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Werk:De ven. sap./56

aus AufEinWort, der freien Forschung

56▷Mandavit propheta psallere dei laudes in psalterio decacordo. Hoc ego attendens decem laudis cordas tantum sumpsi: bonitatem, [1] magnitudinem, veritatem ac alias praenominatas. Psalterium autem opus est intelligentiae, ut homo habeat instrumentum, in quo dulces et delectabiles tangat modos. Illos enim modos, quos in se habet intelligibiliter, facit audibiles et sensibiles. Et cum sint in intellectu modi illi, habentes intellectum delectantur aure et sensibiliter audire [2] in sono, quod insensibiliter habent in anima. Unde si concordant voces cum harmonicis vitalibus animae numeris, laudant psallentem, si dissentit, vituperant.

Tria sunt necessaria, si psalli debet: psalterium ex duobus, scilicet vase et cordis, compositum atque psaltes. Hoc est: intelligentia, [3] natura et subiectum. Psaltes intelligentia, cordae natura, quae ab intelligentia movetur, et vas naturae conveniens <subiectum>. In homine microcosmo haec ut in maiori mundo sunt. Est in ipso intelligentia, est natura humana et corpus ei conveniens. Ita est homo vivum psalterium in se omnia habens ad psallendum deo laudes, [4] quas in se ipso cognoscit. In psalterio enim et cithara, in cymbalis iubilationis et bene sonantibus omnis spiritus laudat dominum. Haec omnia instrumenta in se viva habet spiritus noster intellectualis.

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Übs. Sg.

Der Prophet[5] gab die Weisung, das Lob Gottes zu singen auf zehnsaitiger Harfe. Dies bedenkend, habe ich nur zehn Saiten des Lobes gegriffen: die Gutheit, die Größe, die Wahrheit und die anderen oben genannten.[6] Die Harfe aber ist eine Schöpfung des Geistes, auf daß der Mensch ein Instrument habe, auf dem er süße und liebliche Weisen erklingen lasse. Die Weisen, die er geistigerweise in sich trägt, macht er dem Gehör und der Wahrnehmung zugänglich. Da nun jene Weisen mi Geiste schwingen, so freut sich das Ohr der mit Geist Begabten, sinnenfällig im Klang zu hören, was sie unsinnlicherweise in der Seele tragen. Wenn daher die Stimmen zusammenklingen mit den harmonischen Lebensintervallen der Seele, so sind sie ein Lobpreis für den Sänger, Disharmonien sind ein Tadel für ihn.

Drei Dinge sind erforderlich, wenn Harfe gespielt werden soll: eine Harfe, aus zwei Bestandteilen zusammengesetzt, dem Klangkörper und den Saiten, und der Spieler; das heißt: Geist, Natur und Gegenstand. Der Spieler ist der Geist, die Saiten die Natur, die vom Geiste in Bewegung gebracht wird, der Klangkörper der der Natur gemäße Gegenstand. Wie in der großen Welt finden sich diese Teile im Mikrokosmos, dem Menschen. Es findet sich in ihm der Geist, es findet sich die menschliche Natur und ein ihr gemäßer Körper. So ist der Mensch eine lebende Harfe, der in sich alles besitzt, um Gottes Lob zu singen, das er in sich erkennt. Denn mit Harfe und Zither, mit wohlklingenden Jubelzymbeln lobt jeglicher Geist den Herrn.[7] Al diese in ihm lebendigen Instrumente besitzt unser denkender Geist.

Übs. Dp.

Der Prophet befahl, das Lob Gottes auf dem zehnsaitigen Psalter zu singen.

Im Gedanken daran habe ich nur diese zehn Saiten des Lobes, die Güte, Größe, Wahrheit und die andern vorerwähnten, gegriffen. Das Psalterium aber ist ein Werk vernünftigen Denkens, damit der Mensch ein Instrument habe, auf dem er süße und freudebringende Weisen spielen kann. Denn er macht jene Melodien, die er auf geistige Weise in sich trägt, sinnlich hörbar und da diese Weisen im Geist sind, freuen sich jene, welche am Geiste Anteil haben, das, was sie auf nicht sinnliche Weise in der Seele klingt, vermittels des Ohres in Klängen sinnlich zu vernehmen. Wenn diese Lieder mit den lebendig melodischen Harmonien der Seele übereinstimmen, dann gereichen sie dem Sänger zum Lobe; wenn nicht, zum Tadel.

Drei Dinge sind notwendig, wenn man Psalter spielen will: ein Psalterium, das aus zwei Teilen, dem Klangkörper und den Saiten besteht, und ein Psalterspieler. Dem entspricht das Zusammenwirken von Geist, Natur und «Stoff». Der Psalterspieler ist der Geist, die Saiten sind die Natur, die vom Geist bewegt wird, und der Klangkörper der zur Natur hinzukommende Stoff.

Das verhält sich in dem Mikrokosmos, den der Mensch bildet, genauso wie in der größeren Welt. In ihm ist vernünftiges Denken, menschliche Natur und der diese unterstützende Körper. So ist der Mensch ein lebendiges Psalterium, das in sich alles vereinigt, um die in sich selbst erkannten Lobpreisungen Gottes zu singen. In Psalterspiel und Harfenton, im Wohlklang der jauchzenden Zymbeln lobt jeder Geist den Herrn.

Alle diese Instrumente hat unser denkender Geist lebendig in sich.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑ Z.20
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  7. ↑