=== [[Wahrheit in der deutschen Literatur von der Aufklärung bis zur Moderne]] ===
=== [[Wahrheit in der deutschen Literatur von der Aufklärung bis zur Moderne]] ===
Der Begriff der Wahrheitsfindung wird zum ersten Mal in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung_(Literatur) Literatur der Aufklärung] benutzt. Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitalter_der_Aufkl%C3%A4rung Zeitalter der Aufklärung], als die alten Normen und Werte der Gesellschaft und der Wissenschaft als falsch angesehen werden, liegt es beim Schriftsteller und Philosophen, nach der Wahrheit zu suchen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthold_Ephraim_Lessing Gotthold Ephraim Lessing] sieht diese Wahrheit im Streben nach Toleranz und Humanität, wie er es in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nathan_der_Weise#Ringparabel Ringparabel] darlegt. Denn genau dieses Streben allein macht, nach Lessing, den Menschen aus: „Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine [des Menschen] Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit besteht.“ Auch ein anderer Denker der Aufklärung, Lichtenberg, macht sich in seinen Aphorismen Gedanken über die Wahrheit, bzw. wie die Menschen sich im Bezug dazu verhalten: „Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten mäßig entstellt“. In der Aufklärung bezieht der Begriff Wahrheit sich also vor allem auf des Menschen Streben, seine Lebensziele zu finden, und damit seine persönliche Freiheit bzw. Mündigkeit zu erreichen.
In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Klassik Weimarer Klassik] ist der Begriff der Wahrheit eher doppeldeutig. Zum einen beschreibt er ein Menschenideal, wie zum Beispiel bei Goethe „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut …“. Er gibt sozusagen Anweisung, wie man sein Leben gestalten soll, um tugendhaft zu leben. Im Faust geht es darum, inwiefern der Mensch zur absoluten Wahrheit gelangen kann, und ob das Streben nach der Wahrheit alle Mittel rechtfertigt. Faust selbst zeigt eigentlich, dass der Mensch dabei nur versagen kann; die Wahrheit bleibt göttlich, bzw. „teuflisch“. Für den Menschen ist sie unerreichbar. Er ist durch ein „strebendes Bemühn“ gekennzeichnet, aber erreichen kann er die Wahrheit nie.
Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Romantik Romantiker] haben eine ganz andersartige Auffassung der Wahrheit. Für sie ist diese eine dem Menschen verschleierte bzw. schwer zugängliche Welt, die parallel zu unserer Wirklichkeit existiert. Des Dichters, oder des Künstlers Aufgabe ist es, den anderen Menschen diese Welt zu offenbaren; nur er allein kennt das „Zauberwort“, das die Welt zum „Klingen“ bringt. Die romantische Wahrheit findet man in sich selbst oder im Einklang mit der Natur. Es ist eine stille, eine einsame Erfahrung, und die Sehnsucht danach zeichnet den Romantiker aus. In einer Zeit, in der Revolution und Restauration sehr schnell aufeinanderfolgen, sucht er außerhalb der Gesellschaft in der Natur seine eigene persönliche Wahrheit.
Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalismus_(Literatur) Naturalisten] haben eine ganz andere Ansicht, was die Wahrheit nun sei. Sie sehen den Menschen als Produkt seiner Zeit, Rasse und Milieus (nach Hippolyte Taine), und reduzieren ihn somit auf ein wissenschaftlich erklärbares Subjekt. Die Wahrheitsfindung besteht darin, diese Bestimmung aufzudecken. Im Sekundenstil geben die Naturalisten die Wirklichkeit so genau als möglich wieder: Im Zeigen der Realität besteht für sie die absolute Wahrheit.
[https://de.wikipedia.org/wiki/Dekadenzdichtung Um 1900], nach der zweiten Industrialisierungswelle, wird die Suche nach der Wahrheit zur essentiellen Frage. Der einzelne Mensch wird auf einen Teil der großen Masse beschränkt; das Individuelle geht verloren. Ziel- und orientierungslos irrt er umher. Einige Autoren suchen diese verlorenen Werte bei Gott neu zu entdecken; Rilke beschreibt einen, „der dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält“. Er vertraut auf eine göttliche Kraft. Nietzsche ist anderer Auffassung: „Gott ist tot“, und wer sich auf die Suche nach der Wahrheit macht, muss sich bewusst sein, dass es kein Zurück gibt. Der Weg ist einsam und schwer, und sogar sein Erfolg ist ungewiss.
