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„Werk:VGGWSM/Vorrede“ – Versionsunterschied

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[[Verstand]], [[Tugend]] [[und]] [[Gesundheit]] [[sind]] [[die]] [[drey]] [[vornehmsten]] [[Dinge]], [[darnach]] [[die]] [[Menschen]] [[in]] [[dieser]] [[Welt]] [[streben]] [[sollen]]: [[allein]] [[insgeheim]] [[achtet]] man nichts weniger als diese drey. Und wer die gegenwärtigen unglückselige Zeiten erweget, der siehet, wie sie aus Mangel des Verstandes und der Tugend herkommen. Leute, die Kinder am Verstande, aber Männer an Boßheit sind, stürtzen viele in großes Unglück und Verderben. Gewis! Ich erstaune, unter was für einen heßlichen Bilde ich sie erblicke, wenn sie Recht und Gerechtigkeit handhaben, aber zu guter Einrichtung des gemeinen Wesens Rath geben sollen. Da ich con Tugend auf eine große Neigung gegen das menschliche Geschlechte bey mir gespüret, so daß ich alle glückseelig machen wollte, wenn es bey mir stünde; habe ich auch mir niemahls etwas engelegener seyn lassen, als alle meine Kräfte dahin anzuwenden, daß Verstand und Tugend unter den Menschen zunehmen möchten, und nach dem ich diese vortreflichen Muster des ungearteten Geschlechtes nicht ohne empfindlichen Schmerzen kennen lernen, bin ich in diesem Eifer noch mehr angefeuert worden, ja ich werde davon nicht ablassen, so lange sich ein Blutes Tropffen in meinem Leibe reget. Aus diesem Triebe kommen auch gegenwärtige Gedancken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, an das Tage-Licht, und sollen nun in einer unverrückten Reihe nach und nach mit anderen begleitet werden, welche die Erkäntnis der Glückseelugkeit des menschlichen Geschlechtes, und der wunderbaren Wercke GOttes in der Natur vor Augen legen In der Materie, die ich jetzt und abhandele, ist bisher viele Finsternis und Unordnung gewesen. Es hat an deutlichen Begriffen, gründlichen Beweisen und Verknüpfungen der Wahrheiten mit einander gefehlet, so daß man viele Wahrheiten dar für Irrthümer gehalten und als anderen wiedersprechende verworfen, welche doch nicht allein ihre völlige Richtigkeit haben, sondern mit unter die wichtigsten und nützlichsten zurechnen sind. Ich habe mich demnach bemühet diesen Mangel zu ersetzen, und für allen Dingen dahin gtrachtet, daß ich von seinem Dinge reden möchte, davon ich nicht einen deutlichen Begriff vorgebracht hätte. Hierinnen aber habe ich mich nach den Regeln gerichtet, die theils im ersten, theils im andern Kapitel der vernünfftigen Gedanken von den Kräften des Verstandes zu finden. Wer demnach die Erklärungen, welche ich gegeben habe, untersuchen will; der wird sich zuerst gefallen lassen, die jetzt erwhnten beyden Kapitel mit Bedacht durch ziu gehen, und nach diesem meine in gegenwärtigem Wercke gegebene Erklärungen gegen die dort gefundene Regeln halten. Alsdenn bin ich versichert, er werde die Sache nicht allein wohl verstehen und meine Meinung recht fassen; sondern auch an der Richtigkeit keinen Zweifel übrig behalten. Ich weiß wohl, daß vielen diese Arbeit viel zu beschwerlich vorkommen wird, weil sie dis Buch gerne so behende werden lesen wollen, wie sie andere zu lesen gewohnet sind: allein die müssen sich auch gefallen lassen, daß sie nicht alles verstehen, noch diejenige Einsicht in die darinnen vorgetragene Wahrheiten erlangen, zu der sie würden kommen seyn, wenn sie die Sache mit rechte, Ernst angegriffen hätten. Es ist gewis nicht ein geringes, wenn wir in den ersten allgemeinen Begriffen Deutlichkeit haben: denn angezündet, das uns in aller unserer Erkäntnis leuchtet, wir mögen entweder mit Wissenschafften, oder mit Berrichtungen im menschlichen Leben zuthun haben. Über dieses habe ich mich auch beflissen nichts ohne Beweis anzunehmen: denn alles, was ich behauptet, ist entweder in klaren Erfahrungen gegrünet, oder durch tüchtige Schlüsse erwiesen. Was in der Erfahrung gegründet ist, kan man nach den Regeln der Erfahrung untersuchen, die ich den Gedancken von den Kräfften des Verstandes im fünfften Kapitel gegeben; so wird man hoffentlich nichts bedenckliches haben finden. Wil man die Beweise in ihre Schlüsse darans sie bestehen, ordentlich bringen;  so wird man befinden, daß nichts angenommen worden, welches nicht vorher schon seine Richtigkeit erhalten. Wer auch nur die Beweise obenhin ansiehet, dem werden die überall befindlichen citationes zeigen, daß alles jederzeit aus dem vorhergehenden angenommen wird. Am allermeisten aber habe ich darauf gesehen, daß alle Wahrheiten mit einander zusammen hingen, und das gantz Werck einer Ketten gleich wäre, da immer ein Glied an dem anderen, und solcher Gestalt ein jedes mit allen zusammen hänget. Die überall befindlichen Citiationes werden solches gleichfals zur Gnüge ausweisen. Und demnach meine ich den Fehlern abgeholffen zu haben, die man bisher in diesen Materien gehabt, die hier abgehandelt werden. Ich habe, da ich das Buch geschrieben, beständig mich angestellet, als wenn ich von allen diesen Dingen noch nichts wüßte: sondrn sie erst durch das Nachdencken heraus bringen sollte. Und dannenhero sind alle Materien ind er Ordnung zufinden, wie sie nach und nach aus einander können entdecket werden. Wer hierauf acht hat, der wird einem jeden Artienl? den Grund anzeigen können, warum er auf den andern folget, und in dem Ordnung finden, was ihm sonst unordentlich vorkommen dörfte. Gleichwie nun aber dieses Buch in einer steten Verknüpffung einer Wahrheit mit der anderen geschrieben worden; also muß es auch in unverrückter Ordnung von Anfange bis zu Ende gelesen werden. Und weil man auch hierinnen wird erwiesen finden, daß die Natur keinen Sprung thut; so wird absonderlich nöthig seyn, daß man dieses Buch nach und nach mit gehöriger Aufmercksamkeit und Überlegung lese. Wer dieses thut, wird das Vergnüge davon haben, daß er zu einer deutlichen und gründlichen Erkäntni der wichtigsten Wahrheiten gelanget, und absonderlich auch die höchstschädlichen und gefährlichen Irrthümer derer, die sich für anderen starck a, Verstande zu seyn düncken und für unüberwindlich halten, wird gründlich wiederlegen, auch die Einwürffe wieder die natürliche und geoffenbahrte Religion mit Nachdrucke beantworten können. Ich hatte mir zwar Anfangs vorgenommen, die FRage von der Gemeinschafft des Leibes mit der Seele, und der Seele mit dem Leibe gantz unentschieden zu lassen; allein da ich durch die im anderen Kapitel gelegten Gründe wieder Vermuthen gantz natürlich auf die vorher bestimmete Harmonie des Hrn. von Leibnitz geführet ward, so habe ich auch dieselbe behalten und in ein solches Licht gesetzet/ dergleichen diese sinnreiche Erfindung noch nie gehabt. Ich habe blöß auf die Wahrheit gesehen, und mich daher nicht bekümmert, ob es alt oder neue ist; sondern alles in meine Kette genommen, was sich als ein Glied damit verknüpffen lassen. Denn ich kan aufrichtig bekennen, daß ich in demjenigen, was die Alten gewust, mehrere Gründlichkeit bey reiffer Überlegung finde, als insgemein in dem jenigen anzutreffen, was man heute zu Tage für neu auszugeben pfleget. Unterdessen bin ich kein Anbeter des Alterthums; sondern nehme eben so willig an. was die Neueren hinzusetzen, und mur mein eigenes Nachsinnen an die Hand giebet. Wieviel die Erkäntnis der Wahrheiten, die ich hier viorgetragen habe, zur Beförderung der Tugend beytrage, wird sich nun bald zeigen, wenn ich ihre Natur und Beschaffenheit durch die Natur der Seele gründlich erklären werde. Unterdessen wünsche ich einem jeden, der gegenwärtiges Buch lesen wird, Gedult und Aufmercksamkeit, damit er alles, was hier voorgetragen wird, gründlich einsehen und zu dem vielfältigen Nutzen anwenden möge, welcher aus der Erkäntnis so wichtiger und tief verborgener Wahrheiten erwachsen kan! Halle Den 23. Decembr. 1719.
