Zum Inhalt springen

Werk:Werk:Phaidon (Platon)/101

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Übrstzng B.Z.

◀▷Du würdest es demnach nicht annehmen, wenn jemand behaupten würde, einer sei durch seinen Kopf größer als ein anderer, und der Kleinere durch eben diesen kleiner, sondern du würdest versichern, [1] daß du nichts anderes meinst, als daß alles, was größerist als ein anderes, durch nichts anderes größer ist als durch Größe, und nur deswegen groß, wegen der Größe, daß das Kleinere aber durch nichts anderes kleiner ist als durch Kleinheit, und nur deswegen kleiner, wegen der Kleinheit, weil du fürchten würdest, glaube ich, es könnte dir eine Gegenrede entgegentreten, wenn du behauptest, jemand sei durch den Kopf größer und kleiner; und zwar erstens, [2] daß dann durch dasselbe das Größere größer und das Kleinere kleiner sein müsse, ferner aber, daß dann durch den Kopf, der ja klein ist, das Größere größer sei und das doch ein Wunder sei, daß durch etwas Kleines einer groß sein soll.[3] Oder würdest du das nicht fürchten?

Da sagte Kebes lachend: Allerdings.

Und würdest du dich nicht fürchten zu sagen, sprach er, daß die Zehn durch die Zwei mehr ist als die Acht und sie sie dieser Ursache wegen übertrifft, nicht aber durch die Vielheit und wegen der Vielheit? Und daß das, was zwei Ellen mißt, durch jene Hälfte größer ist, als was eine Ele mißt, nicht aber durch die Größe? Denn das wäre ja wohl dieselbe Furcht.

Gewiß, sagte er.

Wie also? Wenn zu einem eins hinzugefügt wurde, würdest du dich nicht hüten zu sagen, die Hinzufügung sei die Ursache dafür, [4] daß es zwei geworden ist, oder wenn etwas gespalten wurde, die Spaltung? Und du würdest laut verkünden, daß du nicht wüßtest, auf welche Weise sonst jedes Ding werden sollte, als indem es an dem ihm eigenen Wesen teilhat, an dem es eben teilhat, und damit hättest du keine andere Ursache dafür, daß es zwei geworden ist, als die Teilhabe an der Zweiheit; und das müsse daran teilhaben, was zwei werden wolle, ebenso an der Einheit, was eins werden wolle. Den Spaltungen aber und Hinzufügungen und den anderen Spitzfindigkeiten dieser Art würdest du Lebewohl sagen und es denen überlassen, damit zu antworten, die weiser sind als du. Du aber würdest dich aus Furcht vor deinem eigenen Schatten, wie man sagt, [5] und vor deiner Unerfahrenheit an jene sichere Voraussetzung halten und auf diese Weise antworten. Wenn sich aber jemand an die Voraussetzung selbst hielte, würdest du ihn gehen lassen und nicht antworten, bis du das, was von jener hergeleitet wird, geprüft hättest, ob es miteinander übereinstimmt oder nicht. Sobald du aber von jener selbst Rechenschaft geben müßtest, würdest du sie wohl auf dieselbe Weise geben: indem du wieder eine andere Voraussetzung voraussetzt, die dir von den höheren am besten erscheint, bis du zu etwas Hinreichendem kämst.[6] [7] Zugleich aber würdest du nicht alles vermischen wie die Streitredner,[8] indem du einmal vom Ursprung, das andere Mal von dem aus ihm Hergeleiteten sprichst, wenn du wirklich etwas vom Seienden finden wolltest. …▷

—Übrstzng F.S.

  1. ↑ [101.A]
  2. ↑ [B]
  3. ↑
  4. ↑ [C]
  5. ↑ [D]
  6. ↑
  7. ↑ [E]
  8. ↑