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Werk:De ven. sap./57

aus AufEinWort, der freien Forschung

57▷Mirandum autem, unde homo vigens intellectu naturaliter habet scientiam laudis et laudabilium et vituperabilium. Nisi enim illi naturae haec scientia necessaria esset ad sui pascentiam et conservationem, non haberet plus homo ipsam quam asinus. Divina enim [1] providentia, sicut non deficit in necessariis, ita non habundat in superfluis. Et quoniam, ex quibus sumus, ex illis nutrimur et pascimur, omne vivens quaerit cibum suum; quem dum invenit, cognoscit, et hoc ex conformitate cibi ad id, unde est. Quare, cum homo secundum intellectualem animam laudabilia naturaliter cognoscat et [2] amplectatur delicieturque in illis tamquam in cibo naturae suae conformi, hinc scit se de his naturaliter esse, quae ob conformitatem naturalem ad suum esse laudat et amplectitur. Habet igitur intellectus in se dono divinae providentiae omnem sibi necessariam scientiam principiorum, per quae venatur suae naturae conforme, et infallibile [3] est hoc iudicium.

Et quoniam principia sua sunt laudabilia, uti sunt decem illa saepe dicta, et ipse homo ex his principiatus est, ut laus dei suum laudet creatorem, non est penitus homo dei sui ignarus, quem scit laudabilem et gloriosum in saecula. Neque est sibi alia scientia necessaria, [4] quia scit tantum, quantum sufficit sibi ad hoc ut faciat illa, propter quae creatus est. Laudando igitur deum quia bonus, utique bonitatem scit laudabilem; ita veritatem et sapientiam et cetera. Et quamvis ignoret, quid illa sint, non tamen habet omnimodam eorum ignorantiam, quando cognoscit illa esse laudabilia et in laude dei complicari [5] et in tantum laudi dei convenientia, quod homo sine illis non capit nec deum nec quicquam laudari posse.

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Übs. Sg.

Es ist aber eine erstaunliche Tatsache, woher der geistmäch- tige Mensch von Natur aus das Wissen um das Lob und das Lob- und Tadelswürdige besitzt. Wäre jener Natur dieses Wissen nicht nötig zu ihrer Ernährung und Erhaltung, so besäße es der Mensch nicht in höherem Sinne als der Esel. Wie nämlich die göttliche Vorsehung es amNotwendigen nicht fehlen läßt, so spendet sie auch nicht ein Übermaß im Überflüssigen. Da dieselben Stoffe, aus denen wir gestaltet sind, auch unsere Nahrung bilden, deshalb sucht jedes lebende Wesen nach seiner Speise. Findet cs dicse, so erkennt es sie, und zwar aus der Gleichförmigkeit der Speise mit den Stoffen, aus denen es selbst gestaltet ist. Da nun der Mensch kraft seiner Geistseele von Natur aus die lobwürdigen Dinge erkennt, sie faßt und an ihnen als an der seiner Natur gemäßen Speise sich freut, so weiß er also, daß er von Natur aus diesen Dingen geformt ist, die er wegen der natürlichen Gleichförmigkeit mit seinem eigenen Sein preisend umfängt. Der Geist hat also in sich durch die Gabe der göttlichen Vorsehung alles ihm notwendige Wissen um die Prinzi- pien, mit deren Hilfe er das seiner Natur Gemäße aufspürt. Und dieses Urteil ist untrüglich.

Da seine Prinzipien des Lobes würdig sind, wie jene oft erwähnten zehn, und da der Mensch selbst aus ihnen seinen Ursprung hat, damit er als Lobpreis Gottes seinen Schöpfer preise, so ist der Mensch nicht völlig ohne Kenntnis seines Gottes, den er als lobenswürdig und herrlich in Ewigkeit weiß. Ein anderes Wissen ist ihm nicht nötig, weiß er doch so viel, als er zur Erfül- lung seiner Aufgaben braucht, für die er geschaffen ist. Indem er also Gott wegen seiner Gutheit preist, weiß er um die Preis- würdigkeit der Gutheit; ebenso ist es bei der Wahrheit, der Weisheit usw. Obwohl er diese Dinge auch in ihrem Wesen nicht kennt, so bedeutet das doch keine völlige Unkenntnis derselben, weiß er doch um ihre Lobwürdigkeit und darum, daß sie im Lobpreis Gottes mitenthalten und insoweit mit dem Lobpreis Gottes verbunden sind, daß der Mensch ohne sie nicht faßt, daß Gott oder irgendein Gegenstand gepriesen werden kann.

Übs. Dp.

Es ist erstaunlich, woher ein Mensch, der seines Geistes mächtig ist, von Natur aus dieses Wissen um das Lob, um das Lobenswerte bzw. um das Tadelnswerte hat. Wenn jene Natur dieses Wissen zur Nahrung und Erhaltung ihrer selbst nicht bedürfte, hätte der Mensch es nicht mehr als der Esel. Denn ebenso wie die göttliche Vorsehung es nicht am Nötigen fehlen läßt, so gibt sie auch keinem unnötigen Überfluß.

Und weil wir von dem, aus dem wir stammen, auch ernährt werden, sucht jedes Lebendige seine Nahrung und wenn es sie findet, erkennt es sie auch auf Grund ihrer Übereinstimmung mit dem, das sein Ursprung ist. Wenn daher der Mensch gemäß seiner Geist-Seele das Lobenswerte von Natur aus erkennt, erfaßt und sich an ihm als an einer mit seiner Natur übereinstimmenden Nahrung erfreut, weiß er, daß er auf natürliche Weise von dem stammt, das er wegen der natürlichen Gleichstellung mit seinem Sein lobt und mit Liebe erfaßt.

Durch die Huld der göttlichen Vorsehung besitzt der Geist also in sich die ganze für ihn notwendige Wissenschaft der Ursprünge, mit deren Hilfe er das seiner Natur Entsprechende erjagt. Und diese Grundentscheidung ist untrügbar! Und da seine Ursprünge lobenswert sind – so wie jene oft genannten zehn – und der Mensch selbst aus ihnen begründet ist, damit er als Lob Gottes seinen Schöpfer lobt, ist er nicht völlig ohne Wissen von seinem Gott; er weiß, daß dieser lobenswert ist und hoch erhaben in Ewigkeit.

Kein anderes Wissen ist für ihn notwendig; er weiß soviel wie er braucht, um zu tun, wozu er geschaffen ist. Dadurch, daß er Gott lobt, weil dieser gut ist, weiß er, daß das Gute lobenswert ist. Ebenso verhält es sich mit der Wahrheit, Weisheit usw. Obwohl er deren Wesen nicht erkennt, sind sie ihm dennoch nicht vollkommen unbekannt, wenn er einsieht, daß jene lobenswert, im Lobe Gottes eingefaltet sind und diesem Lobe soweit entsprechen, daß es der Mensch ohne sie nicht vermag, Gott oder irgend etwas anderes zu loben.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑ Z.20
  5. ↑ Z.25