[[Verstand]], [[Tugend]] [[und]] [[Gesundheit]] [[sind]] [[die]] [[drey]] [[vornehmsten]] [[Dinge]], [[darnach]] [[die]] [[Menschen]] [[in]] [[dieser]] [[Welt]] [[streben]] [[sollen]]: [[allein]] [[insgeheim]] [[achtet]] [[man]] [[nichts]] [[weniger]] [[als]] [[diese]] [[drey]]. [[und|Und]] [[wer]] [[die]] [[gegenwärtigen]] [[unglückseligen]] [[Zeiten]] [[erweget]], [[der]] [[siehet]], [[wie]] [[sie]] [[aus]] [[Mangel]] [[des]] [[Verstandes]] [[und]] [[der]] [[Tugend]] [[herkommen]]. [[Leute]], [[die]] [[Kinder]] [[am]] [[Verstande]], [[aber]] [[Männer]] [[an]] [[Boßheit]] [[sind]], [[stürtzen]] [[viele]] [[in]] [[großes]] [[Unglück]] [[und]] [[Verderben]]. [[gewiß|Gewiß]]! [[Ich]] [[erstaune]], unter was für einen heßlichen Bilde ich sie erblicke, wenn sie Recht und Gerechtigkeit handhaben, aber zu guter Einrichtung des gemeinen Wesens Rath geben sollen. Da ich von Jugend auf eine große Neigung gegen das menschliche Geschlechte bey mir gespüret, so daß ich alle glückseelig machen wollte, wenn es bey mir stünde; habe ich auch mir niemahls etwas angelegener seyn lassen, als alle meine Kräfte dahin anzuwenden, daß Verstand und Tugend unter den Menschen zunehmen möchten, und nach dem ich diese vortreflichen Muster des ungearteten Geschlechtes nicht ohne empfindlichen Schmerzen kennen lernen, bin ich in diesem Eifer noch mehr angefeuert worden, ja ich werde davon nicht ablassen, so lange sich ein Blutes Tropffen in meinem Leibe reget. Aus diesem Triebe kommen auch gegenwärtige Gedancken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt, an das Tage-Licht, und sollen nun in einer unverrückten Reihe nach und nach mit anderen begleitet werden, welche die Erkäntniß der Glückseeligkeit des menschlichen Geschlechtes, und der wunderbaren Wercke GOttes in der Natur vor Augen legen. In der Materie, die ich jetztund abhandele, ist bisher viele Finsterniß und Unordnung gewesen. Es hat an deutlichen Begriffen, gründlichen Beweisen und Verknüpfung der Wahrheiten mit einander gefehlet, so daß man viele Wahrheiten gar für Irrthümer gehalten und als anderen wiedersprechende verworfen, welche doch nicht allein ihre völlige Richtigkeit haben, sondern mit unter die wichtigsten und nützlichsten zurechnen sind. Ich habe mich demnach bemühet diesen Mangel zu ersetzen, und für allen Dingen dahin gtrachtet, daß ich von keinem Dinge reden möchte, davon ich nicht einen deutlichen Begriff vorgebracht hätte. Hierinnen aber habe ich mich nach den Regeln gerichtet, die theils im ersten, theils im andern Kapitel der [[Vernünfftigen Gedanken von den Kräften des Verstandes|vernünfftigen Gedanken von den Kräften des Verstandes]] zu finden. Wer demnach die Erklärungen, welche ich gegeben habe, untersuchen will; der wird sich zuerst gefallen lassen, die jetzt erwehnten beyden Kapitel mit Bedacht durchzugehen, und nach diesem meine in gegenwärtigem Wercke gegebene Erklärungen gegen die dort gefundene Regeln halten. Alsdenn bin ich versichert, er werde die Sache nicht allein wohl verstehen und meine Meinung recht fassen; sondern auch an der Richtigkeit keinen Zweifel übrig behalten. Ich weiß wohl, daß vielen diese Arbeit viel zu beschwerlich vorkommen wird, weil sie dis Buch gerne so behende werden lesen wollen, wie sie andere zu lesen gewohnet sind: allein die müssen sich auch gefallen lassen, daß sie nicht alles verstehen, noch diejenige Einsicht in die darinnen vorgetragene Wahrheiten erlangen, zu der sie würden kommen seyn, wenn sie die Sache mit rechte, Ernste angegriffen hätten. Es ist gewiß nicht ein geringes, wenn wir in den ersten allgemeinen Begriffen Deutlichkeit haben: denn hierdurch wird uns ein Licht angezündet, das uns in aller unserer Erkäntniß leuchtet, wir mögen entweder mit Wissenschafften, oder mit Berrichtungen im menschlichen Leben zu thun haben. Über dieses habe ich mich auch beflissen nichts ohne Beweis anzunehmen: denn alles, was ich behauptet, ist entweder in klaren Erfahrungen gegrünet, oder durch tüchtige Schlüsse erwiesen. Was in der Erfahrung gegründet ist, kan man nach den Regeln der Erfahrung untersuchen, die ich den [[Gedancken von den Kräfften des Verstandes]] im [[fünfften Kapitel]] gegeben; so wird man hoffentlich nichts bedenckliches haben finden. Will man die Beweise in ihre Schlüsse, daraus sie bestehen, ordentlich bringen;  so wird man befinden, daß nichts angenommen worden, welches nicht vorher schon seine Richtigkeit erhalten. Wer auch nur die Beweise obenhin ansiehet, dem werden die überall befindlichen Citationes zeigen, daß alles jederzeit aus dem vorhergehenden angenommen wird. Am allermeisten aber habe ich darauf gesehen, daß alle Wahrheiten mit einander zusammen hingen, und das gantze Werck einer Ketten gleich wäre, da immer ein Glied an dem anderen, und solchergestalt ein jedes mit allen zusammen hänget. Die überall befindlichen Citiationes werden solches gleichfals zur Gnüge ausweisen. Und demnach meine ich den Fehlern abgeholffen zu haben, die man bisher in diesen Materien gehabt, die hier abgehandelt werden. Ich habe, da ich das Buch geschrieben, beständig mich angestellet, als wenn ich von allen diesen Dingen noch nichts wüßte, sondrn sie erst durch das Nachdencken heraus bringen sollte. Und dannenhero sind alle Materien in der Ordnung zu finden, wie sie nach und nach aus einander können entdecket werden. Wer hierauf acht hat, der wird einem jeden [[Articul]] den Grund anzeigen können, warum er auf den andern folget, und in dem Ordnung finden, was ihm sonst unordentlich vorkommen dürfte. Gleichwie nun aber dieses Buch in einer steten Verknüpfung einer Wahrheit mit der andern geschrieben worden; also muß es auch in unverrückter Ordnung von Anfange bis zu Ende gelesen werden. Und weil man auch hierinnen wird erwiesen finden, daß die Natur keinen Sprung thut; so wird absonderlich nöthig seyn, daß man dieses Buch nach und nach mit gehöriger Aufmercksamkeit und Überlegung lese. Wer dieses thut, wird das Vergnügen davon haben, daß er zu einer deutlichen und gründlichen Erkäntniß der wichtigsten Wahrheiten gelanget, und absonderlich auch die Freude dabey haben, daß er die höchstschädlichen und gefährlichen Irrthümer derer, die sich für anderen starck am Verstande zu seyn düncken und für unüberwindlich halten, wird gründlich wiederlegen, auch die Einwürffe wider die natürliche und geoffenbahrte Religion mit Nachdrucke beantworten können. Ich hatte mir zwar anfangs vorgenommen, die Frage von der Gemeinschafft des Leibes mit der Seele, und der Seele mit dem Leibe gantz unentschieden zu lassen; allein da ich durch die im anderen Kapitel gelegten Gründe wider Vermuthen gantz natürlich auf die vorher bestimmete Harmonie des Herrn von Leibnitz geführet ward; so habe ich auch dieselbe beybehalten und in ein solches Licht gesetzet, dergleichen diese sinnreiche Erfindung noch nie gehabt. Ich habe bloß auf die Wahrheit gesehen, und mich daher nicht bekümmert, ob es alt oder neue ist, sondern alles in meine Kette genommen, was sich als ein Glied damit verknüpffen lassen. Denn ich kan aufrichtig bekennen, daß ich in demjenigen, was die Alten gewust, mehrere Gründlichkeit bey reiffer Überlegung finde, als insgemein in demjenigen anzutreffen, was man heute zu Tage für neu auszugeben pfleget. Unterdessen bin ich kein Anbeter des Alterthums; sondern nehme eben so willig an, was die Neueren hinzusetzen, und mur mein eigenes Nachsinnen an die Hand giebet. Wie viel die Erkäntniß der Wahrheiten, die ich hier vorgetragen habe, zur Beförderung der Tugend beytrage, wird sich nun bald zeigen, wenn ich ihre Natur und Beschaffenheit durch die Natur der Seele gründlich erklären werde. Unterdessen wünsche ich einem jeden, der gegenwärtiges Buch lesen wird, Gedult und Aufmercksamkeit, damit er alles, was hier vorgetragen wird, gründlich einsehen, und zu dem vielfältigen Nutzen anwenden möge, welcher aus der Erkäntniß so wichtiger und tief verborgener Wahrheiten erwachsen kan! Ich wünsche aber auch denen, die es nöthig haben, aufrichtigkeit, damit sie nicht bloß mit der Absicht darüber kommen meine Worte zu verkehren, und mir ungereimte und gefährliche Meinungen aufzubürden! Halle Den 23. Decembr. 1719.


