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Werk:Phaidon (Platon)/93

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Übrstzng B.Z.

◀▷[1] Wie aber, Simmias, fragte er, steht es mit folgendem? Meinst du, daß es einer Stimmung oder irgendeiner anderen Zusammensetzung zukommt, [2] sich irgendwie anders zu verhalten, als jenes sich verhält, aus dem sie zusammengefügt ist?

Keineswegs.

Und ebensowenig, wie ich meine, etwas zu tun oder zu erleiden außer dem, was jenes tut oder erleidet? Er stimmte zu.

Und nicht zu führen, woraus sie zusammengesetzt ist, kommt der Stimmung demnach zu, sondern ihm zu folgen. Es schien auch ihm so.

Viel fehlt also daran, daß eine Stimmung sich entgegengesetzt bewegen oder ertönen oder in anderer Weise ihren Teilen entgegengesetzt sein könnte.

Allerdings viel, sagte er.

Wie aber? Ist nicht jede Stimmung ihrer Natur nach gerade so Stimmung, wie sie gestimmt ist?

Ich verstehe nicht, sagte er.

Wird sie nicht, wenn sie mehr gestimmt ist und in höherem Maße, [3] sofern das möglich ist, auch mehr Stimmung sein und in höherem Maße, wenn aber weniger und in geringerem Maße, dann auch weniger und geringer?

Gewiß.

Gilt das nun auch für die Seele, daß eine Seele auch nur im geringsten mehr als eine andere und in höherem Maße oder weniger und in geringerem Maße dies sein kann - Seele? Unter keinen Umständen, sagte er.

Also dann, sagte er, bei Zeus! Man sagt doch von der einen Seele, sie habe Vernunft und Tugend und sei gut, von der ande- ren, sie habe Unvernunft und Bosheit und sei schlecht? [4] Und sagt man das nicht zu Recht?

Zu Recht, in der Tat.

Was wird nun einer von denen, die annehmen, daß die Seele eine Stimmung ist, sagen, was das ist in den Seelen, die Tugend und die Schlechtigkeit? Etwa wieder eine andere Stimmung und Verstimmung? Und daß die eine gestimmt sei, die gute, und in sich, die doch selbst Stimmung ist, noch eine andere Stimmung habe, daß die andere aber verstimmt sei und keine andere Stimmung in sich habe?[5]

Ich weiß es nicht zu sagen, sprach Simmias. Es ist aber offensichtlich, daß derartiges behaupten müßte, wer jenes voraussetzt.

Aber vorher ist doch zugestanden worden, sagte er, [6] daß die eine Seele nicht mehr und nicht weniger Seele ist als die andere; das ist aber das Zugeständnis, daß die eine Stimmung nicht mehr und in höherem Maße und nicht weniger und in geringerem Maße Stimmung ist als die andere. Nicht wahr?

Ganz gewiß.

Die aber nicht mehr und nicht weniger Stimmung ist, ist auch nicht mehr und nicht weniger gestimmt – ist es so? Es ist so.

Die also nicht mehr und nicht weniger gestimmt ist – hat die wohl höheren oder geringeren Anteil an der Stimmung oder gleichen?

Gleichen.

Und die Seele, [7] da die eine ja nicht mehr und nicht weniger als die andere eben dies ist, Seele, ist also auch nicht mehr und nicht weniger gestimmt?

So ist es.

Wenn sie aber so beschaffen ist, dann hat sie wohl auch keinen höheren Anteil an Verstimmung oder Stimmung?

Demnach nicht.

Wenn sie aber wiederum so beschaffen ist, könnte dann wohl die eine höheren Anteil an Schlechtigkeit oder Tugend haben als die andere, wenn doch die Schlechtigkeit Verstimmung, die Tugend aber Stimmung ist?

Keinen höheren.▷

—Übrstzng F.S.

  1. ↑ 42.
  2. ↑ [93.A]
  3. ↑ [B]
  4. ↑ [C]
  5. ↑
  6. ↑ [D]
  7. ↑ [E]