Zum Inhalt springen

Werk:De ven. sap./92

aus AufEinWort, der freien Forschung

92▷Adhuc, ut ordinem in aeternitate videas, considera: Cum cuncta quae de posse fieri, ut sint actu, ordinem praesupponunt quo hoc [1] possibile fieri fiat, utique ordo aeternus est, qui est omne id quod esse potest. Si enim factus esset ordo, utique ordine de possibile fieri ad actum devenisset. Sic fuisset, antequam fuisset. Non habet igitur initium ordo neque finem. Aeternus est igitur ordo.

Sed quomodo est ordo in simplicissimo rerum principio, nisi sit [2] ipsum principium, tam principium sine principio quam principium de principio quam etiam principium ab utroque procedens? Sine enim illis non potest ordo in principio videri, cum de essentia ordinis sit principium, medium et finis. Quae in simplicitate aeterni principii, quod est et ordo aeternus, si negantur, ordo negatur; quo sublato [3] nihil manet, cum expers ordinis et pulchritudinis esse nequeat. Esse enim ordine et pulchritudine carens quomodo ad actum de posse devenisset? Et si principium ordine caret, unde principiata ordinem habent?

◀△▷

Übs. Sg.

Um die Ordnung in der Ewigkeit zu sehen, bedenke ferner das Folgende: Weil alle Dinge, um vom Werden-Können zum Wirklich-Sein überzugehen, eine Ordnung voraussetzen, durch die dies mögliche Werden wird, so ist die Ordnung ewig, die alles das ist, was sie sein kann. Würde nämlich die Ordnung geworden sein, so wäre doch ihr Übergang vom möglichen Werden zum wirklichen Sein gemäß der Ordnung erfolgt. Die Ordnung hätte dann bestanden, bevor sie bestand. Demnach hat die Ordnung keinen Anfang und kein Ende. Die Ordnung ist also ewig.

Doch wie ist die Ordnung im absolut einfachen Ursprung der Dinge, wenn sie nicht der Ursprung selbst ist: ebenso Ursprung ohne Ursprung, wie Ursprung vom Ursprung, wie auch Ursprung, der aus beiden hervorgeht? Ohne sie kann sich ja die Ordnung nicht im Ursprung zeigen, denn zum Wesen der Ordnung gehören Ursprung, Mitte und Ziel. Leugnet man diese in der Einfachheit des ewigen Ursprungs, der auch ewige Ordnung ist, so leugnet man die Ordnung. Hebt man diese auf, so bleibt nichts, da nichts ohne Ordnung und Schönheit zu sein vermag. Wie sollte denn das Sein, das der Ordnung und der Schönheit bar ist, aus dem Können zum wirklichen Sein gelangt

Übs. Dp.

Um die Ordnung in der Ewigkeit zu sehen, betrachte folgendes. Weil alles, um aus dem Werden-Können heraus wirklich zu sein die Ordnung voraussetzt, durch die dieses mögliche Werden wirklich wird, ist die Ordnung, die alles das ist, was sein kann, unbedingt ewig. Wenn nämlich die Ordnung gemacht wäre und man unbedingt durch die Ordnung aus der Möglichkeit des Werdens zur Wirklichkeit käme, dann wäre sie gewesen, bevor sie war. Die Ordnung hat daher keinen Anfang und kein Ende; sie ist also ewig.

Aber wie wäre die Ordnung im einfachsten Ursprungsgrund und Anfang der Dinge, wenn sie nicht selbst dieser Anfang wäre, und zwar ebenso ein Anfang ohne Anfang als ein Anfang aus dem Anfang und sogar ein Anfang, der aus beiden hervorgeht? Ohne das kann die Ordnung nicht im Ursprung erschaut werden, da aus dem Wesen der Ordnung der Ursprung, die Mitte und das Ziel kommt. Wenn sie in der Einfachheit des ewigen Ursprungs, der zugleich die ewige Ordnung ist, geleugnet werden, wird die Ordnung selbst geleugnet. Wenn man sie tilgt, bleibt nichts, denn nichts kann ohne Ordnung und Schönheit bestehen.

Ein Sein, das der Ordnung und Schönheit entbehrt – wie könnte es aus dem Wirken-Können zur Wirkung gelangen? Und wie sollte, wenn der Ursprung der Ordnung entbehrte, das aus dem Ursprung Entstammende Ordnung haben?


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15