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Werk:De ven. sap./82

aus AufEinWort, der freien Forschung

82▷Omnia igitur ex determinatione mentis in se ipsa suum terminum sic et sic essendi receperunt. Et secundum hunc aeternum conceptum, creando posse fieri, ipsum determinavit ad mundum et eius partes in aeternitate praeconceptum. Non enim posse fieri vagum [1] et indeterminatum, sed ad finem et terminum, ut fieret mundus iste et non aliud, creatum est. Conceptus igitur ille, qui et verbum mentale seu sapientia dicitur, terminus est, cuius non est terminus. Non enim praecessit ipsam mentem divinam alia mens, quae ipsam determinaret ad creandum [2] hunc mundum. Sed quia ipsa mens aeterna libera ad creandum et non creandum vel sic vel aliter, suam omnipotentiam, ut voluit, intra se ab aeterno determinavit. Mens enim humana, quae est imago mentis absolutae, humaniter libera omnibus rebus in suo conceptu terminos ponit, quia mens [3] mensurans notionaliter cuncta. Sic ponit terminum lineis, quas facit longas vel breves, et tot ponit punctales terminos in ipsis, sicut vult. Et quidquid facere proponit, intra se prius determinat et est omnium operum suorum terminus. Neque cuncta quae facit ipsam terminant, quin plura facere possit, et est suo modo interminus [4] terminus. De quo in libro De mente scripsimus.

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Übs. Sg.

Alles hat demnach aus einer Bestimmung, die der Geist in sich vollzog, seine Umgrenzung dafür empfangen, daß es so und gerade so ist. Diesem ewigen Gedanken gemäß hat er das Werden-Können geschaffen und es zur Welt und ihren Bestandteilen hingeordnet, wie er sie von Ewigkeit vorausgedacht hatte. Das Werden-Können ist ja nicht als unbestimmtes und unumschriebenes geschaffen worden, sondern zu dem Ziel und Ende, daß diese unsere Welt entstehe und nicht irgend etwas anderes.

Jener Gedanke also, den man auch geistiges Wort oder Weis- heit nennt, ist die Grenze, die keine Grenze hat. Vor dem göttlichen Geist war kein anderer Geist, der ihn zur Erschaffung der Welt hätte bestimmen können. Aber weil der ewige göttliche Geist frei ist zum Schaffen oder Nichtschaffen, zu dieser oder einer anderen Schöpfung, bestimmte er seine Allmacht von Ewigkeit in sich, wie er wollte.

Der menschliche Geist, der ein Bild des absoluten Geistes ist, setzt in seiner menschlichen Freiheit allen Dingen in seinem Denken Grenzen, weil der Geist mit seinen Begriffen alles aus- mißt. Er setzt eine Grenze für die Linien, macht sie lang oder kurz, und setzt so viele Begrenzungspunkte in ihnen, wie er will. Und was immer er sich vornimmt zu tun, das umgrenzt er zunächst in sich und ist die Begrenzung aller seiner Werke. Alles, was er schafft, begrenzt ihn dabei nicht in seiner Mög- lichkeit, noch mehr zu schaffen. Er ist in seiner Weise eine Grenze ohne Grenze. Hierüber haben wir im Buche Uber den Geist geschrieben.[5]

Übs. Dp.

Alles also empfing aus der Bestimmung des Geistes in sich selbst seine Ziel-Grenze, so und so zu sein.Gemäß diesem ewigen Gedanken schuf und bestimmte er das Werden-Können, das er von Ewigkeit her für die Welt und ihre Teile vorgedacht hatte. Das Werden-Können ist nicht planlos und unbestimmt erschaffen, sondern auf den Zweck und das Ziel ausgerichtet, daß aus ihm diese und keine andere Welt werde. Jener Gedanke, der auch geistiges Wort oder Weisheit genannt wird, ist die Ziel-Grenze, die kein Ende hat. Denn dem göttlichen Geist geht kein anderer Geist, der ihn zur Schöpfung dieser Welt bestimmt hätte, voraus.

Aber da der ewige Geist frei ist, zu schaffen und nicht zu schaffen, bzw. so oder anders zu schaffen, hat er seine Allmacht von Ewigkeit in sich selbst bestimmt, wie er wollte. Der menschliche Geist, der ein Bild des absoluten Geistes ist, ist auf menschliche Weise frei und setzt allen Dingen in seinem Gedanken Grenze und Ziel, weil er ein Geist ist, der alles begrifflich bemißt. So gibt er den Linien Grenzen, die er lang oder kurz sein läßt und legt in ihnen so viele Abschnitte fest, wie er will. Wenn er sich vornimmt, etwas zu tun, bestimmt er es zuerst in sich selbst; er ist die Ziel-Grenze aller seiner Werke und nichts von allem, das er macht, setzt ihm selbst eine Grenze, über die hinaus er nichts mehr machen könnte; auf seine Weise ist er eine unbegrenzte Ziel-Grenze. Darüber habe ich in «De mente» geschrieben.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑ Z.20
  5. ↑