Inhalt.
=== Vorrede zu der anderen Auflage. ===
Ich habe in diesem Buche die wichtigsten Wahrheiten in einer beständigen Verknüpffung mit einander vorgetragen, und sowohl in der Moral, als Politick überflüssig gewiesen, was dadurch für ein Licht in allen übrigen Disciplinen angezündet worden, und wie endlich die Gewißheit aller Erkäntniß auf diesem Grunde beruhet. Es haben die Welt-Weisen zu allen Zeiten starcken Widerspruch gefunden, wenn sie neue Wahrheiten vorgebracht und von dem gemeinen Vortrage abgegangen, und damit die Widersprecher desto eher bey Unverständigen Beyfall finden möchten, haben sie ihre Lehren für gefährlich ausgegeben und die [[Alberen]] überreden wollen, als wenn ein heimliches Gifft darinnen verborgen wäre. Als man zu Athen anfing zu zeigen, daß der Mond von der Sonnen erleuchtet und durch den Schatten der Erde verfinstert würde, ward es für eine der Religionen nachtheilige Lehre ausgegeben. [[Protagoras]] ward deswegen aus dem Lande gejaget und [[Anaxagoras]] in das Gefängniß geworffen. Ja, es hat auch niemahls an boßhafftigen Leuten gefehlet, welche die Welt-Weisen angegeben. als wenn sie mit einem heimlichen Giffte verderblichen Schaden anrichteten. So klagte vor Zeiten [[Kleanthes|Cleanthes]] den [[Aristarchos von Samos|Aristachum]] an, als wenn er der Religion zu nahe träte, weil er vorgab, daß sich die Erde innerhalb vier und zwantzig Stunden um ihre Axe, und innerhalb einem Jahr um die Sonne bewege, ob er gleich nicht mit dem allergeringstem Grunde, der sich den Verständigen hätte hören lassen, bescheinigen konte, daß dadurch der [https://de.wikipedia.org/wiki/Vesta_(Mythologie) Göttin Vestæ] in ihrer Ehre zu nahe getreten würde. Es ist nicht nöthig in einer bekanten Sache mehrere Exempel anzuführen. Ich aber habe am allerwenigsten dieses zu thun Ursache, indem dieses mein Buch, wie die übrigen Schriften, welche ich heraus gegeben, das Glück gehabt, daß es durchgehend wohl aufgenommen worden, und bey den Beständigsten unter den Gelehrten Beyfall gefunden. Ja, mir ist nicht unwissend. daß die vornehmsten Gottesgelehrten in allen drey Religionen des heilgen Römischen Reiches erkant, es trage dieses Buch zu gründlicher Erkäntniß der Gottesgelehrtheit nicht wenig bey, und setze einen in den Stand wider alle Einwürffe derer, die sich für andern am Verstande starck zu seyn dücken, zu vertheidigen. Es ist mir auch zur Gnüge kund worden, daß vornehme Gottesgelehrte meine Moral denen Predigern mit Nachdruck recommendiret, und denen, die sie zum Predigt-Amte vorbereitet, Anweisung gegeben, wie sie sich derselben mit Nutzen bedienen können. Gleich wie ich mich aber darüber freue, daß die Wahrheit in die Gemüther der Verständigen so halb eingedrungen und zum gemeinen Nutzen angewendet wird; so wird mir auch dieses zur Aufmunterung dienen in Untersuchung derselben mit unermüdeten Fleisse noch ferner fortzufahren, und denen, welche Wahrheiten gründlich einzusehen Belieben tragen, mit nützlichem Unterrichte an die Hand zu geben. Und eben dies hat mich bewogen zu dieser andern Auflage ohne Verzug zu schreiten, da die erste nicht zureichen wollen, die häuffigen Liebhaber zu vergnügen, damit niemand, der nach einer gründlichen Erkäntniß strebet, in einem so löblichen Vorhaben aufgehalten werde. Es ist wohl an dem, daß ich bey weitem nicht alles, was ich von metaphysischen Wahrheiten erkant und aus denen erkanten noch ferner herausbringen könte, in dieses Buch gebracht, und daher diese andere Auflage gar viel vermehrter herauszugeben mir ein gar leichtes gewesen wäre: allein ich habe verschiedene Ursachen gehabt, welche mich davon abgehalten. Anfangs ist zu wissen, daß ich dieses Buch nebst denen übrigen, wodurch die Welt-Weisheit erläutert wird, hauptsächlich zu dem Ende geschrieben, damit meine Zuhörer von dem vielen Nachschreiben befreyet würden, zumahl da ich gesehen, wie sie öffters meine Meinung in der Eile nicht recht gefasset, indem sie auf den Vortrag und das Schreiben zugleich acht haben und solchergestalt ihre Aufmercksamkeit zertheilen sollen, die doch bey dem Vortrage gantz allein verbleiben muß, woferne man mit Nutzen zuhören will. Ich habe abder schon in die erste Auflage fast mehr hineingebracht, als in der zu dieser Arbeit bestimmten Zeit ich füglich erklären und zu besseren Verstande erläutern lässet. Wolte ich nun noch mehrere Wahrheiten in diese neue Auflage hinein gesetzet haben; so wäre das Buch dazu unbrauchbar worden, wozu ich es geschrieben. Es ist aber um desto weniger nöthig, daß dasselbe erweitert wird, weil ich fest entschlossen bin alle Theile der Welt-Weisheit in lateinischer Sprache viel ausführlicher herauszugeben, insonderheit da ich in diesem Vorhaben noch immer täglich gestärcket werde, weil Ausländer, welche der deutschen Sprache nicht kündig sind, und an meinen Lehren und deren Vortrage Gerfallen haben, mich vergleichen zu thun ermanen, auch, wie bald solches geschehen möchte, zu wissen begehren. Am allermeisten aber lässet sich deswegen nichts mehreres hinzu setzen, weil alle übrigen Theile der Welt-Weisheit in den Lehren dieses Buchs gegründet sind. Man sehe die Moral, man sehe die Politick, ja, man sehe selbst diejenigen Versuche an, wodurch ich zu genauer Erkäntniß der Natur und Kunst den Weg bähne; so wird man finden, daß ich mich überall auf die Metaphysick beruffe, und diejenigen §§. anführe, worinnen die Gründe dessen, was erwiesen wird, zu finden. In der Metaphysikck selbst werden jederzeit die Gründe des Beweises im folgenden aus dem vorhergehenden angenommen. Wenn ich nun nur einen einigen §. eingeschoben hätte; so wäre dadurch die Ordnung aller übrigen geändert worden, und hätte man diese neue Auflage nicht bey den übrigen Theilen der Welt-Weisheit gebrauchen können, wo die §§. nach der ersten Auflage citiret worden. Ja, da noch nicht alle Theile heraus sind, hätte ich in denen, die noch kommen sollen, weder die erste noch die andere Auflage anführen können. Denn entweder diejenigen, welche die erste besitzen, hätten sich nicht in die Citationes finden können, oder die anderen, welche sich mit der neuen versehen, wären damit nicht auskommen. Ich habe demnach keinen Articul im gantzen Buche geändert, sondern einen jeden gelassen, wie er vorhin gewesen. Nur habe ich hin un wieder eines und das andere hinzugesetzet, welches zu mehrerer Erläuterung dienen kan, damit diejenigen, die für sich diese Lehren einzusehen ihnen angelegen seyn lassen, sich desto besser zurechte finden. Absonderlich aber, da aus Nachläßigkeit des Buchdruckers in der ersten Auflage ein nicht geringer Theil der §§. gantz unrichtig angeführet, auch die Zahlen im Register öffters falsch gesetzet worden: hingegen in vergleichen Schrifften, da das folgende aus dem vorhergehenden hergeleitet wird, es nicht ein geringes Versehen ist, wenn das vorhergende unrichtig angeführet wird; so habe ich in dieser andern (und auch nun in der dritten) Auflage alle §§. die in folgenden citiret worden, mit Fleiß nachgeschlagen, und, wo ich die Zahlen falsch gefunden, dieselben verbessert. Ich zwiffele nicht, es werde dieses zu nicht geringer Erleichterung denenjenigen dienen, welche für sich dieses Buch mit Überlegungen durchgehen werden. Nachdem ich es herausgegeben, hat man die vorherbestimmte Harmonie, wodurch der Herr von Leibnitz die Gemeinschafft zwischen Seele und Leib auf eine verständliche Art zu erklären vermeinet, besser als aus demjenigen einsehen lernen, was er selbst hiervon bey seinem Leben in den Druck gegeben. Man bildet sich aber ein, als wenn alles, was in dem fünfften Kapitel von den Eigenschafften und Würckungen der Seele aus ihrer Natur und ihrem Wesen hergeleitet wird, nichts anders als eine Erklärung der vorherbestimmeten Harmonie zwischen Seele und Leib wäre. Nun könte mir zwar gleichviel gelten, wovor es angsehen würde, wenn es weiter nichts zu sagen hätte, dals daß man einem andern zueignete, was mir gehöret: allein, da einige die vorherbestimme Harmonie nicht annehmen, weil sie sie nicht verdauen können; so lassen sie zugleich andere Wahrheiten fahren, die sie beybehalten könten, se mögen von der Gemeinschafft des Leibes und der Seele mit einander für eine Meinung annehmen, was sie für eine