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Werk:De ven. sap./67

aus AufEinWort, der freien Forschung

67▷Adicere tibi volo unum, quod video super alia mirabile, in quo omnia simul dei similitudinem gerere probabis. Dionysius recte dicebat de deo simul opposita debere affirmari et negari. Ita, si te ad universa convertis, pariformiter comperies. Nam cum sint [1] singularia, sunt pariter similia, quia singularia, et dissimilia, quia singularia; <neque similia, quia singularia>, neque dissimilia, quia singularia. Sic de eodem et diverso, aequali et inaequali, singulari et plurali, uno et multis, pari et impari, differentia et concordantia, et similibus, licet hoc absurdum videatur philosophis principio [2] ‘quodlibet est vel non est’[3] etiam in theologicis inhaerentibus. Adhuc attende posse fieri esse singulare. Ideo omne, quod factum est aut fit, quia de posse fieri fit, singulare est. Imitabilis igitur singularitas est ipsum posse fieri, in cuius singulari potentia omnia singulariter complicantur et de ipsa explicantur. [4] Nec aliud est singularitas quam aeternae lucis similitudo. Singularitas enim discretio est. Lucis autem est discernere et singularizare. Supra de his atque in libello, quem de figura mundi nuperrime in Urbe Veteri compilavi.

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Übs. Sg.

Anfügen möchte ich für dich noch eines, das ich überaus erstaunlich finde und worin du bestätigen wirst, dais alles zugleich die Ähnlichkeit Gottes in sich trägt. Dionysius[5] sagte mit Recht, daß man von Gott die gegensätzlichen Bestimmungen zugleich bejahen und verneinen müsse. Wenn du dich nun allen Dingen zuwendest, wirst du die gleiche Erfahrung machen; denn da es Einzeldinge sind, sind sie in gleicher Weise ähnlich, eben als Einzeldinge, und unähnlich, wieder als Einzeldinge; sie sind weder ähnlich, als Einzeldinge, noch unähnlich, weil Ein- zeldinge. Dasselbe gilt vom Selben und Verschiedenen, vom Gleichen und Ungleichen, vom Einzelnen und Vielfachen, vom Einen und den Vielen, vom Geraden und Ungeraden, von der Verschiedenheit und Übereinstimmung und von ähnlichen Bestimmungen, mag solches auch den Philosophen absurd erschei- nen, die am Grundsatz, daß »jedwedes ist oder nicht ist«, auch in der Theologie festhalten.

Beachte schließlich, daß das Werden-Können etwas Einzelnes ist. Daher ist alles, was geworden ist oder wird, als aus dem Werden-Können Werdendes ein Einzelnes. Die Einzigkeit ist also eine Nachahmung des Werden-Könnens, in dessen einziger Potenz alles in einziger Weise eingefaltet ist, um aus ihr entfaltet zu werden.

Die Einzigkeit ist nichts anderes als die Ähnlichkeit des ewigen Lichts. Die Einzigkeit ist ja Unterscheidung. Das Werk des Lichts aber ist Unterscheiden und das Einzelne herausheben. Darüber oben[6] und in dem Büchlein, das ich Über die Gestalt der Welt[7] kürzlich in Orvieto verfaßt habe.

Übs. Dp.

Ich will noch etwas hinzufügen, das mir wunderbarer als alles andere erscheint und in dem man erkennt, daß alle zugleich die Ähnlichkeit Gottes tragen. Dionysius sagt mit Recht, daß man von Gott das Entgegengesetzte gleichermaßen bejahen und verneinen muß. So wird man, wenn man sich zum Gesamt wendet, die Erfahrung machen, daß alles gleichgestaltet ist. Wenn alles einzig ist, dann ist es zugleich ähnlich, eben weil es einzig ist, und unähnlich, weil es einzig ist und auch nicht ähnlich und nicht unähnlich, weil es einzig ist. Ebenso verhält es sich mit dem Selben und Verschiedenen, Gleichen und Ungleichen, Einzelnen und Vielfachen, Einen und Vielen, Ebensolchen und Nicht-Ebensolchen, mit Verschiedenheit und Übereinstimmung usw., wenn es auch jenen Philosophen absurd erscheint, die an dem Prinzip, daß ein Jedes entweder ist oder nicht ist, auch in der Gotteslehre festhalten.

Beachte ferner, daß das Werden-Können einzig ist. Daher ist alles, was gemacht wurde oder wird, weil es vom Werden-Können her wird, einzig. Die nachahmbare Einzigkeit ist also das Werden-Können selbst, in dessen Einzig-Möglichkeit jedes einzeln zusammengefaßt und auch entfaltet wird.

Denn die Einzigkeit ist nichts anderes als das Abbild des ewigen Lichtes. Die Einzigkeit nämlich ist Sonderung. Dem Licht aber steht es zu, zu sondern und zu vereinzeln. Darüber mehr in dem schon Gesagten und in dem Büchlein über die Gestalt der Welt, das ich vor kurzem in Orvieto geschrieben habe.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ i. e. principium exclusi tertii secundum Aristotelem Met. IV 7 1011b23sqq. Formula apud Burdianum In IV Met. q. 13 (fol. 23ra, 15.18).
  4. ↑ Z.15
  5. ↑
  6. ↑
  7. ↑