Die Autoren der [https://de.wikipedia.org/wiki/Moderne Moderne] werden sich bewusst, dass der Mensch im Konsum und in der Anonymität versinkt. In der Reizüberflutung vereinsamt er zusehends. In „[https://de.wikipedia.org/wiki/Homo_faber_(Buch) Homo faber]“ zeigt Max Frisch einen rationalen Menschen, der dem „American Way of Life“ folgt und glaubt, über allen Gefühlen zu stehen. Er ist also eigentlich der ideale Mensch seiner Zeit; ein gewissenhafter Techniker, der sich ab und zu auf Partys vergnügt, und sich im Allgemeinen nicht allzu viele Gedanken über das Leben macht. Doch seine Fassade bröckelt schon; laut Max Frisch gibt es mehr als die objektive Wahrheit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Technik Technik] – der Mensch hat Gefühle und soll sie nicht verleugnen.
Die Position des radikalen Konstruktivismus ist noch nicht ausgelotet, da sich in ihm auch die 'objektive Wahrheit der Technik’ als die Wahrheit derer herausstellt, die an dieser Technik verdienen. Es steht die 'Wahrheit der Besitzenden' gegen die 'Wahrheit der Habenichtse'.
eigen–Wahrheit, deu.Wortbestimmung 'eigeneWahrheit'; da Wahrheit bedingt der eigenen Wahrnehmung immer erst eigen ist und durch Übereinstimmung mit anderen und dem Dasein zu bringen ist, bevor sie mehr als eine Eigenwahrheit sein kann;
Anm. KF: Wahrheit ist für einen selbst wie eine Ware mit Wert vermittelt durch Wort und das Ausmaß der Bedeutung macht dessen Wert aus, jedoch ist diese Art von Wahrheit eine Wertewahrheit und nicht Wahrheit an sich;
√ uig. *wer- “über etwas gewahr (bewußt) werden, beachten, wachsam hüten”; uig. *u̯er(e)- ‘achtgeben, gewahren’;
Der Begriff der Wahrheit wird in verschiedenen Zusammenhängen gebraucht und unterschiedlich gefasst. Gemeinhin wird die Übereinstimmung von Aussagen oder Urteilen mit einem Sachverhalt,[1][2] einer Tatsache oder der Wirklichkeit im Sinne einer korrekten Wiedergabe als Wahrheit bezeichnet. Im Weiteren wird unter „Wahrheit“ auch die Übereinstimmung einer Äußerung mit einer Absicht oder einem bestimmten Sinn beziehungsweise einer normativ als richtig ausgezeichneten Auffassung („truism“ oder Gemeinplatz) oder mit den eigenen Erkenntnissen, Erfahrungen und Überzeugungen verstanden (auch „Wahrhaftigkeit“ genannt). Tiefergehende Betrachtungen sehen Wahrheit als Ergebnis eines offenbarenden, freilegenden oder entdeckenden Prozesses des Erkennens ursprünglicher Zusammenhänge oder wesenshafter Züge.
Das zugrundeliegende Adjektiv „wahr“ kann auch die Echtheit, Richtigkeit, Reinheit oder Authentizität einer Sache, einer Handlung oder einer Person, gemessen an einem bestimmten Begriff, beschreiben („Ein wahrer Freund“).[3]Alltagssprachlich kann man die „Wahrheit“ von der Lüge als absichtlicher Äußerung der Unwahrheit und dem Irrtumals dem fälschlichen Fürwahrhalten abgrenzen.
Die Frage nach der Wahrheit gehört zu den zentralen Problemen der Philosophie und der Logik und wird von verschiedenen Theorien unterschiedlich beantwortet. Dabei können grob die Fragen nach einer Definition der Wahrheit und nach einem Kriterium dafür, ob etwas zu Recht „wahr“ genannt wird, unterschieden werden. In bestimmten formalen Semantiken werden Sätzen Wahrheitswerte zugeordnet, die das Erfülltsein in bestimmten Kontexten beschreiben. Der etwa für die Grundlagen der Mathematik bedeutende Begriff der Beweisbarkeit lässt sich mitunter mit solchen semantischen Wahrheitsbegriffen in Verbindung bringen, ein Beweis demonstriert dann die Wahrheit.
In Naturwissenschaft und Technik wird die Wahrheit (wahrer Wert) grundsätzlich mittels Messen angestrebt. Wahre Werte sind zwar nicht direkt messbar, werden aber erfolgreich durch Wertintervalle (des vollständigen Messergebnisses) eingegrenzt.
Wortherkunft
Wahrheit ist als Abstraktum zum Adjektiv „wahr“ gebildet, das sich aus dem indogermanischen Wurzelnomen (ig.) *wēr- „Vertrauen, Treue, Zustimmung“ entwickelt hat.[4]