wollen. Ich finde demnach nöthig von denen in angezogenem Orte abgehandelten Materien eine gründlichere Nachricht zu ertheilen, als die Gedancken derer sind, welche sie nicht genau genung einsehen. Alle diejenigen, die sich um die Erkäntniß der Dinge bemühet und nach der Welt-Weißheit gestrebet, haben entweder sich entschlossen, gar keine Lehren anzunehmen. sondern alles in Zweiffel zu lassen, damit sie nicht aus Übertheilung das falsche für das wahre ergriffen und im Irrthum verfielen, oder sie haben es endlich gewaget und Lehren eingeführet, darnach sie dasjenige, was ihnen im Leben vorkäme, erklären könten. Die ersten hat man Scepticos oder Zweiffeler; die anderen hingegen Dogmaticos oder Lehrreiche genennet. Weil die Zweiffeler nichts gewisses setzen, sondern alles unentschieden lassen; so ist einer so gut aös der andere, und unter ihnen kein fernerer Unterscheid zu bestimmen. Hingegen die Lehrreichen theilen sich in verschiedene Secten ein. Denn entweder sie geben nur eine Art der Dinge vor, oder sie nehmen ihrer zweierley Arten an. Die ersten werden Monisten: die andern Dualisten genennet. Die Monisten sind abermahl von zweierley Gattung, entweder Idealisten oder Materialisten. Jene geben blosse Geister oder auch solche Dinge zu, welche nicht as Materie bestehen, und unter diejenigen gehören, die von uns einfache Dinge genennet werden, vergleichen die Leibnitzsche Einheiten sind; halten die Welt und die darinnen befindliche Körper für blosse Einbildungen der einfachen Dinge und sehen sie nicht anders als einen regulierten Traum an. Diese hingegen räumen keinem Dinge in der Welt-Weißheit als dem cörperlichen einen Platz ein und halten die Geister und Seelen bloß für eine cörperliche Krafft, nicht aber für ein besonderes bestehendes Wesen. Die Dualisten halten sowohl die Körper, als Geister für würckliche und von einander unterschiedene Dinge, deren eines ohne das andere seyn kan. Endluch die Idealisten geben entweder mehr als ein Wesen zu, oder halten sich für das einige würckliche Wesen. Jene werden Pluralisten; diese hingegen Egoisten genennet. Man siehet leicht, daß , da die Idealisten den cörperlichen Dingen keinen anderen Platz als in den Gedancken der Seele einräumen, sie derselben eine Krafft zueignen müssen, dadurch sie alle ihre Gedancken und Begierden ohne einigen äusseren Einfluß hervorbringet, und alles sich vorstellet, wie es in der Welt ergehet, ob gleich ihrer Meinung nach keine Welt würklich vorhanden. Man siehet nicht weniger, daß die Materialisten dem Leibe eine Kraft zueignen müssen, wodurch er alle Bewegungen hervorbringet, die man in ihm verspüret, ohne einigen Einfluß der Seele, vergleichen sie nirgends zu sehr erachten. Weil nun die Dualisten sowohl die Körper, als die Seele für würkliche Dinge halten; hingegen nicht erklären können, wie die Gedancken der Seele durch die Würckungen des Leibes, noch die Bewegungen des Leibes durch die Krafft der Seele sich hervorbringen lassen; so hat der Herr von Leibnitz wahrgenommen. es lasse sich die Sache begreiffen, wie Leib und Seele mit einander zusammenstimmen, wenn man beydes zusammen nimmet, was die Idealisten und Materialisten lehren. Gleichwie aber kein Idealist bisher dasjenige durchgegangen, was wir in der Seele antreffen und sich zu zeigen bemühet, wie es durch eine einige Krafft der Seele zum Vorschein kommen könne; wie kein Materialist ausgeführet, auf was für Art und Wise der Leib dergleichen Bewegungen  hervorbringen könne, als zu vernünfftigen Reden und zu freyen Handlungen erfordert wird; so hat auch der Herr von Leibnitz dieses nirgends ausgeführet, sondern bloß auf Gründe gedacht, wodurch er zeigen möchte, daß ein Dualiste dasjenige zusammen nehmen müsse, was die Idealisten und Materialisten vermöge des Grundes ihrer Secte vorzugeben genöthiget werden. Weil nun mein Vorhaben ist die  Natur der Seele zu untersuchen und auf eine verständliche und begreifliche Art zu erklären, wie ihre Veränderungen erfolgen; so habe ich auch untersuchen müssen, was für Wahrheiten die Idealisten und Materialisten haben, und nachdem ich dieses gefunden; so hat es sich gewiesen. es gehe an, was der Herr von Leibnitz angegeben, daß sich neh,lich die Meinungen der Idealisten und Materialisten von den Dualisten mit einander vereinbahren lassen. Und solchergestalt ist freylich die vorher bestimmte Harmonie des Herrn von Leibnitz in ein grösseres Licht gesetzet und vielen begreiflich geworden, die vorher sich gar keinen Begriff von ihr machen können, nachdem ich sowohl der Idealisten, als Materialisten Meinungen gründlich ausgeführet und deutlich erwiesen, wie viel in ihnen Wahrheit anzutreffen. Nachdem man durch meine Schrifft die vorher bestimmete Harmonie des Herrn Leibnitz besser verstehen lernen; so haben sich auch einige gewaget Einwürffe dagegen zu machen. Weil aber in meinem fünfften Kapitel nicht mein Haupt-Vorsatz ist dieselbe zu bestätigen, sondern ich nur fast unvermuthet darauf kommen bin; so habe mich auch dessen nicht anzunehmen. was man wieder den Herrn von Leibnitz vorbringet. Und wenn wuch jemand sie wider mich vorzubringen gemeinet gewesen, und nur aus besonderen Ursachen meinen Nahmen verschwiegen hätte; so finde ich doch auch in diesem Falle nichts dagegen zu erinnern vonnöthen, indem sie so beschaffen sind, daß sie demjenigen, der meine Lehren einsiehet, nicht einigen Zweiffel machen können. Vielmehr muß ein jeder gleich erkennen, daß alle dieselben Einwürffe nicht statt fine, so bald man recht verstehet, was ich behaupte, und zum Theil Schwierigkeiten sind, welche diejenigen drucken müssen, die sich für den natürlichen Einfluß der Seele in den Leib, und des Leibes in die Seele erklären, da nehmlich die Seele von dem Leibe zu ihren Gedancken determinieret werden muß, folgendes ohne den Leib durch ihr Vermögen nichts bewerckstelligen kan. Gewiß! so gemein als diese Meinung ist, so grossen und gefährlichen Schwierigkeiten ist sie unterworfen. Ich will zum Exempel nur eine anführen, die nicht für geringe zu achten. Es kan mit ihr die UNsterböochkeit der Seele keinesweges bestehen: welches so leichte zu erweisen ist, wenn man an deutliche Erkäntniß gewöhnet, daß ich es für überflüßig erachte einen Beweis hieher zu setzen, den ich auch noch um anderer Ursachen willen zurücke behalte. Eine Meinung, mit der die Unsterblichkeit der Seele nicht bestehen kan, ist allerdings höchst gefährlichlich, indem mit ihr das meiste von unserer Religion über den Hauffen fället. Es sind mehr vergleichen gemeine Vorurtheile, die man für Exangelia ansiehet, aber der Religion höchst nachtheilig befunden werden, wenn man sie in ihrer Deutlichkeit und Verknüpffung mit anderen Wahrheiten einsehen lernet. Da es aber meine Art nicht ist jemanden seine Meinungen zur Last zu legen; so werde auch damit nicht eher zum Vorschein kommen, als bis es nöthig ist, daß ich die Last von mir auf einen andern weltze. Ich habe schon in einem andern Orte erinnert, daß, unerachtet die metaphysischen Wahrheiten  von einer gantz andern Beschaffenheit sind, als die mathematischen, so daß auch blosse Mathematici dazu nicht aufgeleget sind, sondern, wenn sie darüber kommen, gemeiniglich nur leeren Einbildungen nachgehen, man doch durch Exempel aus der Mathematick, sonderlich der Algebra, die metaphysischen begriffe nicht wenig erläutern könne. Unerachtet ich hier nicht wiederholen mag, daß ich schon anderswo gesaget; so finde ich doch nicht undienlich noch ein Exempel zu mehrerer Bestätigung dessen, was ich gesaget, bey zu bringen. Ich habe in diesem Buche gezeiget, daß die Arten der Dinge durch die Ähnlichkeit der eintzelen, und die Geschlechter durch die Ähnlichkeit der Arten bestehen; die einzelnen Dinge aber daher entspringen, daß alles in ihnen auf eine gewisse Art determiniret ist. Dieses wird +ber die Massen deutlich durch die Formul von en Polygonal-Zahlen erläutert. Bey einer Polygonal- Zahl sind zwey Dinge, die sich auf verschiedene Art dterminiren lassen nehmölich die Seite und die Zahl der Winckel. Werden beyde von undeterminirter Grösse angenommen; so stellet die Formul dasjenige vor, worinnen alle Arten der Polygonal Zahlen einander ähnlich sind, und erläutert daher den Begriff des Geschlechtes.


