Werk:Phaidon (Platon)/Anm.142
142. »Die anderen Dinge haben an jedem Anteil, der Geist aber ist etwas Unendliches und Selbstherrliches, und er ist mit keinem Dinge vermischt ... Denn er ist das feinste und reinste von allen Dingen, und er besitzt von jedem Dinge jede Erkenntnis, und er hat die größte Kraft. Und alles, was Seele hat, Größeres und Kleineres, über all dies hat der Geist Gewalt. Auch über die gesamte Wirbelbewegung hat der Geist die Gewalt, so daß sie im Anfang herumzukreisen begann. Und zuerst begann diese Bewegung von einem gewissen kleinen Punkte aus herumzukreisen; sie greift aber noch weiter um sich und wird noch mehr um sich greifen. Und alle Dinge, die sich mischten und absonderten und voneinander schieden, sie alle erkannte der Geist. Und wie alles werden sollte und wie alles war und wie es jetzt ist, das alles ordnete der Geist an, auch diese Wirbelbewegung, die jetzt die Sterne und Sonne und Mond vollführen, wie auch die Luft und der Äther, die sich ausschieden. Eben diese Wirbelbewegung bewirkte ihre Ausscheidung.« (Fragm. 12, nach Capelle, S. 270) - Mit der Lehre des Anaxagoras, daß der Nous, die Vernunft oder der Geist die Ursachevon allem ist, scheint eine neue Stufe der philosophischen Welterklärung erreicht zu sein. Anaxagoras führt alles auf eine Ursache zurück, die scheinbar nicht materiell ist. Dennoch werden Sokrates' Erwartungen an diese neue Erklärung enttäuscht, s. 98bff.