Werk:De ven. sap./54
54▷Omnia igitur suo esse laudant deum. Postquam quodlibet adeo est perfectum et sufficiens, quod nulla ex parte laude careat, utique [1] suum laudat opificem, a quo solum hoc habet quod laudatur. Naturaliter igitur omnia creata deum laudant. Et cum creatura laudatur, non ipsa, quae se ipsam non fecit, sed in ipsa conditor eius. Idolatria igitur, qua creaturae divinae laudes dantur, insania est infirmae, caecae et seductae mentis. Nam cum colitur pro deo illud, quod sua [2] natura suum laudat factorem, utique insanire est. Neque est quicquam, quod alium cognoscat deum quam illum, quem ut conditorem laudat, cui nihil scit praestantius. Scit igitur omnis creatura et, quantum sufficit sibi, cognoscit conditorem suum omnipotentem, ipsum laudat auditque et intelligit verbum eius et oboedit. Si enim dixerit [3] lapidi, quod vivat, utique audit, intelligit et oboedit. «Mortui enim audient verbum dei et vivent», sicut Lazarus quatriduanus et alii mortui audiverunt et vixerunt, ut haec sciunt Christiani. Ex quo certum est hominem, qui habet liberum arbitrium, quando a laudibus dei cessat et dei verbum non audit, quod in ipso et conscientia eius [4] loquitur nec vult intelligere et oboedire, ut bene agat, inexcusabilis est, cum a propria natura reprehendatur, et indignus est societate felicium deum perpetue laudantium.
Übs. Sg.
Alles lobt also Gott durch sein Dasein. Da jedwedes Ding so sinnvoll vollendet ist, daß ihm in keinem seiner Teile die Anerkennung versagt werden kann, so preist es seinen Schöpfer, dem allein es diese Anerkennung verdankt. Ihrer Natur nach loben also alle Geschöpfe Gott. Preist man ein Geschöpf, so preist man nicht es selbst, das sich nicht selbst geschaffen hat, sondern man preist in ihm seinen Schöpfer. Götzendienst, der dem Geschöpf göttliche Ehren erweist, ist deshalb Irrung eines schwachen, blinden und fehlgeleiteten Geistes. Wenn nämlich an Stelle Gottes das verehrt wird, was seiner Natur nach seinen Schöpfer preist, so ist das geistige Verwirrung. Es gibt kein Ding, das einen anderen Gott erkennt als jenen, den es als Schöpfer preist und der, wie es weiß, an Herrlichkeit nicht seinesgleichen hat. Es kennt und erkennt demnach jede Kreatur nach dem Maß ihrer Kräfte ihren allmächtigen Schöpfer, preist ihn, hört und versteht sein Wort und gehorcht ihm. Würde er zum Steine sprechen, er solle leben, so hört er, begreift und gehorcht. »Die Toten werden das Wort Gottes hören und leben«[5],so wie Lazarus, der schon vier Tage mi Grabe lag, und andere Tote das Wort hörten und lebten, wie das die Christen wissen.[6] Demnach ist sicher, daß es für den Menschen keine Entschuldigung gibt, wenn er mit seinem freien Willen Gott die Anerkennung versagt, sein Wort überhört, das in ihm und in seinem Gewissen spricht, es nicht verstehen und dem Ruf zur guten Tat gehorchen will, da ihn seine eigene Natur zurechtweist, und er ist unwürdig der Gemeinschaft der Seligen in ihrem fortwährenden Lobpreis Gottes.
Übs. Dp.
Alles lobt Gott durch sein Sein. Und da alles so vollkommen und genügend ist, daß es in keiner Hinsicht des Lobes entbehrt, lobt es seinen Schöpfer, von dem allein es das hat, was gelobt wird.
Von Natur loben alle Geschöpfe Gott; Wenn aber ein Geschöpf gelobt wird, dann gilt dieses Lob nicht ihm, denn es hat sich nicht selbst geschaffen, sondern in ihm seinem Urheber. Götzendienst, in dem einer Kreatur das Gott bestimmte Lob gespendet wird, ist daher ein Unsinn, der einem schwachen, blinden und irregeleiteten Denken entspringt. Denn an Stelle Gottes das zu verehren, was seiner Natur nach seinen Schöpfer lobt, ist völlig sinnlos.
Es gibt kein Geschöpf, das einen andern Gott anerkennt, als den, welchen es als seinen Schöpfer lobpreist, und von dem es weiß, daß er alles überragt. Das weiß also jedes Geschöpf und soweit es sein Auslangen findet, erkennt es seinen allmächtigen Schöpfer. Ihn lobt es, hört sein Wort, begreift und gehorcht. Wenn er z. B. einem Stein befehlen würde, lebendig zu werden, so wird er ihn vollkommen vernehmen, verstehen und gehorchen. Ja sogar die Toten wie Lazarus, der vier Tage im Grabe lag, und andere hören das Wort Gottes und leben, wie es die Christen wissen.
Daraus folgt mit Sicherheit, daß es keine Entschuldigung gibt, wenn ein Mensch, der die Möglichkeit des freien Willensentscheides hat, vom Lob Gottes abweicht und dessen Wort, das in ihm und seinem Gewissen spricht, weder hören noch verstehen und ihm zum rechten Handeln gehorchen will, da er von seiner eigenen Natur getadelt wird. Und nicht würdig ist er der Gemeinschaft der Seligen, die Gott unaufhörlich loben.