== Inhalt. ==
Des gantzen Buches.
Des gantzen Buches.


Das 1. Capitel.
Das 1. Capitel.


Wie wir erkennen, daß wir sind, und was uns diese Erkäntnis nutzet.
Wie wir erkennen, daß wir sind, und was uns diese Erkäntniß nutzet.


Das 2. Capitul.
Das 2. Capitul.


Von den ersten Gründen unserer Erkäntnis und allen Dingen überhaupt.
Von den ersten Gründen unserer Erkäntniß und allen Dingen überhaupt.


Das 3. Capitel.
Das 3. Capitel.

Version vom 12. Februar 2024, 19:01 Uhr

Verstand, Tugend und Gesundheit sind die drey vornehmsten Dinge, darnach die Menschen in dieser Welt streben sollen: allein insgeheim achtet man nichts weniger als diese drey. Und wer die gegenwärtigen unglückseligen Zeiten erweget, der siehet, wie sie aus Mangel des Verstandes und der Tugend herkommen. Leute, die Kinder am Verstande, aber Männer an Boßheit sind, stürtzen viele in großes Unglück und Verderben. Gewiß! Ich erstaune, unter was für einen heßlichen Bilde ich sie erblicke, wenn sie Recht und Gerechtigkeit handhaben, aber zu guter Einrichtung des gemeinen Wesens Rath geben sollen. Da ich von Jugend auf eine große Neigung gegen das menschliche Geschlechte bey mir gespüret, so daß ich alle glückseelig machen wollte, wenn es bey mir stünde; habe ich auch mir niemahls etwas angelegener seyn lassen, als alle meine Kräfte dahin anzuwenden, daß Verstand und Tugend unter den Menschen zunehmen möchten, und nach dem ich diese vortreflichen Muster des ungearteten Geschlechtes nicht ohne empfindlichen Schmerzen kennen lernen, bin ich in diesem Eifer noch mehr angefeuert worden, ja ich werde davon nicht ablassen, so lange sich ein Blutes Tropffen in meinem Leibe reget. Aus diesem Triebe kommen auch gegenwärtige Gedancken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt, an das Tage-Licht, und sollen nun in einer unverrückten Reihe nach und nach mit anderen begleitet werden, welche die Erkäntniß der Glückseeligkeit des menschlichen Geschlechtes, und der wunderbaren Wercke GOttes in der Natur vor Augen legen. In der Materie, die ich jetztund abhandele, ist bisher viele Finsterniß und Unordnung gewesen. Es hat an deutlichen Begriffen, gründlichen Beweisen und Verknüpfung der Wahrheiten mit einander gefehlet, so daß man viele Wahrheiten gar für Irrthümer gehalten und als anderen wiedersprechende verworfen, welche doch nicht allein ihre völlige Richtigkeit haben, sondern mit unter die wichtigsten und nützlichsten zurechnen sind. Ich habe mich demnach bemühet diesen Mangel zu ersetzen, und für allen Dingen dahin gtrachtet, daß ich von keinem Dinge reden möchte, davon ich nicht einen deutlichen Begriff vorgebracht hätte. Hierinnen aber habe ich mich nach den Regeln gerichtet, die theils im ersten, theils im andern Kapitel der vernünfftigen Gedanken von den Kräften des Verstandes zu finden. Wer demnach die Erklärungen, welche ich gegeben habe, untersuchen will; der wird sich zuerst gefallen lassen, die jetzt erwehnten beyden Kapitel mit Bedacht durchzugehen, und nach diesem meine in gegenwärtigem Wercke gegebene Erklärungen gegen die dort gefundene Regeln halten. Alsdenn bin ich versichert, er werde die Sache nicht allein wohl verstehen und meine Meinung recht fassen; sondern auch an der Richtigkeit keinen Zweifel übrig behalten. Ich weiß wohl, daß vielen diese Arbeit viel zu beschwerlich vorkommen wird, weil sie dis Buch gerne so behende werden lesen wollen, wie sie andere zu lesen gewohnet sind: allein die müssen sich auch gefallen lassen, daß sie nicht alles verstehen, noch diejenige Einsicht in die darinnen vorgetragene Wahrheiten erlangen, zu der sie würden kommen seyn, wenn sie die Sache mit rechte, Ernste angegriffen hätten. Es ist gewiß nicht ein geringes, wenn wir in den ersten allgemeinen Begriffen Deutlichkeit haben: denn hierdurch wird uns ein Licht angezündet, das uns in aller unserer Erkäntniß leuchtet, wir mögen entweder mit Wissenschafften, oder mit Berrichtungen im menschlichen Leben zu thun haben. Über dieses habe ich mich auch beflissen nichts ohne Beweis anzunehmen: denn alles, was ich behauptet, ist entweder in klaren Erfahrungen gegrünet, oder durch tüchtige Schlüsse erwiesen. Was in der Erfahrung gegründet ist, kan man nach den Regeln der Erfahrung untersuchen, die ich den Gedancken von den Kräfften des Verstandes im fünfften Kapitel gegeben; so wird man hoffentlich nichts bedenckliches haben finden. Will man die Beweise in ihre Schlüsse, daraus sie bestehen, ordentlich bringen;  so wird man befinden, daß nichts angenommen worden, welches nicht vorher schon seine Richtigkeit erhalten. Wer auch nur die Beweise obenhin ansiehet, dem werden die überall befindlichen Citationes zeigen, daß alles jederzeit aus dem vorhergehenden angenommen wird. Am allermeisten aber habe ich darauf gesehen, daß alle Wahrheiten mit einander zusammen hingen, und das gantze Werck einer Ketten gleich wäre, da immer ein Glied an dem anderen, und solchergestalt ein jedes mit allen zusammen hänget. Die überall befindlichen Citiationes werden solches gleichfals zur Gnüge ausweisen. Und demnach meine ich den Fehlern abgeholffen zu haben, die man bisher in diesen Materien gehabt, die hier abgehandelt werden. Ich habe, da ich das Buch geschrieben, beständig mich angestellet, als wenn ich von allen diesen Dingen noch nichts wüßte, sondrn sie erst durch das Nachdencken heraus bringen sollte. Und dannenhero sind alle Materien in der Ordnung zu finden, wie sie nach und nach aus einander können entdecket werden. Wer hierauf acht hat, der wird einem jeden Articul den Grund anzeigen können, warum er auf den andern folget, und in dem Ordnung finden, was ihm sonst unordentlich vorkommen dürfte. Gleichwie nun aber dieses Buch in einer steten Verknüpfung einer Wahrheit mit der andern geschrieben worden; also muß es auch in unverrückter Ordnung von Anfange bis zu Ende gelesen werden. Und weil man auch hierinnen wird erwiesen finden, daß die Natur keinen Sprung thut; so wird absonderlich nöthig seyn, daß man dieses Buch nach und nach mit gehöriger Aufmercksamkeit und Überlegung lese. Wer dieses thut, wird das Vergnügen davon haben, daß er zu einer deutlichen und gründlichen Erkäntniß der wichtigsten Wahrheiten gelanget, und absonderlich auch die Freude dabey haben, daß er die höchstschädlichen und gefährlichen Irrthümer derer, die sich für anderen starck am Verstande zu seyn düncken und für unüberwindlich halten, wird gründlich wiederlegen, auch die Einwürffe wider die natürliche und geoffenbahrte Religion mit Nachdrucke beantworten können. Ich hatte mir zwar anfangs vorgenommen, die Frage von der Gemeinschafft des Leibes mit der Seele, und der Seele mit dem Leibe gantz unentschieden zu lassen; allein da ich durch die im anderen Kapitel gelegten Gründe wider Vermuthen gantz natürlich auf die vorher bestimmete Harmonie des Herrn von Leibnitz geführet ward; so habe ich auch dieselbe beybehalten und in ein solches Licht gesetzet, dergleichen diese sinnreiche Erfindung noch nie gehabt. Ich habe bloß auf die Wahrheit gesehen, und mich daher nicht bekümmert, ob es alt oder neue ist, sondern alles in meine Kette genommen, was sich als ein Glied damit verknüpffen lassen. Denn ich kan aufrichtig bekennen, daß ich in demjenigen, was die Alten gewust, mehrere Gründlichkeit bey reiffer Überlegung finde, als insgemein in demjenigen anzutreffen, was man heute zu Tage für neu auszugeben pfleget. Unterdessen bin ich kein Anbeter des Alterthums; sondern nehme eben so willig an, was die Neueren hinzusetzen, und mur mein eigenes Nachsinnen an die Hand giebet. Wie viel die Erkäntniß der Wahrheiten, die ich hier vorgetragen habe, zur Beförderung der Tugend beytrage, wird sich nun bald zeigen, wenn ich ihre Natur und Beschaffenheit durch die Natur der Seele gründlich erklären werde. Unterdessen wünsche ich einem jeden, der gegenwärtiges Buch lesen wird, Gedult und Aufmercksamkeit, damit er alles, was hier vorgetragen wird, gründlich einsehen, und zu dem vielfältigen Nutzen anwenden möge, welcher aus der Erkäntniß so wichtiger und tief verborgener Wahrheiten erwachsen kan! Ich wünsche aber auch denen, die es nöthig haben, aufrichtigkeit, damit sie nicht bloß mit der Absicht darüber kommen meine Worte zu verkehren, und mir ungereimte und gefährliche Meinungen aufzubürden! Halle Den 23. Decembr. 1719.

