Werk:De ven. sap./5
5▶Et quia homo maiori industria indiget, ut suam animalitatem bene nutriat, quam aliud animal, habetque opus, ut ad hoc logica sua naturali in venatione corporalis cibi utatur, non est ad intellectualem ita deditus et attentus, sicut illa natura exposcit. Haec occupatio [1] dum nimia est, a speculativa sapientiae alienat. Quare philosophia carni contraria mortificare scribitur.
Etiam inter philosophos magna differentia reperitur. Et hoc maxime evenit, quia unus intellectus est melior venator, quia exercitatus et logica sibi promptior et ea utitur exquisite, scitque unus [2] melius, in qua regione sapientia, quae quaeritur, citius reperiatur et quo modo detineatur. Nihil enim sunt philosophi nisi venatores sapientiae, quam quisque in lumine logicae sibi conatae suo modo investigat.
Übs. Sg.
Und weil der Mensch größerer Anstrengung bedarf als ein anderes Lebewesen, um seine Leiblichkeit gut mit Nahrung zu versorgen, und weil er es nötig hat, bei der Jagd nach seiner leiblichen Nahrung zu diesem Zweck Gebrauch von seiner natürlichen Logik zu machen, so ist er auf die geistige Nahrung nicht in dem Maße hingeordnet und auf sie bedacht, wie seine geistige Natur es erfordert. Ist jene Inanspruchnahme allzu stark, so zieht sie ihn von der geistigen Beschäftigung mit der Weisheit ab. Man kann deshalb von der Philosophie als von einer Gegnerin und dem Tod des Fleisches lesen.
Selbst unter Philosophen findet man große Unterschiede. Das hat seinen Grund vor allem darin, daß der Geist des einen infolge guter Übung ein besserer Jäger ist, die Logik ihm besser liegt und er sich ihrer ausgezeichnet zu bedienen versteht, ferner darin, daß der eine besser weiß, in welchem Gebiet die gesuchte Weisheit rascher zu finden ist und wie sie sich festhalten läßt. Die Philosophen sind ja doch nur Jäger nach Weisheit, nach der jeder im Lichte der ihm angeborenen Logik in seiner Weise forscht.
Übs. Dp.
Weil der Mensch, um seine körperliche Existenz gut zu ernähren, eines größeren Fleißes bedarf als ein anderes Lebewesen, und weil es vonnöten ist, daß er seine naturgegebene Logik bei der Jagd nach körperlicher Nahrung gebraucht, ist er nicht so sehr auf das Geistige gerichtet und ihm hingegeben, wie es jene Natur verlangt.
Wenn diese Beschäftigung allzu großen Raum einnimmt, dann entfremdet sie von der Beschäftigung mit der Weisheit. Aus diesem Grund schreibt man, daß die Philosophie, die dem Fleisch entgegengesetzt ist, dieses töte.
Auch unter den Philosophen findet man große Unterschiede, und zwar vor allem deshalb, weil der Geist des einen ein besserer Jäger ist als der des andern; weil er geübt ist, weil die Logik ihm schneller zu Gebote steht und er sie sorgfältiger gebraucht. Auch weiß der eine besser als der andere, in welcher Ebene man die gesuchte Weisheit schneller finden wird und auf welche Weise man sie festhalten kann. Denn die Philosophen sind nichts anderes als Jäger der Weisheit, die jeder im Licht der ihm angeborenen Logik auf seine Weise erforscht