Werk:Phaidon (Platon)/Anm.14
14. Antisthenes aus Athen war vor seiner Begegnung mit Sokrates als Sophist aufgetreten und vermutlich beeinflußt von den Lehren der Sophisten Prodikos, Hippias, Protagoras und vor allem Gorgias, dessen Hörer er war. Er wurde zu einem der ‹Jünger› des Sokrates und gründete nach dessen Tod im Gymnasium Kynosarges die Schule der ›Kyniker›, Die kynische Lehre verband Elemente der eleatischen Philosophie mit sophistischen Theorien; von Sokrates übernahm sie die ethischen Fragestellungen. Anders als bei ihm wurde aber im Kynismus die ethische Praxis der Erkenntnissuche vollständig übergeordnet. Das geforderte sittliche Tun bedeutete völlige Bedürfnislosigkeit, Rückzug aus dem politischen Leben, eine mit einem gewissen Anti-Intellektualismus verbundene Rückkehr zur Natur. Über Stilpos, der die kynische mit der megarischen Schule (s. Anm. 20) vereinigte, mündete der Kynismus in die Stoa. Ohne Namensnennung setzt sich Platon kritisch mit dem Kynismus in ‹Ion›, ›Hippias› I und II, ›Euthyphron‹, ›Euthydemos‹, ›Kratylos‹, »Sophistes‹ und ‹Theaitetos› auseinander.