Vorrede zu der anderen Auflage.

Ich habe in diesem Buche die wichtigsten Wahrheiten in einer beständigen Verknüpffung mit einander vorgetragen, und sowohl in der Moral, als Politick überflüssig gewiesen, was dadurch für ein Licht in allen übrigen Disciplinen angezündet worden, und wie endlich die Gewißheit aller Erkäntniß auf diesem Grunde beruhet. Es haben die Welt-Weisen zu allen Zeiten starcken Widerspruch gefunden, wenn sie neue Wahrheiten vorgebracht und von dem gemeinen Vortrage abgegangen, und damit die Widersprecher desto eher bey Unverständigen Beyfall finden möchten, haben sie ihre Lehren für gefährlich ausgegeben und die Alberen überreden wollen, als wenn ein heimliches Gifft darinnen verborgen wäre. Als man zu Athen anfing zu zeigen, daß der Mond von der Sonnen erleuchtet und durch den Schatten der Erde verfinstert würde, ward es für eine der Religionen nachtheilige Lehre ausgegeben. Protagoras ward deswegen aus dem Lande gejaget und Anaxagoras in das Gefängniß geworffen. Ja, es hat auch niemahls an boßhafftigen Leuten gefehlet, welche die Welt-Weisen angegeben. als wenn sie mit einem heimlichen Giffte verderblichen Schaden anrichteten. So klagte vor Zeiten Cleanthes den Aristachum an, als wenn er der Religion zu nahe träte, weil er vorgab, daß sich die Erde innerhalb vier und zwantzig Stunden um ihre Axe, und innerhalb einem Jahr um die Sonne bewege, ob er gleich nicht mit dem allergeringstem Grunde, der sich den Verständigen hätte hören lassen, bescheinigen konte, daß dadurch der Göttin Vestæ in ihrer Ehre zu nahe getreten würde. Es ist nicht nöthig in einer bekanten Sache mehrere Exempel anzuführen. Ich aber habe am allerwenigsten dieses zu thun Ursache, indem dieses mein Buch, wie die übrigen Schriften, welche ich heraus gegeben, das Glück gehabt, daß es durchgehend wohl aufgenommen worden, und bey den Beständigsten unter den Gelehrten Beyfall gefunden. Ja, mir ist nicht unwissend. daß die vornehmsten Gottesgelehrten in allen drey Religionen des heilgen Römischen Reiches erkant, es trage dieses Buch zu gründlicher Erkäntniß der Gottesgelehrtheit nicht wenig bey, und setze einen in den Stand wider alle Einwürffe derer, die sich für andern am Verstande starck zu seyn dücken, zu vertheidigen. Es ist mir auch zur Gnüge kund worden, daß vornehme Gottesgelehrte meine Moral denen Predigern mit Nachdruck recommendiret, und denen, die sie zum Predigt-Amte vorbereitet, Anweisung gegeben, wie sie sich derselben mit Nutzen bedienen können. Gleich wie ich mich aber darüber freue, daß die Wahrheit in die Gemüther der Verständigen so halb eingedrungen und zum gemeinen Nutzen angewendet wird; so wird mir auch dieses zur Aufmunterung dienen in Untersuchung derselben mit unermüdeten Fleisse noch ferner fortzufahren, und denen, welche Wahrheiten gründlich einzusehen Belieben tragen, mit nützlichem Unterrichte an die Hand zu geben. Und eben dies hat mich bewogen zu dieser andern Auflage ohne Verzug zu schreiten, da die erste nicht zureichen wollen, die häuffigen Liebhaber zu vergnügen, damit niemand, der nach einer gründlichen Erkäntniß strebet, in einem so löblichen Vorhaben aufgehalten werde. Es ist wohl an dem, daß ich bey weitem nicht alles, was ich von metaphysischen Wahrheiten erkant und aus denen erkanten noch ferner herausbringen könte, in dieses Buch gebracht, und daher diese andere Auflage gar viel vermehrter herauszugeben mir ein gar leichtes gewesen wäre: allein ich habe verschiedene Ursachen gehabt, welche mich davon abgehalten. Anfangs ist zu wissen, daß ich dieses Buch nebst denen übrigen, wodurch die Welt-Weisheit erläutert wird, hauptsächlich zu dem Ende geschrieben, damit meine Zuhörer von dem vielen Nachschreiben befreyet würden, zumahl da ich gesehen, wie sie öffters meine Meinung in der Eile nicht recht gefasset, indem sie auf den Vortrag und das Schreiben zugleich acht haben und solchergestalt ihre Aufmercksamkeit zertheilen sollen, die doch bey dem Vortrage gantz allein verbleiben muß, woferne man mit Nutzen zuhören will. Ich habe abder schon in die erste Auflage fast mehr hineingebracht, als in der zu dieser Arbeit bestimmten Zeit ich füglich erklären und zu besseren Verstande erläutern lässet. Wolte ich nun noch mehrere Wahrheiten in diese neue Auflage hinein gesetzet haben; so wäre das Buch dazu unbrauchbar worden, wozu ich es geschrieben. Es ist aber um desto weniger nöthig, daß dasselbe erweitert wird, weil ich fest entschlossen bin alle Theile der Welt-Weisheit in lateinischer Sprache viel ausführlicher herauszugeben, insonderheit da ich in diesem Vorhaben noch immer täglich gestärcket werde, weil Ausländer, welche der deutschen Sprache nicht kündig sind, und an meinen Lehren und deren Vortrage Gerfallen haben, mich vergleichen zu thun ermanen, auch, wie bald solches geschehen möchte, zu wissen begehren. Am allermeisten aber lässet sich deswegen nichts mehreres hinzu setzen, weil alle übrigen Theile der Welt-Weisheit in den Lehren dieses Buchs gegründet sind. Man sehe die Moral, man sehe die Politick, ja, man sehe selbst diejenigen Versuche an, wodurch ich zu genauer Erkäntniß der Natur und Kunst den Weg bähne; so wird man finden, daß ich mich überall auf die Metaphysick beruffe, und diejenigen §§. anführe, worinnen die Gründe dessen, was erwiesen wird, zu finden. In der Metaphysikck selbst werden jederzeit die Gründe des Beweises im folgenden aus dem vorhergehenden angenommen. Wenn ich nun nur einen einigen §. eingeschoben hätte; so wäre dadurch die Ordnung aller übrigen geändert worden, und hätte man diese neue Auflage nicht bey den übrigen Theilen der Welt-Weisheit gebrauchen können, wo die §§. nach der ersten Auflage citiret worden. Ja, da noch nicht alle Theile heraus sind, hätte ich in denen, die noch kommen sollen, weder die erste noch die andere Auflage anführen können. Denn entweder diejenigen, welche die erste besitzen, hätten sich nicht in die Citationes finden können, oder die anderen, welche sich mit der neuen versehen, wären damit nicht auskommen. Ich habe demnach keinen Articul im gantzen Buche geändert, sondern einen jeden gelassen, wie er vorhin gewesen. Nur habe ich hin un wieder eines und das andere hinzugesetzet, welches zu mehrerer Erläuterung dienen kan, damit diejenigen, die für sich diese Lehren einzusehen ihnen angelegen seyn lassen, sich desto besser zurechte finden. Absonderlich aber, da aus Nachläßigkeit des Buchdruckers in der ersten Auflage ein nicht geringer Theil der §§. gantz unrichtig angeführet, auch die Zahlen im Register öffters falsch gesetzet worden: hingegen in vergleichen Schrifften, da das folgende aus dem vorhergehenden hergeleitet wird, es nicht ein geringes Versehen ist, wenn das vorhergende unrichtig angeführet wird; so habe ich in dieser andern (und auch nun in der dritten) Auflage alle §§. die in folgenden citiret worden, mit Fleiß nachgeschlagen, und, wo ich die Zahlen falsch gefunden, dieselben verbessert. Ich zwiffele nicht, es werde dieses zu nicht geringer Erleichterung denenjenigen dienen, welche für sich dieses Buch mit Überlegungen durchgehen werden. Nachdem ich es herausgegeben, hat man die vorherbestimmte Harmonie, wodurch der Herr von Leibnitz die Gemeinschafft zwischen Seele und Leib auf eine verständliche Art zu erklären vermeinet, besser als aus demjenigen einsehen lernen, was er selbst hiervon bey seinem Leben in den Druck gegeben. Man bildet sich aber ein, als wenn alles, was in dem fünfften Kapitel von den Eigenschafften und Würckungen der Seele aus ihrer Natur und ihrem Wesen hergeleitet wird, nichts anders als eine Erklärung der vorherbestimmeten Harmonie zwischen Seele und Leib wäre. Nun könte mir zwar gleichviel gelten, wovor es angsehen würde, wenn es weiter nichts zu sagen hätte, dals daß man einem andern zueignete, was mir gehöret: allein, da einige die vorherbestimme Harmonie nicht annehmen, weil sie sie nicht verdauen können; so lassen sie zugleich andere Wahrheiten fahren, die sie beybehalten könten, se mögen von der Gemeinschafft des Leibes und der Seele mit einander für eine Meinung annehmen, was sie für eine wollen. Ich finde demnach nöthig von denen in angezogenem Orte