Werk:De ven. sap./63
63▷Videntur philosophi venatores in omni eorum discursu ex hoc sensibili mundo et his quae illi necessaria sunt, ut id sit quod est, meliori modo quo hoc fieri potest, de deo, de diis, de caelo et eius motu et fato, intelligentiis, spiritibus et ideis atque ipsa natura [1] inquirere, quasi haec omnia sint necessaria huic mundo terreno et hic mundus sit omnium operum illorum finis. Sic Aristoteles deum ut Plato; quem sua providentia caelos administrare posuit; caelos vero ob hunc mundum esse et moveri per intelligentias, ut generationes et cuncta ad huius mundi conservationem necessaria ordinem et [2] motum caeli sequentia naturaliter fiant et continuentur; non attendentes tot innumerabiles stellas huic terrae habitabili maiores et tot intelligentias non esse conditas ad finem huius terreni mundi, sed ad laudem creatoris, ut supra tactum est. Unus est igitur deus omnipotens, cuncta ad sui laudem creans et optima providentia gubernans, [3] ut recte Epicurus dicebat, qui licet non negaret deos esse, tamen id, quod de ipsis dicitur et scribitur, penitus a veritate dixit alienum. Hoc attendendum neminem umquam affirmasse plures deos, qui unum multitudini, deorum deum scilicet, non praeferret. Venationes igitur in hoc unitatis campo sapidas facit, qui – ut fecit Augustinus [4] in libro De trinitate – unitatem fecundam de se aequalitatem generantem et amorem conectentem ab unitate <et> aequalitate procedentem videt sic in aeternitate, quod sunt ipsa simplicissima aeternitas. De quo alibi in Docta ignorantia et De visu dei et aliis multis libellis ea, quae concipere potui, adnotavi.
Übs. Sg.
Die philosophischen Jäger gehen offenbar bei all ihren Pirschzügen von dieser sichtbaren Welt aus und von dem, was für sie notwendig ist, um auf die bestmögliche Weise das zu sein, was sie ist, und dann stellen sie Untersuchungen an über Gott, die Götter, den Himmel, seine Bewegung und das Schicksal, die Geistwesen, die Geister, die Ideen und die Natur selbst, gerade als ob das alles notwendig wäre für diese irdische Welt und als ob diese Welt die Krönung all jener Werke wäre. So faßte Aristoteles Gott wie Platon;[5] er behauptete, daß er durch seine Vorsehung die Himmel lenke; die Himmel aber seien um dieser Welt willen da und würden durch Geistwesen bewegt, damit die Zeugungen und alles, was zur Erhaltung dieser Welt notwendig ist, in Anlehnung an die Ordnung und Bewegung des Himmels in natürlicher Weise geschähe und sich fortsetze. Dabei beachteten sie nicht, daf so viele zahllose Sterne, die größer sind als diese bewohnte Erde, und so viele Geistwesen nicht geschaffen sind um dieser irdischen Welt willen, sondern zum Lobpreis des Schöpfers, wie oben erwähnt. Einer ist also Gott, der Allmächtige, er schafft alles sich zum Lobe und lenkt es in seiner absolut guten Vorsehung, wie Epikur[6] mit Recht sagte. Dieser hat zwar nicht das Dasein von Göttern geleugnet, aber doch die mündlichen und schriftlichen Äußerungen über sie als weit von der Wahrheit abliegend erklärt.[7]
Das muß man beachten: Niemand hat je eine Mehrheit von Göttern behauptet, ohne der Vielzahl die Einheit, d. h. den Gott der Götter voranzustellen. Kluge Jagdzüge in diesem Felde der Einheit macht also der, der - wie es Augustinus in seinem Buche Über die Trinität tat[8] - die fruchtbare Einheit, die aus sich die Gleichheit zeugt, und die verbindende Liebe, welche aus der Einheit und Gleichheit hervorgeht, dergestalt in der Ewigkeit schaut, daß sie die ureinfache Ewigkeit selbst sind. Darüber habe ich anderswo - im Belehrten Nichtwissen[9] und Von Gottes Schauen[10] und in vielen anderen Büchern[11] - das gesagt, was ich zu fassen vermochte.
Übs. Dp.
Von dieser sichtbaren Welt und von dem, was für sie notwendig ist, damit sie das, was sie ist, auf die bestmögliche Weise sei, ausgehend, scheinen die Philosophenjäger auf jedem ihrer Jagdzüge über Gott, Götter, den Himmel, dessen Bewegung und Schicksal, über vernünftig denkende Geister, Ideen und die Natur selbst Untersuchungen anzustellen, so als ob dies alles für die irdische Welt notwendig wäre und diese Welt der Zweckgrund aller jener Werke sei. So glaubten Aristoteles und Plato, daß Gott durch seine Vorsehung die Himmel lenke, die Himmel aber nur um dieser Welt willen da seien und durch Intelligenzen bewegt würden, damit Zeugung und alles zur Erhaltung der Welt Notwendige der Ordnung und Bewegung der Himmel folgend auf natürliche Weise ohne Unterbrechung geschähe. Aber sie achteten nicht darauf, daß soviel unzählige Sterne, größer als die bewohnbare Erde, und soviele geistige Wesenheit nicht als Zweckgrund der irdischen Welt geschaffen sind, sondern zum Lob des Schöpfers wie oben dargelegt wurde.
Ein einziger also ist der allmächtige Gott, der alles zu seinem Lobe schafft und mit vollkommener Vorsehung leitet, wie Epikur mit Recht bemerkt. Wenn er auch nicht leugnet, daß es Götter gibt, so sagt er trotzdem, daß das, was von ihnen gesagt und geschrieben wird, von der Wahrheit weit entfernt sei.
Es ist bemerkenswert, daß niemals jemand, der behauptet hat, es gäbe mehrere Götter, nicht trotzdem dieser Menge von Göttern den einen Gott vorangestellt hätte. Daher macht derjenige in diesem Feld der Einheit genußreiche Jagden, der, wie es Augustinus im Buch De Trinitate getan hat, die fruchtbare Einheit, die von sich die Gleichheit zeugt und die von der Einheit und Gleichheit ausgehende, beide verknüpfende Liebe so in der Ewigkeit schaut, daß sie die einfache Ewigkeit selbst sind. Was ich davon begreifen konnte, habe ich andernorts in der Docta ignorantia, in De visione Dei und in vielen andern Büchlein niedergelegt.