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Wittum

aus AufEinWort, der freien Forschung

wit-tum ahd.-deu. n. historische Bezeichnung für die (aus dem germanischen Recht hervorgegangene) ‘Brautgabe’,

  • danach auch ‘Witwenvermögen’,
  • ferner ‘Vermögensleistung an die Kirche’,
  • WF
    • ahd. widamo m. (9. Jh.),
    • mhd. widem(e), widen m. f.
      • ‘Gabe des Bräutigams (zuweilen auch des Brautvaters) an die Braut bei der Eheschließung’
        • (ursprünglich der dem Brautvater zu entrichtende Kaufpreis),
      • ‘Dotierung einer Kirche, eines Klosters, besonders in Form von Grundstücken, das einer Pfarrkirche gestiftete Grundstück, besonders der Pfarrhof’,
    • mnd. wēdem(e), wēme,
    • afries. wetma, witma,
    • mnl. wēdeme, wēdem, wēdom,
    • aengl. wituma ‘Brautgabe’,
      • vgl. asächs. wiðumlīk ‘zur Mitgift gehörig’.
  • Das germ. Rechtswort ist verwandt mit
    • griech. hédnon (ἕδνον), meist im Plur. hédna (ἕδνα) ‘Brautgaben, Mitgift, Hochzeitsgeschenke’,
  • vielleicht auch mit
    • aruss. věno,
    • russ. (älter) véno (вено) ‘Mitgift, Zahlung für die Braut’.
  • Es handelt sich um Bildungen mit dem Suffix ie. -meno-, -mono- bzw. (schwundstufig) -mno-,
    • so daß sich
      • ie. *u̯edmon- (für westgerm. *witmōn),
      • *u̯edno- (für das Griech.) und
      • (langvokalisch) *u̯ēdno- (für das Slaw.)
    • ‘Kaufpreis für die Braut’ annehmen läßt.
  • Weiter sind vergleichbar
    • aind. vadhū́ḥ ‘Braut, junge Frau’,
    • awest. υαδū- ‘Weib, Frau’,
    • air. fedid ‘führt, geht, trägt, bringt’,
    • lit. vèsti‘leiten, führen, heiraten (vom Mann)’,
    • aslaw. vesti,
    • russ. vestí (вести) ‘führen’ (vgl. aruss. voditi ženu ‘eine Frau heiraten’),
  • sämtlich Bildungen zur Wurzel ie. *u̯edh- bzw. (vor Nasal) *u̯ed- ‘führen, heimführen, heiraten (vom Mann)’.
  • Im Dt.
    • treten im 15./16. Jh. Formen mit auslautendem -b/ -p auf (widemb, widemp)
    • und durch Anlehnung an das Kompositionssuffix -tum (s. d.) widumb, widump, widum;
    • danach (mit verändertem Dental) Widdumb, Widdum, Wittumb,
    • seit dem 17. Jh. in Anlehnung an Witwe die heute allein geltende Form Wittum ‘Witwenvermögen’ mit Übergang zum neutralen Genus.
  • Für die nur im Dt., Nl. und Afries. bezeugte kirchenrechtliche Verwendung
    • ‘Begabung einer Kirche oder eines kirchlichen Herrn durch die weltliche Herrschaft’
    • wird seit dem 17. Jh. die alte Wortform Widem sprachüblich.
  • S. auch widmen.