abgehandelten Materien eine gründlichere Nachricht zu ertheilen, als die Gedancken derer sind, welche sie nicht genau genung einsehen. Alle diejenigen, die sich um die Erkäntniß der Dinge bemühet und nach der Welt-Weißheit gestrebet, haben entweder sich entschlossen, gar keine Lehren anzunehmen. sondern alles in Zweiffel zu lassen, damit sie nicht aus Übertheilung das falsche für das wahre ergriffen und im Irrthum verfielen, oder sie haben es endlich gewaget und Lehren eingeführet, darnach sie dasjenige, was ihnen im Leben vorkäme, erklären könten. Die ersten hat man Scepticos oder Zweiffeler; die anderen hingegen Dogmaticos oder Lehrreiche genennet. Weil die Zweiffeler nichts gewisses setzen, sondern alles unentschieden lassen; so ist einer so gut aös der andere, und unter ihnen kein fernerer Unterscheid zu bestimmen. Hingegen die Lehrreichen theilen sich in verschiedene Secten ein. Denn entweder sie geben nur eine Art der Dinge vor, oder sie nehmen ihrer zweierley Arten an. Die ersten werden Monisten: die andern Dualisten genennet. Die Monisten sind abermahl von zweierley Gattung, entweder Idealisten oder Materialisten. Jene geben blosse Geister oder auch solche Dinge zu, welche nicht as Materie bestehen, und unter diejenigen gehören, die von uns einfache Dinge genennet werden, vergleichen die Leibnitzsche Einheiten sind; halten die Welt und die darinnen befindliche Körper für blosse Einbildungen der einfachen Dinge und sehen sie nicht anders als einen regulierten Traum an. Diese hingegen räumen keinem Dinge in der Welt-Weißheit als dem cörperlichen einen Platz ein und halten die Geister und Seelen bloß für eine cörperliche Krafft, nicht aber für ein besonderes bestehendes Wesen. Die Dualisten halten sowohl die Körper, als Geister für würckliche und von einander unterschiedene Dinge, deren eines ohne das andere seyn kan. Endluch die Idealisten geben entweder mehr als ein Wesen zu, oder halten sich für das einige würckliche Wesen. Jene werden Pluralisten; diese hingegen Egoisten genennet. Man siehet leicht, daß , da die Idealisten den cörperlichen Dingen keinen anderen Platz als in den Gedancken der Seele einräumen, sie derselben eine Krafft zueignen müssen, dadurch sie alle ihre Gedancken und Begierden ohne einigen äusseren Einfluß hervorbringet, und alles sich vorstellet, wie es in der Welt ergehet, ob gleich ihrer Meinung nach keine Welt würklich vorhanden. Man siehet nicht weniger, daß die Materialisten dem Leibe eine Kraft zueignen müssen, wodurch er alle Bewegungen hervorbringet, die man in ihm verspüret, ohne einigen Einfluß der Seele, vergleichen sie nirgends zu sehr erachten. Weil nun die Dualisten sowohl die Körper, als die Seele für würkliche Dinge halten; hingegen nicht erklären können, wie die Gedancken der Seele durch die Würckungen des Leibes, noch die Bewegungen des Leibes durch die Krafft der Seele sich hervorbringen lassen; so hat der Herr von Leibnitz wahrgenommen. es lasse sich die Sache begreiffen, wie Leib und Seele mit einander zusammenstimmen, wenn man beydes zusammen nimmet, was die Idealisten und Materialisten lehren. Gleichwie aber kein Idealist bisher dasjenige durchgegangen, was wir in der Seele antreffen und sich zu zeigen bemühet, wie es durch eine einige Krafft der Seele zum Vorschein kommen könne; wie kein Materialist ausgeführet, auf was für Art und Wise der Leib dergleichen Bewegungen hervorbringen könne, als zu vernünfftigen Reden und zu freyen Handlungen erfordert wird; so hat auch der Herr von Leibnitz dieses nirgends ausgeführet, sondern bloß auf Gründe gedacht, wodurch er zeigen möchte, daß ein Dualiste dasjenige zusammen nehmen müsse, was die Idealisten und Materialisten vermöge des Grundes ihrer Secte vorzugeben genöthiget werden. Weil nun mein Vorhaben ist die Natur der Seele zu untersuchen und auf eine verständliche und begreifliche Art zu erklären, wie ihre Veränderungen erfolgen; so habe ich auch untersuchen müssen, was für Wahrheiten die Idealisten und Materialisten haben, und nachdem ich dieses gefunden; so hat es sich gewiesen. es gehe an, was der Herr von Leibnitz angegeben, daß sich neh,lich die Meinungen der Idealisten und Materialisten von den Dualisten mit einander vereinbahren lassen. Und solchergestalt ist freylich die vorher bestimmte Harmonie des Herrn von Leibnitz in ein grösseres Licht gesetzet und vielen begreiflich geworden, die vorher sich gar keinen Begriff von ihr machen können, nachdem ich sowohl der Idealisten, als Materialisten Meinungen gründlich ausgeführet und deutlich erwiesen, wie viel in ihnen Wahrheit anzutreffen. Nachdem man durch meine Schrifft die vorher bestimmete Harmonie des Herrn Leibnitz besser verstehen lernen; so haben sich auch einige gewaget Einwürffe dagegen zu machen. Weil aber in meinem fünfften Kapitel nicht mein Haupt-Vorsatz ist dieselbe zu bestätigen, sondern ich nur fast unvermuthet darauf kommen bin; so habe mich auch dessen nicht anzunehmen. was man wieder den Herrn von Leibnitz vorbringet. Und wenn wuch jemand sie wider mich vorzubringen gemeinet gewesen, und nur aus besonderen Ursachen meinen Nahmen verschwiegen hätte; so finde ich doch auch in diesem Falle nichts dagegen zu erinnern vonnöthen, indem sie so beschaffen sind, daß sie demjenigen, der meine Lehren einsiehet, nicht einigen Zweiffel machen können. Vielmehr muß ein jeder gleich erkennen, daß alle dieselben Einwürffe nicht statt fine, so bald man recht verstehet, was ich behaupte, und zum Theil Schwierigkeiten sind, welche diejenigen drucken müssen, die sich für den natürlichen Einfluß der Seele in den Leib, und des Leibes in die Seele erklären, da nehmlich die Seele von dem Leibe zu ihren Gedancken determinieret werden muß, folgendes ohne den Leib durch ihr Vermögen nichts bewerckstelligen kan. Gewiß! so gemein als diese Meinung ist, so grossen und gefährlichen Schwierigkeiten ist sie unterworfen. Ich will zum Exempel nur eine anführen, die nicht für geringe zu achten. Es kan mit ihr die UNsterböochkeit der Seele keinesweges bestehen: welches so leichte zu erweisen ist, wenn man an deutliche Erkäntniß gewöhnet, daß ich es für überflüßig erachte einen Beweis hieher zu setzen, den ich auch noch um anderer Ursachen willen zurücke behalte. Eine Meinung, mit der die Unsterblichkeit der Seele nicht bestehen kan, ist allerdings höchst gefährlichlich, indem mit ihr das meiste von unserer Religion über den Hauffen fället. Es sind mehr vergleichen gemeine Vorurtheile, die man für Exangelia ansiehet, aber der Religion höchst nachtheilig befunden werden, wenn man sie in ihrer Deutlichkeit und Verknüpffung mit anderen Wahrheiten einsehen lernet. Da es aber meine Art nicht ist jemanden seine Meinungen zur Last zu legen; so werde auch damit nicht eher zum Vorschein kommen, als bis es nöthig ist, daß ich die Last von mir auf einen andern weltze. Ich habe schon in einem andern Orte erinnert, daß, unerachtet die metaphysischen Wahrheiten von einer gantz andern Beschaffenheit sind, als die mathematischen, so daß auch blosse Mathematici dazu nicht aufgeleget sind, sondern, wenn sie darüber kommen, gemeiniglich nur leeren Einbildungen nachgehen, man doch durch Exempel aus der Mathematick, sonderlich der Algebra, die metaphysischen begriffe nicht wenig erläutern könne. Unerachtet ich hier nicht wiederholen mag, daß ich schon anderswo gesaget; so finde ich doch nicht undienlich noch ein Exempel zu mehrerer Bestätigung dessen, was ich gesaget, bey zu bringen. Ich habe in diesem Buche gezeiget, daß die Arten der Dinge durch die Ähnlichkeit der eintzelen, und die Geschlechter durch die Ähnlichkeit der Arten bestehen; die einzelnen Dinge aber daher entspringen, daß alles in ihnen auf eine gewisse Art determiniret ist. Dieses wird +ber die Massen deutlich durch die Formul von en Polygonal-Zahlen erläutert. Bey einer Polygonal- Zahl sind zwey Dinge, die sich auf verschiedene Art dterminiren lassen nehmölich die Seite und die Zahl der Winckel. Werden beyde von undeterminirter Grösse angenommen; so stellet die Formul dasjenige vor, worinnen alle Arten der Polygonal Zahlen einander ähnlich sind, und erläutert daher den Begriff des Geschlechtes.

