis. Quare aliud citra simplicitatem ipsius non aliud non caret respectu ipsius non aliud compositione. Magis autem compositum [2] est ipsum aliud, in quo non aliud minus relucet, ut magis in aliud sensibili quam intelligibili. Neque in bonitate solari, in qua magnitudo, veritas et cetera sunt ipsa bonitas, magnitudo est non aliud, sed aliud a veritate; et quodlibet a quolibet aliud, cum sint in solari bonitate, quae est alia, ipsa scilicet solaris bonitas. Necesse [3] est igitur solarem bonitatem cadere in compositionem, cum a simplicitate ipsius non aliud seu dei in solarem alteritatem contrahatur. Bonitas igitur, magnitudo, veritas et cetera, quae in composito compositum sunt, alia et composita esse necesse est; sicut in simplicissimo deo non alia, sed incomposite simplex ipse deus exsistunt, [4] sicut causata in causa causa sunt.
Übs. Sg.
Da die Sonne ein anderes ist, deshalb ist ihre Gutheit nicht ein Nicht-Anderes gegenüber ihrer Größe oder Wahrheit und den übrigen Bestimmungen. Vielmehr ist jede dieser Eigenschaften, da sie der Sonne eignet, eine andere gegenüber einer anderen. Die Gutheit der Sonne in ihrer auf die Sonne bezogenen Besonderung ist aj nicht jene absolute Gutheit des Nicht-Anderen. Daher ist sie eine andere gegenüber der Größe der Sonne, der Wahrheit der Sonne und ihren anderen Eigenschaften. Diese Eigenschaften wären in einem anderen Anderen, das Sonne heißt, nicht eben jenes andere, wenn nicht jedwede von ihnen ein anderes wäre. Die Sonne ist durch etwas anderes gut, durch etwas anderes groß und durch etwas anderes wahr, und so bei jeder einzelnen Eigenschaft. Deshalb ist das andere diesseits der Einfachheit des Nicht-Anderen nicht frei von Zusammensetzung im Vergleich zum Nicht-Anderen. Stärkere Zusammensetzung freilich birgt jenes andere, in dem das Nicht-Andere einen geringeren Widerschein findet, so ist die Zusammenset- zung stärker in einem sinnenfälligen anderen als in einem geisti- gen. Auch in der Gutheit der Sonne, in der Größe, Wahrheit und die übrigen Bestimmungen die Gutheit selbst sind, ist die Größe kein nicht anderes, sondern ein anderes gegenüber der Wahrheit. Jedwedes ist gegenüber jedwedem ein anderes, obgleich sie in der Gutheit der Sonne, die eine andersartige ist, die Gutheit der Sonne selbst sind. Darum muß die Gutheit der Sonne einer Zusammensetzung unterliegen, da sie von der Einfachheit des Nicht-Anderen oder Gottes in die Andersheit der Sonne ausgesondert ist. Die Gutheit, Größe, Wahrheit und die übrigen Eigenschaften, die im Zusammengesetzten das Zusammengesetzte sind, müssen also andere und zusammengesetzte Eigenschaften sein; wie sie im ureinfachen Gott nicht anders sind, sondern in nicht zusammengesetzter Weise als der einfache Gott selbst bestehen, so wie das Verursachte in der Ursache die Ursache ist.
Übs. Dp.
Wenn daher die Sonne ein Anderes ist, ist ihr Gutsein nicht nichts Anderes als ihre Größe oder Wahrheit usw., sondern jedes Einzelne von ihnen ist, wenn es sonnenhaft ist, ein vom Andern unterschiedenes Anderes. Das sonnenhafte Gutsein als das zur Sonne verschränkte Gutsein ist nicht jenes absolute Gutsein, das das Nicht-Andere ist. Folglich ist es als ein Anderes von der sonnenhaften Größe, Wahrheit usw. unterschieden.
Denn jene wären nicht in irgendeinem Andern, das Sonne genannt wird, selbst dieses Andere, wenn nicht jedes von ihnen selbst ein Anderes wäre. Die Sonne nämlich ist auf andere Weise gut, auf andere Weise groß und wahr. Und so verhält es sich mit allen jenen Aussagen. Deshalb fehlt dem Andern, das diesseits der Einfachheit des Nicht-Andern ist, in Hinblick auf das Nicht-Andere, nicht die Zusammensetzung. Dasjenige Andere, in dem das Nicht-Andere weniger widerstrahlt, ist stärker zusammengesetzt. Also ist das Sinnlich-Andere zusammengesetzter als das Geistig-Andere. Auch sind im sonnenhaften Gutsein, in dem Größe, Wahrheit und die übrigen enthalten sind, Gutsein und Größe nicht das Nicht-Andere, sondern als Anderes von der Wahrheit unterschieden. Und jedes ist von jedem andern unterschieden, wenn sie im sonnenhaften Gutsein sind, das selbst ein anderes, nämlich sonnenhaftes Gutsein, ist. Es ist also notwendig, daß das sonnenhafte Gutsein der Zusammensetzung verfällt, da es von der Einfachheit des Nicht-Andern oder Gottes zu der Andersheit der Sonne verschränkt wird.
Das Gutsein also, die Größe, die Wahrheit und alles übrige, die im Zusammengesetzten das Zusammengesetzte sind, müssen notwendigerweise Andere und Zusammengesetzte sein. Wie sie im einfachsten Gott nicht Andere sondern als Unzusammengesetzte der einfache Gott selbst sind, so sind die Begründeten im Grund der Grund.