Inhalt.

Des gantzen Buches.

Das 1. Capitel.

Wie wir erkennen, daß wir sind, und was uns diese Erkäntniß nutzet.

Das 2. Capitul.

Von den ersten Gründen unserer Erkäntniß und allen Dingen überhaupt.

Das 3. Capitel.

Von der Seele überhaupt, was wir nemllich von ihr wahrnehmen.

Das 4. Capitel.

Von der Welt.

Das 5. Capitel.

Von GOTT.

Christian Wollfens,

Königl. Preuss. Hof-Raths und Prof. Purbl. Ordinarii, der Königl. Großbritannischen, wie auch der königl. Preuss. Societät Mitgliedes,

Erinnerung

Wie es künfftig mit den

Einwürffen

halten wil,

Die wieder seine Schriften

gemacht werden.

Halle um Magdeburgischen Anno 1720.

Zu finden in der Rengerischen Buchhandlung.

Prov. XVII, 28.

Ein Narr, wenn er schwiege, würde auch weise gerechnet, und verständig, wenn er das Maul hielte.

Erinnerung wegen der Einwürffe.

§ 1. Vorhaben des Autoris.

Mein Vorhaben ist die Wissenschafften in bessere Ordnung und mehrere Bewisheit zu bringen, damit Verstand und Tugend zur Glückseligkeit des menschlichen Geschlechtes zu nehme.  Aus dieser Absicht ist geflossen, was sich bisher in öffentlichen Druck gegeben, und, wenn mir GOtt Leben und Gesundheit erhält, noch ferner dazu befördern werde. Ich habe auch bißher das Vergnügen gehabt, daß sich viele aus meinen Schriften erbauet, und sie nicht allein wohl aufgenommen, sondern mich auch noch bis auf diese Stunde aufmuntern in meinem Vorhaben fortzufahren.

§. 2. Warum er sich die Einwürffe nicht befremden lässet.

Ob ich nun zwar das Glück gehabt, daß diejenigen, welche in der gelehrten Welt das größte Ansehen erhalten, meine Schrifften ihnen gefallen lassen; so kan ich mir doch deswegen nicht versprechen, daß sie allen gefallen werden: Denn  sonst wäre unter denen, die gelehrt heissen, kein Unterscheid mehr anzutreffen. Und deswegen werde ich mich es auch nicht befremden lassen, wenn sich einige öffentlich erklären, daß sie anderer Meinung sind, als ich, aber auch wohl sich einbilden, als wenn sie wieder dajenige, was ich behaupte, mit gutem Grunde etwas einzuwenden mästen, wenn sie gleich nach nicht verstehen gelernet, was sie sich ihrer Meinung nach zu wiederlegen unterfangen. Es ist allezeit so in der gelehrten Welt hergegangen, und wird auch wohl immer so bleiben, so lange Leute seyn werden, die durch Tadeln denjenigen Ruhm zu erlangen gedencken, den Verständige bloß auf das Besser-machen gesetzet.

§. 3. Frage, so hier abgehandelt werden soll.

Es entstehet nun aber hier die Frage, pb und wie weit man verbunden sey auf gemachte Einwürffe zu antworten? Und diese ist es, welche ich jetzund zu entscheiden mir vorgenommen: Damit man künfftig wisse, aus was für Ursachen ich mich mit Leuten, die Lust zu zancken haben, oder auch wohl mit dergleichen Streit-Schrifften sich etwas zu verdienen gedencken, nicht in Streit einlasse, und sie daher keine Gelegenheit nehmen dörffen zu triumphiren, als wenn ihnen nicht hätte können geantwortet werden. Weiwohl da ich nach dem Urtheile der Unverständigen nichts frage, sondern mir es für ein nicht geringes Lpb halte, wenn ich von ihnen verachtet werde, (deñ weil ein jeder nach seinem Begriffe urtheilet, so wäre mir leid, wenn ich derjenigen Mann wäre, den sie für etwas ansehen; ) so kan mir gleich viel gelten, wenn sie sich für grosse Helden achten und aus Irrthume darüber vergnügen. Weil sie doch keiner andern Glückseligkeit fähig sind; so will ich ihnen diese Freude gar gerne gönnen.

§. 4. Der Autor machet sich anheischig auf Einwürffe zu antworten, die in der Sache! ein mehrens Licht geben.

Ich erkäre mich demnach einmahl für allemahl. werde auch beständig darüber halten, daß ich 1. mit aller Bescheidenheit antworten will, weñ Einwürffe vorgebracht werden, die zur Erläuterung der von mir behaupteten Sätze dienen, und durch deren Untersuchung ein neues Licht angezündet wird, welches so wohl mir, als anderen zu tiefferer Einsicht der Wahrheit verhilfft. Und zwar wird es mir gleichviel seyn, ob die Einwürffe nur schrifftlich, oder in öffentlichen Drucke communiciret werden.